Manche Wortschöpfungen lassen sich nicht eindeutschen: "Guilty pleasures" nennen die Engländer und Amerikaner den Genuss von Vergnüglichem, für das man sich schämt. Die US-Serie "Royal Pains" ist so ein "guilty pleasure": Der fesche junge Mediziner Hank (Mark Feuerstein) verliert in New York seinen Job, weil er einem schwerreichen Patienten nicht so bevorzugt behandelt, wie sich die Klinikleitung das vorstellt. Er verbringt die Tage in alkoholgeschwängerter Lethargie, bis ihn sein jüngerer Bruder zu einem Ausflug in die Hamptons überredet. Die Hamptons, das wissen aufmerksame US-Serienschauer spätestens seit dem "Reich und schön"-für-Teenager-Format "Gossip Girl", sind die Cote d'Azur Amerikas: Idyllisch auf dem Ostende Long Islands - und damit unweit von New York - gelegen, haben sich die wohlhabenden Städter dort ihre Sommerresidenzen errichtet.
Eine Strandvilla reiht sich an die Nächste, errichtet im amerikanischen Neureich-Barock. Das ist fast so hübsch anzusehen wie die Landschaftsaufnahmen in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Ähnlich tiefgehend ist auch der Plot: Auf einer Party voller junger, schöner Menschen rettet Hank - als Art MacGyver der Medizin - eine junge, schöne Frau. Fortan dient er als neuer Privatarzt der Schickeria - zunächst unfreiwillig, ab Folge zwei nimmt er diese "Berufung" aber an.
Dazu kommen ein paar nicht allzu ernste medizinische Notfälle (Hank rettet die Reichen schneller als Dr. House "Testen Sie auf Lupus" sagen kann) und ein paar herrlich flache Dialoge: "Es ist falsch, Patienten abzulehnen, weil sie arm sind. Ist es nicht genauso falsch, Patienten abzulehnen, weil sie reich sind?", heißt es an einer Stelle. Oder "Wenn man einen langen Tag voller Leben und Tod hinter sich hat, ist nichts so beruhigend wie der Anblick der schönsten Frau der Welt."
"Royal Pains" ist nicht gerade die große intellektuelle Herausforderung, dabei drängen sich sozialkritische Themen geradezu auf: Von der Zwei-Klassen-Medizin über das gängige Schönheitsideal bis zur Vernachlässigung von Jugendlichen in der Oberschicht. Solche Probleme schupft Super-Arzt Hank mit Leichtigkeit - und das macht die Serie auch so anziehend, dass in den USA bereits die dritte Staffel läuft. "Royal Pains" ist Entspannung pur. Man darf nur nicht zu viel darüber nachdenken.
Der Name der Serie lässt sich übrigens nur unzureichend ins Deutsche übersetze: Er bedeutet im Deutschen "Nervensägen". Das klingt nicht einmal halb so schön.
"Royal Pains": Free-TV Premiere in Österreich am Freitag, den 9. Dezember um 22:05 Uhr, Puls4
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