"Borgen": Die Gier nach Macht in Dänemark

In der Politserie „Borgen“ geht es um Intrigen und Skandale in der Regierung, die, wie in der Realität, eine Frau lenkt.

Ihnen sagt die Serie „The Killing“ nichts? Das wäre anders, wenn Sie Brite wären. Die Engländer lieben dänische TV-Serien, so wie die Krimireihe, die bei uns den Titel „Kommissarin Lund“ trägt und deren Heldin auch im Werbespot einer Versicherung auftaucht, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Briten freilich messen jeden dänischen Fernsehexport an „The Killing“. Es ist also nicht die schlechteste Werbung, wenn Zeitungen die neue Ware „Borgen“ (so heißt der Regierungssitz in Kopenhagen) so ankündigen: „Is this the new ,Killing‘?“ Ab sofort ist die Serie mit dem deutschen Titel „Gefährliche Seilschaften“ jeden Donnerstag auch bei uns zu sehen (Arte, 20.15h). Im Mittelpunkt steht Birgitte Nyborg – Mitglied der Moderaten Partei, zweifache Mutter, eifrige Radlerin –, die es durch ihre gewinnende Art und einen fiesen Trick ihres Beraters zur Premierministerin geschafft hat. Nun kämpft sie gegen Intrigen, Korruption und Barrieren im Kopf: Als sie eine Frauenquote für Vorstände einführen will, droht die Dreierkoalition zu zerbrechen. Die zweite zentrale Figur, die ehrgeizige TV-Journalistin Katrine, bringt den Aspekt der Medien als Herausforderer der Politik ins Spiel. Auf Geheiß des Chefs ändert sie schon einmal unangekündigt den Ablauf der Livediskussion, um politische Gegner gegeneinander auszuspielen. „Hältst du das für guten Journalismus?“, fragt ein Kollege. „Das war verdammt gutes Fernsehen, alles andere ist egal“, sagt der Chef.

Hier wird politischer Alltag erzählt und zwar im Großen und Ganzen so, wie er heute wohl wirklich funktioniert. In Dänemark zog „Borgen“ sonntags bis zu 1,5Mio. Zuseher (von 5,5Mio. Einwohnern) vor die Fernseher, die dritte Staffel ist in Arbeit. Das Interesse potenziert hat schließlich die Realität: Exakt ein Jahr nach Serienstart wurde im Oktober mit Helle Thorning-Schmidt erstmals eine Frau Ministerpräsidentin Dänemarks.

Nur eins müssen die Dänen uns noch erklären: Was hat's mit ihrem Engagement in der Werbung? Im eingangs erwähnten Versicherungsspot begegnet uns auch ein Gesicht aus „Borgen“. Es ist der Ehemann der Premierministerin.

 

E-Mails an: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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