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Kabarett: BlöZinger porträtieren eine verrückte Familie

26.09.2012 | 14:35 |  Veronika Schmidt (DiePresse.com)

Blöchl und Penzinger inszenieren im fünften Programm „ERiCH“ ein fetziges Roadmovie: Elf Figuren, vier Autos, schwarze Luftballons und viel Kaugummi braucht es, um die Absurditäten des Kosmos Familie witzig aufzuarbeiten.

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Stefan und Harry observieren vom Polizeiauto aus das Familiendrama, das BlöZinger in ihrem fünften Kabarettprogramm auf die Bühne bringen. Die Fernsehserie „Derrick“ läuft zwar seit 15 Jahren nicht mehr, aber der Witz dieser zwei Vornamen in Verbindung mit einem Wagen klappt immer noch. Robert Blöchl (das „Blö“ von BlöZinger) ist zufällig der selbe Jahrgang wie Derrick (die Serie startete 1973), sein Kabarettpartner Roland Penzinger („Zinger“, Sie verstehen...) ist noch ein paar Jahre älter. Trotzdem gelten BlöZinger als „Nachwuchskabarettisten“, sind der breiten Masse im kabarettliebenden Österreich noch unbekannt. Dabei bieten sie alle Zutaten, die es braucht, um die Masse zu begeistern: Sympathisch, praktisch, gut – spielen sie sich in die Herzen des Publikums, so auch bei der Premiere von „ERiCH“ im Kabarett Niedermair am Dienstag.

Stefan, der Ex-Postler, der seinen ersten Tag im Polizei-Außendienst absolviert, und Harry, der patscherte Polizist, der sich über seinen gelehrigen Schüler freut, sind nur zwei von elf Figuren, die von den beiden Oberösterreichern impersoniert werden: Hauptpersonen sind zwei Brüder, die sich zum Begräbnis ihres Vaters Erich treffen. Der große und ältere Penzinger spielt den „kleinen“ Bruder Simon, der seine Familie und das Dorf vor 20 Jahren verlassen hat, der kleinere, jüngere Blöchl gibt den „großen“ Bruder Jakob, der immer noch im alten Fiat vom Vater durchs Dorf fährt (zusammengehalten von Kaugummis).

Auch die Geschwister des verstorbenen Erich haben sich freilich um den Sarg versammelt: Zwei Schwestern und ein Bruder, der hier ein „Knastbruder“ ist, könnten unterschiedlicher nicht sein. Genau das macht dieses Stück so spannend: Im immer schneller werdenden Wechsel der Szenen hüpfen Blöchl und Penzinger von einem Extrem ins andere.
Licht und Ton auf der Bühne helfen, dass der Zuschauer noch weiß, wer wer ist und ob man gerade in der Kirche oder im klapprigen Auto ist. Als die tourettekranke Tante (übrigens ein etwas billiges Heischen um Lacher durch derbe Schimpfwörter) die Asche in einer Keksdose entführt, beginnt ein klassisches Roadmovie inklusive Verfolgungsjagd, das kurzweiliger nicht sein könnte. Die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern, die unterschiedlichen Arten der Kommunikation zwischen ihnen sind scharf gezeichnet und werden so klar gespielt, dass man nach wenigen Minuten gar nicht mehr merkt, dass die Tante Herta von einem Mann gespielt wird oder der indische Lachyogaguru eine weiße Hautfarbe hat.

Der Film, den BlöZinger in den Kopf der Zuschauer setzen, läuft wie geschmiert (Regie: Peter Wustinger). Und wenn es mal holpert und kleine Details der dargestellten Personen verwechselt werden, haben Blöchl und Penzinger die Routine und den Charme, aus dem Hoppala einen Lacher zu machen. Klar, als langjähriger CliniClown und ehemaliger Religionslehrer schreckt einen nichts, spontane Improvisationen heitern das detailreich geplante Setting auf. Und es gelingt, dass aus der beengenden Atmosphäre einer Familie beim Begräbnis ein Feuerwerk an Absurditäten entspringt – eingebettet in genau den Schmäh, den man nur innerhalb von Verwandten findet.
Die Clown-Ausbildung der beiden ist wie in den bisherigen Programmen eine solide Basis für ihre Darstellungskunst: Obwohl nur zwei Stühle als Requisiten zu sehen sind, bringen Blöchl und Penzinger Keksdose, Taschen, Pistolen, Geld, Rückspiegel, Autotüren, Kofferraumdeckel, Luftballone, Kaugummis und eine Katze pantomimisch auf die Bühne. BlöZinger-Fans wissen, dass in den ersten vier Stücken jeweils eine Katze das Zeitliche segnete. Tja, auch diesmal geht es nicht gut aus für den kleinen Silvester. Umso besser geht es der Stimmung des Publikums nach „ERiCH“: Der hier gespielte „Film“ übertrifft jeden Fernseh- oder Kinoabend.

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