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Birgit Minichmayr: "Da bin ich schlecht im Fügen"

21.07.2012 | 17:39 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Birgit Minichmayr verabschiedet sich diesen Sommer als Buhlschaft von Salzburg: Ihr Resümee zu den Festspielen, ihr Faible für Norwegen und ihr neues Hobby in München.

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Sie spielen heuer in der dritten Saison die Buhlschaft im „Jedermann“. Die Rolle ist berühmt und kurz. Was ist so schön an ihr?

Birgit Minichmayr: Anziehend ist sie vor allem auch durch das ganze Drumherum, die Kulisse des Domplatzes. Diese Festspielzeit macht mir wahnsinnig viel Spaß. Da sitzt man zum Beispiel in der Maske für die Aufführung und hört über die Mithöranlage Anna Netrebko singen. So etwas gibt's nur in Salzburg.

 

Ist es für Sie tatsächlich das letzte Mal?

Ja. Für mich ist das der richtige Zeitpunkt für den Abschied aus Salzburg. Es war eine richtig gute Zeit. Aber schon im ersten Jahr habe ich gesagt, dass alle guten Dinge drei sind. Und jetzt freue ich mich wieder auf einen Sommer ohne Schnürlregen.

 

Ist Ihnen Hofmannsthal mit seinem außergewöhnlichen Stück ans Herz gewachsen?

Er ist nicht einer meiner Lieblingsautoren. Ich muss zugeben, an Shakespeare, Horváth, René Pollesch konnte ich persönlich für mich mehr entdecken. Am meisten aber interessiere ich mich für jenen Autor, an dem ich gerade arbeite. Im jetzigen Fall Ibsen, zum ersten Mal. Im Residenztheater hatten wir bei Martin Kušej eben Vorproben für „Hedda Gabler“. Zufällig war ich zuvor gerade zwei Monate in Norwegen beim Dreh für „Gnade“ von Matthias Glasner. Im Schnellkurs habe ich mir einigermaßen die Grundkenntnisse der norwegischen Sprache für den Film aneignen können, leider wurde alles, wie immer bei mir, im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert, und es blieb nur ein Bruchteil über...

 

Wie bewerten Sie die eigene Entwicklung als Schauspielerin? Sie sind ziemlich jung, aber so präsent auf Bühnen und im Film, dass man meint, Sie waren schon immer da.

Das kommt mir auch so vor! Ich mache meinen Beruf schon an die fünfzehn Jahre. Mein Antrieb war und ist, mich mit verschiedensten Theateransichten und Regiestilen bzw. Regiepersönlichkeiten auseinandersetzen zu können. Deshalb bin ich auch vor einigen Jahren von Wien nach Berlin an die Volksbühne gegangen. Für mich war sie damals das Beste an Zeitgeist. Ich wollte überall die Handschriften von Regisseuren kennen lernen, im Miteinander. Castorf, Bondy, Pollesch, Gotscheff, Kušej, Grüber, Breth, Brandauer, Strich – die sind zwar sehr unterschiedlich, aber mit ihnen die verschiedensten Theatersprachen und Gedankenräume zu erleben, macht diesen Beruf für mich so lebendig. Was sie vereint, sind ihre starken Persönlichkeiten.

 

Sind diese Regisseure auch Lehrer für Sie?

Nein. Außer Sie meinen die Schule des Lebens. Aber Regisseure als Lehrer? Um Gottes Willen! Ich denke, die Schauspielschule liegt hinter mir. Ich will respektvollen Umgang auf Augenhöhe. Mein Beruf ist mir am liebsten, wenn das, was ich tue, mir selber und auch anderen Spaß macht. Manchmal aber kommt man eben nicht zusammen in diesem Mannschaftssport. Wenn es entgegengesetzte Ansichten gibt, bin ich schlecht im Fügen. Ich kann mich schwer anpassen, wenn ich etwas nicht verstehe, wenn ich spielen soll, womit ich nicht einverstanden bin. Für mich ist das positiv. Vielleicht sehen das andere anders. Aber ich sehe mich nicht als reiner Erfüllungsgehilfe für die Fantasie anderer.

 

Sie spielen auf Frank Wedekinds „Lulu“ an, die Sie im Vorjahr am Burgtheater überraschend abgesagt haben?

Es war eine traurige Angelegenheit, die aber nichts mit Boykott zu tun hatte. Das ging halt nicht zusammen, obwohl der Regisseur ein erstklassiger ist. Angenehm ist so etwas nicht, aber eine solche Entscheidung gegen eine Mitarbeit muss legitim sein.

 

Sie spielen zurzeit parallel in München, Salzburg, Berlin, Wien. Klingt anstrengend.

Ich spiele in München in drei, bald in vier Stücken, dazu noch in Berlin und Wien in einem. Dort allerdings nur noch „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Struwwelpeter“ ist leider abgespielt, der hat mir musikalisch irrsinnig viel Spaß gemacht. Es ist einfach fantastisch, in diesen Städten tätig zu sein und zu leben. Nach Berlin komme ich allerdings gerade auch viel zu selten. München ist in der Theaterbegeisterung ähnlich wie Wien. Allerdings hat uns Dieter Dorn (am Residenztheater) ein ganz schönes Erbe hinterlassen. Er prägte in München das Theater einer Generation. Es wird noch ein bisschen dauern, bis das Publikum die neue Handschrift von Martin Kušej annimmt. Bei einem so gewaltigen Wechsel braucht es einen längeren Atem und in einer so ergebnisorientierten Zeit auch Geduld. Denn wenn es nur um Auslastungszahlen geht, kann man leicht in eine Gefälligkeitsfalle geraten.

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn es die bei so vielen Engagements denn gibt?

Ich habe mir eben ein Rennrad gekauft. In München gibt es wahnsinnig schöne Strecken. Da fahr ich oft zum Starnberger See raus. Und ansonsten liegen sämtliche norwegische Schriftsteller neben meinem Bett. Fragen Sie mich bitte nicht, ob ich Hedda Gabler für emanzipiert halte und welche Bedeutung sie für heute hat!

Was also ist mit Hedda damals passiert?

Das Stück wurde zu einer Zeit verfasst, als viele solcher bürgerlicher Frauen ihres Lebens voll Nichtstun überdrüssig waren. Sticken und Repräsentieren. Wenn man sich dagegen wehrte, war es ein Skandal. Ibsen hatte große Lust daran, Zwänge und Perversionen der Gesellschaft zu zeigen. Hedda war die Tochter eines Generals. Damals wurde abgerüstet. Sie stürzte sich mittellos in eine Ehe. Vielen Frauen blieb nichts anderes übrig, wollten sie die gesellschaftliche Stellung wahren. Hedda ist keine Nora, die sich weggehen traut, dafür ist sie zu feige. Sie ist zu ängstlich, der Norm zu entfliehen.

 

Mit 35 hat man vielleicht die interessantesten Angebote. Was kommt auf Sie zu?

Schön langsam die Mutterrollen, vor allem im Film. Ich habe aber das Privileg, dass ich nichts machen muss, was ich nicht mag. Vor allem im Film spielt das eine Rolle. Ich kann vom Theater gut leben. Dort fühle ich mich sicherer, auch weil ich viel mehr mitentscheiden kann. Beim Film landet dein ganzes Material beim Cutter, um zum Endprodukt geschnitten oder auch verschnitten zu werden – selber hat man da gar nichts mehr mitzuentscheiden.

 

Träumen Sie auch von Hollywood?

Ich träume von guten Drehbüchern. Die Stoffe, die mich interessieren, haben es mit der Förderung am schwierigsten. In Österreich hat Film viel mit Idealismus zu tun. Ohne Sender ist das kaum zu finanzieren. Diese Abhängigkeiten sind bitter.

steckbrief

1977
Birgit Minichmayr wird in Pasching (OÖ) geboren. Nach der Matura geht sie ans Reinhardt-Seminar.

1999
Noch während des Studiums Engagement an der Burg, Debüt als Dirne im „Reigen“.

2004
Castorf holt sie an die Volksbühne in Berlin. Ab 2008 wieder im Burgtheaterensemble. Seit dem Vorjahr auch im Residenztheater in München engagiert.

2010
Salzburgs Buhlschaft.

Auszeichnungen
Unter anderem drei Nestroy-Preise, 3sat-Preis des Berliner Theatertreffens, Silberner Bär, Schauspielerin des Jahres in „Theater heute“, Großer Diagonale-Schauspielpreis, Beste Darstellerin für den Verband der deutschen Filmkritik. APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)

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2 Kommentare
Gast: walrap elosa`s mommy
22.07.2012 16:17
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minichmayr

birgit minichmayr und lars eidinger:DAS ABSOLUTE TRAUMPAAR!

Gast: Messalina-X
22.07.2012 12:09
0 0

ein schauspielerisches Schwergewicht