Das Tagebuch der Gaddafi-Gräuel

03.04.2012 | 18:18 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Antonia Rados über den Vergewaltiger Gaddafi: Eine zähe Suche nach brutaler Wahrheit – aufgebauscht fürs Privat-TV.

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In Hosen und Staubmantel, die Handtasche mit der versteckten Kamera fest unter den Arm geklemmt, hat sich Antonia Rados vier Mal auf den Weg nach Libyen gemacht, um einem Gerücht nachzugehen, das ihr – noch vor dem Sturz Muammar al-Gaddafis – ein Taxifahrer zugeflüstert hatte: Der Diktator habe junge Frauen vergewaltigt. „Beinahe täglich... brutal... und systematisch“, wie Birgit Schrowange in outriertem Tonfall zum Auftakt von „Extra spezial“ am Montag auf RTL ankündigte: „Was sie herausfand, sprengt fast alle Vorstellungskraft.“

Tut es das? Rados liefert in ihrer tagebuchartigen, chronologisch geschnittenen Reportage weitere Bausteine zum Puzzle kranker Gräueltaten des gelynchten Diktators – Überraschungen sind keine dabei. Sie begibt sich in durchgewetzten Taxis, auf staubigen Straßen auf eine aufreibende Suche nach Zeugen – die meisten können oder wollen nicht offen reden. Dass Rados den Ungeheuerlichkeiten, denen sie dennoch auf die Spur kommt, durch journalistische Tricks eine (so das überhaupt möglich wäre) noch dramatischere Dimension zu verleihen versucht, ist keine gute Idee. Es untergräbt ihre Glaubwürdigkeit, die sie sich in Jahren zäher Arbeit zweifellos erkämpft hat.


Wenn Leibwächterin Aisha sich an keine Vergewaltigungen erinnern will, kommentiert Rados aus dem Off: „Für Aisha ist es wohl unmöglich, darüber zu reden.“ Ein YouTube soll den Beweis für Vorbereitungsfeste von Gaddafis Gespielinnen liefern. Da ist sich Rados aber selbst nicht sicher. Als sie das Schlafzimmer in einer leeren Wohnung Gaddafis am Uni-Campus betritt, sagt sie bedeutungsschwanger: „Ein beinahe stimmungsvolles Liebesnest.“ Und wenn sich die Mädchen aus dem Waisenhaus nicht filmen lassen wollen, dann lässt Rados szenisch nachstellen, wie Gaddafi sie in einer Reihe aufstellt, um sich junge Frauen auszusuchen, die in Bonzen-Autos steigen, wegfahren.

Vielleicht muss Rados für den kommerziellen Sender RTL so arbeiten, aufbauschen. Nötig hätte sie es nicht.

 

isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2012)

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13 Kommentare

Propaganda-Lüge

Das ist doch alles nicht wahr! Muammar al-Gaddafi ist kein Vergewaltiger! Jetzt erfinden sie auch noch "Tatsachen", um in noch schlechter darzustellen und um den Mord an ihm rechtzufertigen! Jetzt, wo er tot ist, kann er sich nicht mehr verteidigen!

Vielleicht ist es eine Lüge von RTL, vielleicht wurden sie von den Gegnern Gaddafis bestochen, aber eines ist klar: Der Film war einfach nur reißerisch und übertrieben!

R.I.P. Muammar al-Gaddafi

Propaganda-Lüge!

Das ist doch alles nicht wahr!!! Muammar a-Gaddafi ist kein Vergewaltiger! Jetzt erfinden sie noch "Fakten", um den Mord an ihm rechtzufertigen und ihn noch schlechter darzustellen, jetzt wo er tot ist, kann er sich nicht mehr verteidigen!

Ich weiß nicht, ob das eine Lüge von RTL ist oder ob die von irgendwelchen Rebellen bestochen worden sind, aber der Film war einfach nur reißerisch und übertrieben! Das ist der totale Schwachsinn!!!

R.I.P. Muammar

Gast: Dudeldamdei
04.04.2012 19:35
1 0

Danke Isabella!

Nach dem ich die RTL "Doku" (lol) gesehen habe konnte ich den Brechreiz nur schwer kontrollieren. Umso angenehmer war es einen klarstellenden Artikel zu dieser Doku (2*lol) zu lesen!

Danke Frau Wallnöfer!

Gast: africano
04.04.2012 17:53
0 0

Die Feine Gesellschaft ,der Wege lagerer bzw. Pleite Staaten !

Unter Anleitung der USA wurde Gaddafi ermordet. Frankreich der Pleite Staat hat vor dem Angriffen auf Gaddafi mit den Rebellen verhandelt ,um sich 35 % Anteil am Erdöl zu sichern. Die Briten verdienten am Krieg 200 Milliarden EURO auch andere Länder ,welche mithalfen ihn zu ermorden machten GUTE Geschäft,nur Westerwell ,welcher gegen einen Kriegseinsatz der Deutschen war ,wurde in die Wüste geschickt.

Gast: xxxx
04.04.2012 11:00
0 0

Und die besten Freunde des Herrn G., unsere lieben FPÖler, kommen nicht vor?

Aber gute Freunde warens schon, gell?
Zumindest Busenfreunde und Jagdkameraden

Gast: BKM
04.04.2012 10:15
2 0

Es war einmal ....

.... eine seriöse Reporterin. Dann ging sie zu RTL.

Gast: schwarzseher
04.04.2012 09:20
4 0

profit

rtl-ein hochprofitabler sender wo nur sch....e gesendet wird

Gast: Hans Gans
04.04.2012 09:15
5 0

"Antonia Rados über den Vergewaltiger Gaddafi"

Ich dachte immer, bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung sei ein Vergewaltiger nur ein "mutmaßlicher Vergewaltiger", da für ihn die Unschuldsvermutung gilt.

Macht aber nix. Wenn es ihr die libyschen Taxifahrer oder sonst wer erzählt haben, muß es ja stimmen.

Gast: Garst
04.04.2012 08:38
3 0

Wieder so eine Räuberpistole vermutlich.


Gast: Anonymouse
04.04.2012 08:16
2 0

Wo...

... sind die lampukischen Rebellen?

Gast: Hallo
03.04.2012 23:59
7 0

Frau Rados

Es gibt einen makaberen Witz: Dort, wo Frau Rados auftaucht, gibt es demnächst Krieg.
Das ist nicht so ganz von der Hand zu weisen, wenn man diesen neuerlichen Versuch sieht, wie sich diese Frau ins Rampenlicht zu stellen versucht. Antiona Rados - bitte nicht mehr mehr weiter"recherchieren"...sogar switch reloaded hat sich ihrer schon angenommen...

4 0

vielleicht lässt sich noch ein kriegsgrund erfinden


Re: vielleicht lässt sich noch ein kriegsgrund erfinden

Massenvernichtungswaffen, Massenvergewaltigungen, whats next?

Wobei, bei den "Containerladungen Viagra" muss ich schon wieder schmunzeln...

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