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Theater der Jugend: Das Mädchen hat die Hosen an

08.10.2012 | 17:06 |  von Barbara Petsch (Die Presse)

Thomas Birkmeir inszenierte im Renaissancetheater „Ein himmlischer Platz“ von Guus Kuijer über Pubertät und Alzheimer: berührend und mit einem guten Ensemble. Vor allem Felicitas Franz erregt Heiterkeit.

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Wie funktioniert das Gehirn? Was ist Erinnerung? Solche Fragen beschäftigen Florian. Doch ständig wird er beim Denken und Lesen gestört. Ein Vogel landet auf seinem Kopf. Die wilde Katja will mit Florian „gehen“. Sie erklärt ihm ihre Liebe und küsst ihn gar aufs Ohr, worauf der flotte Dolf mit dem Skateboard, der ebenfalls auf Katja steht, Florian terrorisiert. Daheim streiten Florians Eltern über die Verbesserung der Welt, ihren Sohn nehmen sie nicht ernst. Und dann taucht auch noch Petrus Raaphorst auf, der seltsame Ideen hat: Er möchte mit einer Gabel die Haustür aufsperren, dann packt er die Koffer und will mit seiner toten Frau auf  Weltreise gehen . . .

Der Niederländer Guus Kuijer (70), der die kleine Poetin Polleke erfand, die sich nach „herzensgütigen“ Verhältnissen sehnt, erhielt heuer den Astrid-Lindgren-Preis, den „Nobelpreis“ für Kinderliteratur. In „Ein himmlischer Platz“ verbindet Kuijer, der früher Lehrer war, sehr unterschiedliche Erscheinungen, die Verwirrung im Gehirn verursachen: Pubertät und Alzheimer. Thomas Birkmeir schrieb die szenische Fassung des Romans und inszenierte sie im Renaissancetheater, geradlinig, minimalistisch, ergreifend und mit einem guten Ensemble. Vor allem Felicitas Franz als burschikose Katja erregt Heiterkeit, wenn sie dem verträumten Florian (Stefan Rosenthal) – mit oranger Clown-Perücke und Streifenpulli – allerlei Liebesangebote unterbreitet und ihn sogar gegen den gemeinen Dolf (Julian Schneider) verteidigt. Das Mädchen hat die Hosen an.

Humane, aber irreale Botschaft

Horst Eder gibt den verwirrten alten Mann, der übrigens im Original eine Frau ist. Eder balanciert den Senior klug aus zwischen Wunderlichkeit und Krankheit; man sieht einen sturen Individualisten, der die Welt vergisst, weil sie ihn vergessen hat. Christian Graf als Luftgeist Ariel ist Florians Mentor und innere Stimme. Die beste Pädagogik ist wohl jene, die „Lerninhalte“ in Geschichten verpackt. Ob die Freundschaft zwischen Jungen und Alten im Krisenfall so innig wäre, wie hier dargestellt, ist zwar fraglich, aber die Perspektive muntert immerhin auf. Besonders schön ist das Bühnenbild von Andreas Lungenschmied, in dessen raschen, fast flimmernden Bildwechseln man flüchtig-flutende Gehirnströme erkennen mag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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3 Kommentare
Gast: tarzan
10.10.2012 09:36
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der übliche kitsch

wann schickt man diesen unsympathischen piefke endlich in sein bayrisches kuhdorf zurück?
wie viel subvention bekommt dieses theater eigentlich??


Antworten Gast: Tarzan 2
12.10.2012 01:07
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Re: der übliche kitsch

Ui, da klopft sich jetzt ein Tarzan trommelnd anonym auf seine Brust. Wie tapfer... Piefke und Bayern geht sich wohl nicht ganz aus. Unsympathisch ist er zweífellos - aber gut. Das Theater hat etwa 5 Millionen. Sehr gering für 300000 Besucher. Ansonsten finde ich Ihre Rückmeldung sehr, sehr gestrig - aber das ist ja wohl nun wieder der "gute Ton" im Land". Die Vorstellung ist wirklich gut. Did you see it - oder urteilen Sie nur anhand von Vorurteilen?

Tarzan 2

Gast: briefmarkenkleber
08.10.2012 18:36
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Pädagogik im TdJ

"... Besonders schön ist das Bühnenbild von Andreas Lungenschmied, in dessen raschen, fast flimmernden Bildwechseln man flüchtig-flutende Gehirnströme erkennen mag."

Frau Petsch, sie müssen nicht jeden Schwachsinn wiedergeben, den Ihnen die Pressereferentin des Theaters vorschreibt!