„Erinnerungen an die Zukunft“ ist das Motto der 67. Bregenzer Festspiele. Als wolle er unbewusst darauf anspielen, versprach sich Bundespräsident Heinz Fischer bei seiner Rede und erklärte erst die „Festspiele 2011“ für eröffnet. Auf Zurufe aus dem Publikum fragte er „2000?“ und sagte launig: „Ich lass' mit mir handeln...“
Davor hatte er für „Mut für das Neue“ plädiert, in Politik, Gesellschaft und auch Kunst. Fischer zitierte Arnold Schönberg: „Kunst heißt: neue Kunst“. Dem Zukünftigen müsse man freilich mit der Erfahrung der Vergangenheit begegnen. Als „zwei Premieren“ nannte er die Teilnahme von Landeshauptmann Markus Wallner und Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler, beide neu in diesen Funktionen. Und er dankte den Vorgängern: Günter Rhomberg habe die Festspiele wesentlich geformt; Herbert Sausgruber sei ein Landeshauptmann gewesen, „dem jede Form populistischer Kraftmeierei fremd war“. Dass Rhomberg, Festspiel-Präsident von 1981 bis März 2012, nicht gekommen war, sah Fischer als „sehr noble Geste“: Er wolle eben die Bühne „voll und uneingeschränkt seinem Nachfolger überlassen“.
Der neue Festspiel-Präsident, Hans-Peter Metzler, meinte, Bregenz sei „sehr bereit für eine neue Phase der Evolution“; er wolle leidenschaftlich agieren, aus Visionen heraus handeln – freilich „in der Überzeugung eines opernuntypischen Happy End“.
Kulturministerin Claudia Schmied erklärte, man habe in Österreich zu lange die Schatten der Vergangenheit verdrängt; erst in der Person des ehemaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky habe man sich „zu den Taten aller Teile unseres Volkes, zu den guten und zu den bösen“ bekannt. Lobend erwähnte Schmied auch Vorarlberger Schüler, die protestiert haben, als ein türkischstämmiger Jugendlicher in eine Diskothek nicht eingelassen wurde.
Am Abend stand als erste Aufführung die Premiere der Oper „Solaris“ auf dem Programm.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)
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