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„Bridge“: Furor dreier rüstiger Greisinnen

06.09.2012 | 16:39 |   (Die Presse)

Das Vorarlberger Kosmos-Theater gastiert seit Mittwoch mit der Uraufführung von Gustav Ernsts Komödie „Bridge“ im Wiener Schauspielhaus: Grimmig. Augustin Jagg hat inszeniert.

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Drei Witwen treffen einander zum Bridgeturnier in einem Hotel, die vierte erscheint nicht. Die Damen vertreiben sich die Zeit mit dem rituellen Begleichen alter Rechnungen. „Bridge“, eine Komödie von Gustav Ernst, ist seit Mittwoch im Schauspielhaus zu sehen. Augustin Jagg hat inszeniert. Juliane Gruner, Susanne Altschul und vor allem die beinahe hinreißende Johanna Tomek holen ohne Eitelkeit das Optimum aus ihren farbenfrohen Figuren heraus. Das ist das Gute an dieser Aufführung, die bei der Premiere viel Gelächter erntete.

Dem Salonmilieu, wie es Titel und Ankündigung des Dramas vermuten lassen, scheinen die Frauen nicht anzugehören, dort spricht man einander wohl kaum mit „Schwein“ oder „Trampel“ an. Dem Räsonieren älterer Menschen hat Thomas Bernhard einmalig Stimme verliehen. Die Manier ist aufgebraucht, bei „Bridge“ wirkt das „Bernhardisieren“, der Wiederholungszwang, zeitweise ermüdend.

Ein bisschen Bernhard, eine Prise Schwab

Auch an Werner Schwabs „Präsidentinnen“ erinnert „Bridge“, das einen ähnlich ironischen Titel trägt wie der Bassenaklassiker des früh verstorbenen Erfinders einer neuen Sprache, des „Schwabischen“. Die Pelzmäntel dieser „Ladys“ sehen denn auch mehr aus wie der wienerische „Mottenfifi“. Der gesellschaftskritische Autor Ernst legt ihnen Tiraden gegen Missstände in den Mund, Arbeitslosigkeit, Inflation, gierige Manager, die zu den privaten Angelegenheiten, die hier verhandelt werden, nicht recht passen. So schwankt das Drama unentschlossen zwischen Milieuschilderung und Mission des Autors hin und her, der überdies mit einer derart sadistischen Lust die alten „Schabracken“ der Lächerlichkeit preisgibt, dass man sich manchmal fragt: Ist das überhaupt lustig?

Sobald der Austausch von Beleidigungen („Dein Busen ist mit alten Fetzen ausgestopft“) in die gänzlich verschiedenen Versionen der Biografien übergeht, welche die eine über die andere serviert, wird die Sache spannender. Vielleicht hätte Ernst lieber in diesem surrealen Milieu verweilen sollen, statt eine Salonkomödie zu versuchen, die eher unbeholfen und grob wirkt. Trotzdem gibt es ein paar herrliche Passagen, wenn sich Emma (Tomek) ihrer Liebessehnsucht und ihrem Hass auf Radfahrer hingibt, Marie-Claire (Gruner) erbarmungslos die Wortgeißel schwingt, um selbst verschont zu werden – und es gibt einen berührenden Moment, wenn Gertraud (Altschul) von ihrem Sohn erzählt, der sich erhängt hat. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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