„Das unsichtbare Mädchen“: Brodelnder Provinz-Krimi

30.03.2012 | 16:31 |  Von Christoph Huber (DiePresse.com)

Schon wieder ein Meisterwerk von Dominik Graf: der mitreißende Krimi „Das unsichtbare Mädchen“ am Freitagabend auf Arte. Schon die Vorpremiere erregte Aufsehen.

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Dominik Graf macht die besten deutschen Kinofilme, nur eben im Fernsehen. Ein weiteres Beweisstück dafür war Freitagabend auf Arte zu sehen: „Das unsichtbare Mädchen". Schon die Vorpremiere letzten Herbst erregte Aufsehen: wegen der Inspiration durch den „Fall Peggy", der in Deutschland für Schlagzeilen sorgte. Im oberfränkischen Provinzdorf Lichtenberg war die neunjährige Peggy 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden, 2004 verurteilte man einen geistig behinderten Teenager als Mörder - er hatte nach stundenlangen Verhören gestanden, später widerrufen. Der Fall ist vom Ruch eines Justizskandals umgeben, nicht einmal Peggys Tod ist bewiesen. Eine Leiche wurde nie gefunden, Zeugen behaupteten, Peggy nach der angeblichen Tat gesehen zu haben.

Diese Geschichte dient als Ausgangsbasis für einen Provinzkrimi, der rasant expandiert, bis zu (Korruptions-)Spuren in höchsten Regierungskreisen. Tempo, Vielschichtigkeit und Unverfrorenheit der Umsetzung zeigen Grafs unverwechselbare Handschrift: Da wird nicht lange im Dialog gefackelt, da bringt ein starkes Bild die Sache auf den Punkt. Kaum ist Polizist Tanner (Ronald Zehrfeld) aus Berlin im bayerischen Nest angekommen, wird er beim Dorfwirt mit einer Vergangenheit konfrontiert, die spaltet - und die Figuren antreibt. Eine rote Demarkationslinie ist auf dem Boden: Wer glaubt, dass vor elf Jahren das kleine Mädchen Sina ermordet wurde, steht auf der einen Seite; wer denkt, dass einiges vertuscht wurde, steht auf der anderen.

Der Film ist eine nicht abreißende Serie solcher ausdrucksstarker Momente. Mit unerhörten Exkursionen in Territorien wie Kindersexmilieu. Graf inszeniert mit einer Lust und Freiheit wie in der Genrekino-Hochblüte der 1970er: barock wie die besten italienischen Politkrimis, ökonomisch wie die besten Hollywood-Polizeifilme der „Dirty Harry"-Ära. Man glaubt kaum, dass so etwas im Prime-Time-TV möglich ist.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)

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6 Kommentare
Gast: kalif
01.04.2012 10:14
1 0

Eine Katastrophe!

Bekommt der Autor des Artikels Geld von den Filmemachern? Das Ganze war tontechnisch eine reine Katastrophe! Ständige Nebengeräusche machten das Zuhören zur Qual.
Und dann die Dialoge: Prominente Darsteller, die ansonsten verständliches Hochdeutsch sprechen, versuchen krampfhaft, Fränkisch zu nuscheln. Einfach lächerlich. Wie kann man so etwas ein Meisterwerk nennen?

Antworten Gast: Hardy63
01.04.2012 18:01
1 0

Re: Eine Katastrophe!

Die Beiträge hier kann ich nur unterstreichen.

Ich habe gerade die ersten 20 Min.
mit Mühe hinter mich gebracht,
und spar' mir den Rest.
Danke !!!


Gast: nänee
01.04.2012 08:18
1 0

Gäääähnn

Kann meinen zwei Vorrednern nur Recht geben. Ich komme aus der Region, in der das REALE Mädchen verschwunden ist und bis heute keine Aufklärung stattgefunden hat. Schon wie die Menschen dargestellt wurden, ist eine Farce, denn hier spricht keiner bayerisch! Und das hohle Genuschel der Schauspieler mit primitiven Entgleisungen - eine einzige Zumutung! Der traurige Fall wurde dadurch völlig adabsurdum geführt, das Z-Filmchen gehört nur an einen Ort - in die Schrottpresse!

Antworten Gast: Hardy63
01.04.2012 17:57
0 0

Re: Gäääähnn

Die Beiträge hier kann ich nur unterstreichen.

Ich habe gerade die ersten 20 Min.
mit Mühe hinter mich gebracht,
und spar' mir den Rest.
Danke !!!


Gast: boolean01
31.03.2012 08:25
2 0

ödes genuschel

wie kann man so einen öden krimi so loben? ich habe nach einer halben stunde abgedreht, weil bei mir bis dahin die geschichte schon egal war und ich auch die nuschelnden darsteller nicht verstanden haben. da ist (fast) jeder tatort spannender!

Re: ödes genuschel

Das Genuschel kann ich nur unterstreichen. Bei jedem alten Hans Moser Film verstehe ich die Dialoge ohne Probleme. Bei diesen neuen Filmen sind die Gespräche völlig unverständlich. Können die heutigen Schauspieler nicht mehr "sprechen"?

Meinung

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