Altern ist nichts für Einsame

06.02.2012 | 18:27 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Helene Maimann kommt in ihrer tröstlichen Doku zur Erkenntnis: Alt werden fällt mit Freunden leichter.

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rei Freundeskreise, drei Wege, mit der Mühsal des Alterns umzugehen. Aber halt – Mühsal? So beschwerlich scheint das Altwerden für die befragten Alltagshelden in Helene Maimanns Dokumentation „Die Zeit, die uns bleibt“ (heute, Di, 22.30Uhr, ORF2) gar nicht zu sein. Gut, das hat sicher damit zu tun, dass der generell zurückhaltende Mensch vor der Kamera eher nicht jammert und die Details des eigenen physischen Verfalls höflich für sich behält.

Klar ist aber, dass die Filmemacherin hier ganz spezielle Freundeskreise aufgestöbert und befragt hat. Zuerst die Mit-Fünfziger und -Sechziger rund um Theologe Martin Jäggle und Verleger Michael Baiculescu, die auf einem Bauernhof in der Südsteiermark zusammentreffen und sich einig sind: Nicht „Hauptsache gesund“ müsse es im Alter heißen, sondern „Hauptsache Sinn“.

Szenenwechsel. Wien Währing. Eine WG mit Musikern der ehemaligen Band „Die Schmetterlinge“, Theatermachern, Psychotherapeuten. Man kennt einander teils seit der Schulzeit, teilt Erinnerungen und nun sogar die eigenen vier Wände. Wie geht die Generation „Forever Young“ mit dem Altern um? Mit Humor und Musik. Einen wesentlichen Unterschied bringt das Altern als Künstler aber: „Wir haben keine oder wenig Pension“, sagt Musikerin Beatrix Neundlinger, sie habe also „noch eine lange Arbeitsstrecke“ vor sich. Und mit Willi Resetarits kommt dann doch einer auf die körperlichen Gebrechen wie Gehörschaden oder wehes Kreuz zu sprechen. Da hilft nur Ablenkung, mit Freunden.

Noch einmal Szenenwechsel. Wien Innere Stadt. Die 91-jährige Hansi Tausig, früher mit Otto Tausig verheiratet, ist seit 30 Jahren Teil einer Frauenrunde, die mittwochs ins Museum geht. Sie fühlt sich „sehr gut aufgehoben in der eigenen Generation“. Die Doku ist mit 40 Minuten fast zu kurz, man hätte gerne noch mehr von den Befragten erfahren, auch über die weniger schönen Seiten des Alterns. So ist der Film eine hübsche Empfehlung. Sie lautet: Alt werden? Ja, aber nur im Kreise guter Freunde.

 

E-Mails an: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

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1 Kommentare
Gast: bitteichweisswas
07.02.2012 09:25
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