22.05.2013 16:40 Merkliste 0

Ein Lercherlschas im Lustspielhaus: Faust als Kalauer

20.07.2012 | 18:22 |  NORBERT MAYER (Die Presse)

Hausherr Adi Hirschal inszeniert seltsame Assoziationen, die Franzobel zu Goethes Drama hat. Eine reale Wiener Kulturposse.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Das Ufo ist gelandet: Am Hof hat Adi Hirschal wieder sein Lustspielhaus aufstellen lassen, führt erneut Regie bei einer „Wiener Posse“, die Autor Franzobel für ihn hingeworfen hat. Nach Shakespeare müssen nun Goethe und die Rolling Stones dran glauben: Am Donnerstag war die Premiere von „Faust. Ein Dermatologe auf der Suche nach einer guten Haut“. Ein Hauch von Weimarer Klassik und ein paar klassische Popsongs wie „Ruby Tuesday“ oder „Little Red Rooster“ dienen als Vorlage für wahnwitzige Assoziationsketten, für Dr. Johann Faust von Zupfnudel und Mephisto Wolfram Luzifer Lamperl. Es wäre falsch zu sagen, dass Franzobel Kalauer nicht scheut. Nein! Er setzt sie souverän ins Seichte. Und er kann sogar reimen: „Was war das? Ein Lercherlschas?“, heißt es. Exakt! Die Sprache ist zwar maßlos, der Witz jedoch begrenzt. Bauerntheater wird dramaturgisch meist besser auf den Punkt gebracht.

Auch die Schauspielkunst ist mäßig. Mit zwei Ausnahmen. Nummer eins: Dolores Schmidinger als gute Seele Ernestine ist im Vergleich zu den Übrigen auf der Bühne eine Göttin der Tragikomik. Nummer zwei: Franzobel bedient sich zwar nicht bei Goethes „Vorspiel auf dem Theater“, doch das bietet Hirschal höchst persönlich mit seiner Begrüßung des Publikums, die zwanzig Minuten dauert. Sie ist der Höhepunkt des Abends, ein Sittenbild der Wiener Kultur-Society. Hirschal begrüßt Finanziers und Freunde, jeder einzelne wird mit freundlichem Applaus bedacht – der Münzhändler, der Kaffeesieder, der Bäcker, der Glücksspielritter, der Beamte, der beim Zeltaufstellen half, vor allem aber ein Stadtrat, der offenbar den Hilfsstrom lenkt, der aus dem Rathaus seit neun Jahren ins Lust-Zelt fließt. Hirschal redet über das Geld: Ein Drittel des Budgets von der Stadt, ein Drittel von Sponsoren, ein Drittel vom Publikum. Da lacht der saisonale Kommerz.

 

Bescheidener literarischer Feinspitz

Es verbeugen sich Politiker und Künstler, die einst berühmt waren, auch Minister, die unlängst entsorgt wurden. Sie scheinen ergriffen über die eigene Bedeutung und dürfen vom Gastgeber hören, dass diesen offenbar zwei Qualitäten auszeichnen: Bescheidenheit. Und Feinspitzigkeit. Wenn es um den literarischen Geschmack geht. Wie sonst hätte Hirschal auch diesen „Faust“ zugelassen? Er passt genau zum Wiener Lustspielhaus und seinen feinen Förderern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare

Ein Lercherlschas im Lustspielhaus


Hausherr Adi Hirschal inszeniert Franzobel

solange die stadtregierung, mailath pokorny, dieses amateurduo sponsert wird sich nichts ändern.

vettern-parteinwirtschaft?
es gilt die unschuldsvermutung deren resultate sind aber trotzdem zum "speiben"!

Insgesamt eine der vielen ranzigen Geschichten in Wien!

Hirschal/Franzobel, nie in der ersten Liga!

7 0

Re: Insgesamt eine der vielen ranzigen Geschichten in Wien!

Der Franzobel ist unbegabter, aber aggressiv linientreuer und dafür von allen roten Instanzen, Vereinen und Medien maßlos gesponsterter Roter aus irgendeinem Hausruckdorf, wo den Leuten seine Dorfdichter-Werke zu fad waren. Ein Musterbeispiel für den Niedergang der sozialistischen Arbeiterkultur. Und der Hirschal, tausendmal schade, hätte beim Wiernerlied bleiben sollen. Dass er als Regisseur nicht viel mehr kann als Gagen zu kassieren hat er schon in einem niederösterreichioschen Dorf namens Stadt Haag bewiesen.