Thomas Gottschalk muss unglaublich viel kosten. Anders kann man es sich nicht erklären, dass der Auftakt seiner täglichen halbstündigen Talkshow "Gottschalk" live in der ARD (ab 19.20 Uhr) am Montag ganze drei Mal von Werbung unterbrochen wurde. Kaum hatten der langjährige "Wetten, dass ...?"-Moderator und sein erster Gast, Comedian, Filmemacher und Schauspieler Michael "Bully" Herbig, ins Gespräch gefunden, erklang auch schon wieder die Ankünder-Musik für die Werbeschaltung. Das war lästig für Gast, Zuschauer und Moderator, den die Unterbrechung selbst am meisten überraschte. Der 61-Jährige ist es natürlich auch nicht gewohnt, sich allzu streng ans Programm zu halten - bei "Wetten, dass ...?" überzog er immer heillos.
Als "halbe Stunde 'Happy Hour'" hat Gottschalk seine neue Sendung zu Beginn angekündigt. Hier werde nicht über Rettungsschirme oder strauchelnde Präsidenten geredet. Vielmehr setzt er auf seine bewährte, im Radio gelernte Taktik: Reden, reden, reden bis das rote Licht auf der Kamera nicht mehr leuchtet.
Bei langen Samstagabendshows fällt es allerdings weniger auf, wenn der Moderator einmal - wie die Deutschen sagen - Stuss von sich gibt. So analysierte er das Scheitern der Ehe zwischen Model und Castingshow-Moderatorin Heidi Klum ("Ich habe sie entdeckt!") und Musiker Seal simpel damit: "Es hat nicht halten können, wenn in einer Familie zwei Menschen Karriere machen wollen." Da würden ihm wohl viele widersprechen. Und warum man sich für den deutschen Comedian und gegen Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage, der momentan in Berlin weilt, als ersten Gast entschieden habe, erklärte Gottschalk so: "Ich habe gesagt: 'Kein Ausländer. Nehmen wir Herbig.'" Der macht seine Sache gut, bleibt humorvoll und erdet Gottschalk mit etwas Ruhe. Und am Ende hat man fast eine Ahnung davon, wovon sein neuer Film "Zettl" (Regie: Helmut Dietl) handelt.
Bei Gottschalk hingegen regiert das Chaos, auch mit den Jahreszahlen tut er sich nicht leicht: Herbigs Erfolgsfilm "Der Schuh des Manitou" glaubt er, 1982 (!) im Kino gesehen zu haben. Passend dazu wird in einer der Unterbrechungen ein Medikament gegen Gedächtnisschwächen beworben. Vielleicht sollte ihm hier seine Redaktion, die (als Saalpublikum-Ersatz) vor der Kamera am Social-Media-Auftritt und anderen sendungswichtigen Dingen arbeitet, ein wenig mehr unter die Arme greifen.
Mit den weißen Hausschlapfen (ein Mitbringsel Herbigs) in einem biederen Wohnzimmer-Ambiente auf Ledersesseln sitzend: Gottschalk hat ein bisschen etwas Großväterliches und Großvätern verzeiht man so manchen Blödsinn. Noch fehlt der Rhythmus, er hat sich auf die kurze halbe Stunde noch nicht eingespielt. Aber wenn er das in absehbarer Zeit schafft, dann darf man davon ausgehen, dass sich das Engagement des Moderatoren-Urgesteins für die ARD auszahlen wird. So ein bisschen Nonsens im Plauderton zum Feierabend ist ja doch recht entspannend.
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