TV-Kritik: Im Ballroom steppt nur das Glühwürmchen

"Dancing Stars" im verflixten siebten Jahr: Wieder die Chance für die Semiprominenz, sich mit einer Blamage zu profilieren.

Ballroom steppt Gluehwuermchen
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Ballroom steppt Gluehwuermchen
(c) ORF/ORF/Ali Schafler (ORF/Ali Schafler)

Ab Freitag, so hat der ORF versprochen, werde der Ballroom „brennen“ – bei der bereits siebten Staffel von „Dancing Stars“. Was für eine Ansage! Das klingt nach mehr „Äktschn“ als sie die „Millionenshow“ Woche für Woche bietet. Gebrannt haben dann aber nicht feurige Tänze, sondern „höchstens ein Glühwürmchen“ (© Juror Hannes Nedbal), die Fußsohlen und die Bandscheiben, die sich beim Training „verabschiedet“ haben. Moderatorin Mirjam Weichselbraun hat es gesagt: Das ist kein Spaß, sondern eine ernste Sache. Da geht es nicht nur ums Mitmachen – da packt der Ehrgeiz zu. Und das ist ja das Erfolgsrezept dieser weltweit vermarkteten BBC-Show: Dass man der Semiprominenz (Zitat einer 14-jährigen Zuschauerin: „Wer sind die alle?“) dabei zusehen darf, wie sie sich abmüht, quält – und scheitert oder triumphiert. Irgendwann ist „da, wo früher mein Körper war, ein Schmerz, der meinen Namen trägt“, notierte einer der Gagschreiber Moderator Klaus Eberhartinger ins Notizbuch. Lustig zu sein ist Teil des Konzepts.

Dabei geht die Lust am Beobachten in dem Fall wenigstens nicht auf Kosten von sangeshungrigen Teenagern oder auf- und abstöckelnden Fräuleins, die vor dem Zuschauer entblößt werden. Bei Weichselbraun und Eberhartinger tanzen erwachsene Leute an, die es gewohnt sind, im Rampenlicht zu stehen. Und sie werden nicht wie bei Dieter Bohlen oder Heidi Klum am Nasenring ihrer Unzulänglichkeiten durch die Arena gezogen. Gestichelt wird schon: „Du bekommst nur einen Promi – wenn der kaputt ist, kriegst du keinen neuen!“ Die Protagonisten stellen sich der Möglichkeit einer Blamage ganz bewusst. Für manche ist es eine rare Chance, wieder in die Klatschspalten zu gelangen. Auch der ORF profitiert davon: Mit 932.000 Zuschauern bei 35Prozent Marktanteil war der Öffentlich-Rechtliche mit der Auftaktfolge sehr zufrieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2012)

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