18.06.2013 08:27 Merkliste 0

TV-Kritik: Ein "Tatort" voller Leichen

05.02.2012 | 18:39 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

"Kein Entkommen" – der ORF-Beitrag zur beliebten Krimireihe – ist zu brutal geraten. Vor lauter Toten ging das Thema verloren.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Früher war der Umgang mit dem Tod im Fernsehen meist dezent. Oft wurden Leichen gar nicht gezeigt oder wenn, dann von der Ferne oder verdeckt – wie man es ja auch an einem echten Tatort vermeiden würde, direkt in die Blutlache zu steigen. Aus Grausen – und um die Würde des Opfers zu wahren.

Heutzutage braucht man als Zuseher dagegen oft starke Nerven. Am Sonntag wurde man letzter Zweifel enthoben, es könnte sich zumindest der ORF-„Tatort“ zurückhalten. Schließlich ist Harald Krassnitzer als Kommissar ein Sympathieträger, der eine gewisse Milde ausstrahlt. Doch weit gefehlt: In „Kein Entkommen“ sorgte eine paramilitärisch-nationalistische Serbentruppe bei der Verfolgung eines Deserteurs für ein Massaker. Die Hinrichtung eines Unschuldigen, eine im Klo erschossene Polizistin, ein zum Sterben aus dem Auto getretener Mitkämpfer, Krassnitzer und seine Partnerin (sensibel dargestellt von Adele Neuhauser) im Maschinengewehrfeuer – in Summe gab es über ein Dutzend Leichen. Am Ende war man froh, dass zumindest niemand auf die Idee gekommen ist, die Erinnerungen des Deserteurs an das „Schächten von Menschen“ im Kosovo zu verfilmen.

Vor lauter Toten ging das Thema verloren: Fremdenfeindlichkeit gibt es dort wie da – beim Wiener Geschäftsmann wie bei der kopftuchtragenden Putzfrau, die in gebrochenem Deutsch meint: „Mochn nur Tschuschn so an Mord.“ Das Thema ist aktuell – ein Erfolgsrezept der „Tatort“-Reihe. Diese explizite Brutalität aber wäre nicht nötig gewesen – dass weniger oft mehr ist, wissen wir schließlich schon seit Hitchcock.

''Tatort'': Österreichs beliebteste Kommissare

Alle 16 Bilder der Galerie »

E-Mails:isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

47 Kommentare
 
12

In Innsbruck sollen sich mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher aufhalten.

siehe : http://tirol.orf.at/news/stories/2520175/

"Vor lauter Toten ging das Thema verloren: Fremdenfeindlichkeit gibt es dort wie da – beim Wiener Geschäftsmann wie bei der kopftuchtragenden Putzfrau"

Das Thema ist wohl weniger "Fremdenfeindlichkeit", sondern das Untertauchen von Kriegsverbrechern in Österreich. Oder ?


Gast: Dobro veče
06.02.2012 23:48
0 0

Hervorragender Tatort!

Für den Kommentator ist die Anzahl der Getöteten "hervorragend". De facto sind es das Drehbuch, die Darsteller, die szenische Umsetzung und das offene Ende, die diese Tatortfolge zu einer hervorragenden machen. Beklemmend, die Brutalität, mit der die Killer ihren Mittäter und Mitwisser auslöschen wollten. Klar gefällt das nicht allen. Es ist vielleicht nicht Alltag in Wien - 1990 und danach war es aber so, im ehemaligen Yugoslawien. Mit Krassnitzer und Neuhauser hat der ORF für seine Tatort-Folgen ein Top-Team geschaffen. Weiter so!

Gast: I was wos
06.02.2012 22:12
0 0

Typisch linkslastig !

Mörder sind natürlich hauptsächlich die bösen (orthodoxen) Christen, die die armen Muslime abschlachten, denen Gewalt natürlich völlig fremd ist, wie man überall auf der Welt sieht.
Dazu wärmt man alte Themen auf, Strache muss natürlich auch einen Schlag mit der linken ORF - Keule abbekommen.
Wie wäre es mit aktuellen Themen: zb. Nigerianern, die von der Boko Haram - Sekte geflüchtet sind ? Oder Kopten in Österreich, die aus Ägypten geflüchtet sind ? Oder österreichischen Jugendlichen, die von Türkenbanden drangsaliert werden ? Zu feig, liebe linke Kunstschaffende ?

Gast: Hemingway
06.02.2012 19:22
0 0

Ein weiterer Grund, diesen manipulativen Verblödungsrotfunk zu meiden und keine Zwangsgebühren mehr zu bezahlen.

Daher: Abmeldung ! Keine GIS Schergen Angst, diese Typen haben keinerlei Exekutivrechte und weder Polizei noch Richter werden sich von diesem Sender u seinen hochbezahlten Angestellten missbrauchen lassen.

Auf intelligente, seriöse, in- u ausländische Sender ausweichen....

Antworten Gast: kommissar
08.02.2012 13:51
0 0

Re: Ein weiterer Grund, diesen manipulativen Verblödungsrotfunk zu meiden und keine Zwangsgebühren mehr zu bezahlen.

Merkwürdig. Der Tatort wurde zusammen mit dem "ARD" produziert und auch dort ausgestrahlt.

Bitte Ihre Meinung bei Ihnen lassen.

Gast: Der Notar
06.02.2012 18:54
0 0

Also lustig war die Aussage vom K.

zur Barfrau: Ich schiebe Dich mitten in den Kosovo ab.

Falco

wenn er noch leben würde
wär heute vielleicht tatort kommissar

Gast: Zoki
06.02.2012 17:18
0 0

Übersetzung

Die Übersetzung war wirklich nicht gut die Leute sagen auf serbisch etwas und etwas anderes steht im Untertitel.

Gast: Zoki
06.02.2012 16:42
2 0

Serben in Wien

Wir Serben respektieren Österreich und Wien, nur geht es uns auf den Keks wenn sich die Össis in Dinge einmischen die sie weder verstehen noch verstehen wollen.


Antworten Gast: HelmutMüller
08.02.2012 13:53
0 1

Re: Serben in Wien

Auf solche Serben wie Sie können wir gerne verzichten.

Das ist auch unser Österreich und lassen uns von Serben nichts vorschreiben.

Antworten Gast: Der Notar
06.02.2012 18:55
0 0

Offenbar

wählen die Serben die Falschen. Zuviel Nähe zur FPÖ. DAS KANN NICHT OHNE FOLGEN BLEIBEN.

Gast: msk
06.02.2012 16:36
3 1

Ohne Spannung!

Der ORF ist wirklich unglaublich. Nicht nur, dass man einen schlechten Tatort nach dem anderen produziert. Nein man verrät in der Vorschau schon das Ende.

Das der Weihnachtsmann-Arzt das Kind als Geisel nimmt hat man schon vor 3 Tagen gesehen. Damit war der Fall eigentlich schon gegessen.

der Kommissar Krassnitzer


passt eher zum Heller Franz und sein Lichterlmeer als in einen Tatort. Die Kruzifixtragenden bösen Serben und die "Drei Bier" entsprechen dem Bildungsauftrag des ORF.

Worum geht es wirklich ?

Es wird im ORF so viel Schmarrn gespielt. Es werden WESENTLICH brutalere Filme gespielt. Bei denen man sich wirklich fragt, ob man unfassbar sadistische Quälungs- und Tötungsmethoden so genau zeigen muss.

Darüber regt sich die PRESSE nicht auf.

Sondern über einen in keine Richtung besonders auffälligen "Tatort". Nicht besonders gut und nicht besonders schlecht.

Worum geht es wirklich ?

Darum, dass diesmal serbische Kriminelle gezeigt worden sind. Das darf offenbar nicht sein.

Warum nicht ?


Gast: sorry
06.02.2012 15:23
1 2

Der wiener Tatort ist leider wirklich der schlechteste..

... flaches Drehbuch, durchschnittliche schauspieler. leider ö Phänomen: Die gleichen Leute braten seit Jahren in ihrem eigenen Saft. Sehr bequem. Das muß nicht sein. Gerade die österreichische Filmszene hat ein geradezu beeindruckendes Potential. schade. Nein eher: Geradezu peinlich.ORF: Mut mal zu verjüngen!

Gast: Jaja
06.02.2012 15:02
3 0

Vor lauter Krimis...

vor lauter Krimis geht das (ORF)Programm verloren! Schon mal ins Programm geschaut? Fast nur mehr Krimis (zusätzlich zu den Ami-CSIs..!), zu mehr außer Krimis, Herzischmerzi, Dokusoaps und Realityshows reicht die deutschsprachige Fantasie offenslichtlich nicht mehr. Vielfalt NULL! Bitte sich mal an der Ideenvielfalt in z.B. UK ein Beispiel nehmen! Und vorher ist jeder Cent Zwangsgebühr eine Frechheit!!!

Antworten Gast: Musica
06.02.2012 21:35
1 0

Re: Vor lauter Krimis...

Danke für Ihren Kommentar! Vor lauter Krimi Übersättigung braucht es dann 15 Leichen und einen pseudo sozial-kritischen Hintergrund, damit man a) die Leute vorm Bildschirm hält und b) behaupten kann, das Ganze hätte einen Sinn...

Gast: b754
06.02.2012 14:00
0 1

ein sehr ernstes interesantes thema

aber sehr schlecht gespielt und gemacht kein sonnagskrimi

Eher unspektakulärer........

...........Tatort (wenn man von den 15 Toten absieht), die Story war "umgedichtete" Kriegsgeschichte aus dem YU-Bürgerkrieg (reale "Figuren": Željko Ražnatović aka Arkan und Radovan Karadžić), Adele Neuhauser tut der Serie gut, Krassnitzer spielt das, was er kann (und dazu zählt für mich eher Bergdoktor als Kiewara), die Handlung und der Spannungsbogen waren eher seicht -wer die wahre Geschichte kennt wusste ziemlich schnell, dass der Arzt der "Böse" ist, da hat man ja tatsächlich versucht mit einem Karadzic Double zu besetzen- wenn es nicht die Vielzahl an Toten gegeben hätte wäre es eine typsiche österr. Tatortfolge geworden.

Gast: Zoki
06.02.2012 13:48
2 0

Bosnien

Die Schächtung war in Bosnien und nicht im Kosovo.

Aber gut ist ja realitätsnahe, wann hat ein Serbe jemals einen Anschlag in Wien gemacht oder sich jemals so frech geäußert wie dieser Rajko.


Und immer die Serben...

...sind an allem, was in diesem unseligen Krieg passiert ist, schuld bzw. die Bösen. Ist denn der erste Weltkrieg nicht entschieden? Müssen die Ressentiments, die noch aus der Monarchie stammen, immer wieder plakativ dargestellt werden? Traurig, dabei wäre noch so viel aus unserer "Tätigkeit" zwischen 1938 und 45 aufarbeitens würdig!

Re: Und immer die Serben... ...sind an allem, was in diesem unseligen Krieg passiert ist, schuld

Das stimmt für diesen Film nicht. Sie vergessen die Szene, in der Krassnitzer den "Aussteiger" fragt, warum er begonnen hat mitzumachen. Da wurde der Teufelskreis der gegenseitigen Grausamkeiten durchaus deutlich.

Gast: Johan Meltini
06.02.2012 13:39
0 1

persönliche Entrüstung als Artikel?

Was heißt "wär nicht nötig gewesen?" Was ist denn nötig? Was ist das für eine Frage an einen Film? Soll man nur mehr verfilmen, was nötig ist. Krimi mit Fahrraddiebstahl?

Beim Tatort gestern, was soll da so brutal gewesen sein? Hallo? Zweifellos, Mord ist ihr Hobby ist milder und lieblicher. Jeder zweite Actionfilm ist x-mal brutaler.

Nein, nein, der Tatort war schon ok. Als wären die anderen Tatorte immer so durchdacht und voller Handlung. In der Regel weiß man nach 10 Minuten wers war oder wie der Täter überführt wird.

Gast: bitteichweisswas
06.02.2012 13:31
2 1

Krassnitzer wird nicht glaubhafter

mit krassnitzer u neuhauser als protagonisten werden max formate wie "der bergdoktor" oder "soko-donau" "glaubwürdig" umgesetzt- nicht der Ösi-Tatort: zu viele Klischees u daher sind solche "Publikumslieblinge" wie Krassnitzer, Moretti uä in diesem Format fehlbsetzt-

Gast: Altkater1
06.02.2012 12:44
4 1

Manche Bevölkerungsgruppen sind gleicher

Bei der serbischen Bevölkerungsgruppe besteht ja nicht gleich Gefahr, daß es einen kollektiven Entrüstungssturm gibt.

Ist also relativ gefahrlos, darüber einen Film zu drehen und sich als großartigen "Aufdecker" feiern zu lassen..

Und als angenehmen Nebeneffekt kann man einem Serbenfreund auch gleich eins auswischen.

Antworten Gast: Matador
06.02.2012 12:51
3 1

Re: Manche Bevölkerungsgruppen sind gleicher

Die primitiven 3-Bier-Besteller sind unter der serbischstämmigen Bevölkerungsgruppe eine verschwindende Minderheit.
Wird auch ganz genau so dargestellt.

 
12