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„Der Bauer als Millionär“ spielt in einer Lagerhalle

09.08.2012 | 16:42 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Jérôme Savary inszeniert für „bühnebaden“ zum dritten Mal einen Klassiker von Ferdinand Raimund. Die Koproduktion mit dem Landestheater St. Pölten ist bunt, verspielt und zuweilen zauberhaft.

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Vor der echten ersten Szene entpuppt sich die Feenwelt als Lagerhalle: Riesige Kisten aus China werden herangekarrt. Das sei viel billiger, sagt ein exotischer Ingenieur (Philipp Brammer). Trara! Aus der zentralen Box gucken Musiker. Daneben ein Chor: „Welch ein herrliches Konzert“, stimmen die Sänger an. „Psychiatrische Anstalt Wien“ steht auf ihren Leibchen. Fee Lakrimosa (Antje Hochholdinger gibt sie recht streng) reitet per Fahrrad auf die Erde. Der Titelheld Fortunatus Wurzel (Peter Faerber) entsteigt einer Kiste, die ein schmuckes Weindepot ist.

So viel Zierrat für ein simples Märchen? Da weiß man: Ein Altmeister ist zurück aus Frankreich im biedermeierlichen Kurort vor den Toren Wiens, diesmal mit dem ersten „Original-Zaubermärchen“ aus der Vorstadt. Jérôme Savary hat in Baden bereits sommerlich-leichte Inszenierungen der Meisterstücke von Raimund auf die Bühne gebracht – „Alpenkönig und Menschenfeind“ sowie „Der Verschwender“. Dieses Jahr ist das im Vergleich dazu noch einfach gestrickte Stück „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“ dran, das 1826 im Theater in der Leopoldstadt uraufgeführt wurde.

Und immer wieder rührt „Brüderlein fein“

Das Badener Publikum hat die Aufführung ausgiebig beklatscht. Zu Recht: Unter modischem Zierrat scheint Zauberhaftes kräftig durch. Das Ensemble des Landestheaters, um einige Gäste ergänzt, von Musikern aus Baden (Dirigent: Oliver Ostermann) unterstützt, bietet eine solide und manchmal gar bewegende Vorstellung dieses Märchens, in dem die halb menschliche Tochter einer Fee schließlich doch ihren armen Fischer kriegt, sich gegen Neid, Hass und andere böse Mächte mit Hilfe guter Geister durchsetzen kann. Lottchen wird von Pippa Galli entzückend und leicht überdreht gespielt, vor allem wenn sie mit Katharina von Harsdorf als Zufriedenheit herumscherzt. Oliver Rosskopf verleiht Lottchens Liebhaber Karl sogar ein wenig Pathos. Die meisten Lacher hat Heinz Zuber als schwäbelnder Zauberer.

Faerber gibt den neureichen Bauern versiert, es rührt naturgemäß, wenn er mit der Jugend (Iréna Flury) „Brüderlein fein“ singt, wenn er in seinem Konsumrausch vom beeindruckenden Alter zur Räson gebracht wird – Klaus Ofczarek entsteigt einem riesigen Kühlschrank! Eine ganze Reihe solcher Boxen voller Überraschungen hat Savary aufgestellt. Das dürfte schließlich sogar ermüden, aber nach 140 Minuten ist der Zauber vorbei. Glücklich? Wer weiß. Das Lottchen entspringt der Hochzeitskiste und trällert trotzig: „I Can't Get No Satisfaction!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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2 Kommentare

Das Ensemble des Landestheaters ... bietet eine solide und manchmal gar bewegende Vorstellung

Sie sind aber leicht zufrieden zustellen, Herr Mayer!

Fand, dass gerade die zwar zauberhafte, aber doch sehr reduzierte Inszenierung des großen Savary die darstellerische und sprachliche Schwäche der (meisten) Schauspieler klar aufgezeigt hat. Das war doch nciht viel mehr als engagiertes Laientheater.

Ich hab ein Baden Abo ...

... wenn due im Haus den Regiemüll verstärken, werd ich halt öfter zuhause bleiben.