Früher war der Umgang mit dem Tod im Fernsehen meist dezent. Oft wurden Leichen gar nicht gezeigt oder wenn, dann von der Ferne oder verdeckt – wie man es ja auch an einem echten Tatort vermeiden würde, direkt in die Blutlache zu steigen. Aus Grausen – und um die Würde des Opfers zu wahren.
Heutzutage braucht man als Zuseher dagegen oft starke Nerven. Am Sonntag wurde man letzter Zweifel enthoben, es könnte sich zumindest der ORF-„Tatort“ zurückhalten. Schließlich ist Harald Krassnitzer als Kommissar ein Sympathieträger, der eine gewisse Milde ausstrahlt. Doch weit gefehlt: In „Kein Entkommen“ sorgte eine paramilitärisch-nationalistische Serbentruppe bei der Verfolgung eines Deserteurs für ein Massaker. Die Hinrichtung eines Unschuldigen, eine im Klo erschossene Polizistin, ein zum Sterben aus dem Auto getretener Mitkämpfer, Krassnitzer und seine Partnerin (sensibel dargestellt von Adele Neuhauser) im Maschinengewehrfeuer – in Summe gab es über ein Dutzend Leichen. Am Ende war man froh, dass zumindest niemand auf die Idee gekommen ist, die Erinnerungen des Deserteurs an das „Schächten von Menschen“ im Kosovo zu verfilmen.
Vor lauter Toten ging das Thema verloren: Fremdenfeindlichkeit gibt es dort wie da – beim Wiener Geschäftsmann wie bei der kopftuchtragenden Putzfrau, die in gebrochenem Deutsch meint: „Mochn nur Tschuschn so an Mord.“ Das Thema ist aktuell – ein Erfolgsrezept der „Tatort“-Reihe. Diese explizite Brutalität aber wäre nicht nötig gewesen – dass weniger oft mehr ist, wissen wir schließlich schon seit Hitchcock.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)
''Tatort'': Österreichs beliebteste Kommissare




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