TV-Kritik: Im Ballroom steppt nur das Glühwürmchen

10.03.2012 | 17:54 |  i.w. (Die Presse)

"Dancing Stars" im verflixten siebten Jahr: Wieder die Chance für die Semiprominenz, sich mit einer Blamage zu profilieren.

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Ab Freitag, so hat der ORF versprochen, werde der Ballroom „brennen“ – bei der bereits siebten Staffel von „Dancing Stars“. Was für eine Ansage! Das klingt nach mehr „Äktschn“ als sie die „Millionenshow“ Woche für Woche bietet. Gebrannt haben dann aber nicht feurige Tänze, sondern „höchstens ein Glühwürmchen“ (© Juror Hannes Nedbal), die Fußsohlen und die Bandscheiben, die sich beim Training „verabschiedet“ haben. Moderatorin Mirjam Weichselbraun hat es gesagt: Das ist kein Spaß, sondern eine ernste Sache. Da geht es nicht nur ums Mitmachen – da packt der Ehrgeiz zu. Und das ist ja das Erfolgsrezept dieser weltweit vermarkteten BBC-Show: Dass man der Semiprominenz (Zitat einer 14-jährigen Zuschauerin: „Wer sind die alle?“) dabei zusehen darf, wie sie sich abmüht, quält – und scheitert oder triumphiert. Irgendwann ist „da, wo früher mein Körper war, ein Schmerz, der meinen Namen trägt“, notierte einer der Gagschreiber Moderator Klaus Eberhartinger ins Notizbuch. Lustig zu sein ist Teil des Konzepts.

Dabei geht die Lust am Beobachten in dem Fall wenigstens nicht auf Kosten von sangeshungrigen Teenagern oder auf- und abstöckelnden Fräuleins, die vor dem Zuschauer entblößt werden. Bei Weichselbraun und Eberhartinger tanzen erwachsene Leute an, die es gewohnt sind, im Rampenlicht zu stehen. Und sie werden nicht wie bei Dieter Bohlen oder Heidi Klum am Nasenring ihrer Unzulänglichkeiten durch die Arena gezogen. Gestichelt wird schon: „Du bekommst nur einen Promi – wenn der kaputt ist, kriegst du keinen neuen!“ Die Protagonisten stellen sich der Möglichkeit einer Blamage ganz bewusst. Für manche ist es eine rare Chance, wieder in die Klatschspalten zu gelangen. Auch der ORF profitiert davon: Mit 932.000 Zuschauern bei 35Prozent Marktanteil war der Öffentlich-Rechtliche mit der Auftaktfolge sehr zufrieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2012)

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1 Kommentare

Der Autor hat nicht begriffen, wie dieses Format funktioniert!

Zugegeben: Den Status von echter "Prominenz" haben die meisten der an dieser Tanzkonkurrenz teilnehmenden Leute noch nie besessen oder eben heute nicht mehr! Katharina Jacob beispielsweise (inzwischen eh schon wieder ausgeschieden) war seinerzeit an der Seite des "Bullen von Tölz" als norddeutsche Antipodin zum bayerischen Lokalkolorit wirklich ganz ausgezeichnet besetzt. Aber diese Krimiserie ist schon lange Geschichte. Frenkie Schinckels kennen immerhin die Fußballfans als Spieler, Trainer und ORF-Analytiker. Wie früher auch Polster und Konsel. Langjähriges Küniglberg-Personal wird wenigstens Konsumenten bestimmter ORF-Sendungen ein Begriff gewesen sein. Ähnliches gilt für SchauspielerInnen, Sängerinnen und TänzerInnen, die man in früheren Staffeln sah.

Doch darauf kam und kommt es weniger an. Entscheindend ist doch zu zeigen, wie selbst bekennende Tanzmuffel sich in monatelanger harter Trainingsarbeit ein Tanzniveau erarbeiten können, das man ihnen - und sie sich selbst - nie zugetraut hätte! Etliche von ihnen nahmen dabiei beachtliche Kilos ab und sahen danach wirklich sehr gut aus! Tanzen ist nun einmal ein Hochleistungssport; auch wenn sich damit kaum viel Geld verdienen läßt. Und: Wirklich "blamiert" hat sich bei den Dancing Stars auch noch niemand. Aus dem Rahmen gefallen ebenfalls keine oder keiner. Hngegen von Woche zu Woche deutlich verbessert - das haben sich die meisten! Und mit der antrainierten Tanzerei wollte sich auch niemand eine neue Karriere schaffen...

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