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Ben Beckers Höllenritt im Schmierentheater

09.10.2012 | 18:17 |  SAMIR H.KÖCK (Die Presse)

Der deutsche Sänger und Schauspieler – von 2009 bis 2012 gab er in Salzburg im „Jedermann“ den Tod – gerierte sich im Wiener Konzerthaus als berserkerhafter Sängerdarsteller.

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In Ben Beckers privatem Telefonbuch stehen Schlagerikone Vicky Leandros und Rammstein-Sänger Till Lindemann friedlich nebeneinander. Nach unheiliger Allianz klangen auch Ben Beckers Lieder. Komponiert wurden sie von seinem langjährigen muskalischen Begleiter Yoyo Röhm.

Die plumpen Texte waren aber größtenteils von Becker. Genremäßig begab sich die Band frohgemut ins Schlammloch des deutschen Pathosrock, aufgezuckert mit Schlager- und Chansonwürze. Becker, der den Rabauken à la Kinski gerne auch abseits der Bühne darstellt, fuchtelte schon zu Beginn des Abends mit seinem obligatorischen Totenkopf-Fingerschmuck, als wäre es der Iffland-Ring. Das Schauspielern hätte er an diesem Abend besser nicht so ausgereizt. Die übertriebene Art, wie er die Rolle des Sängers anlegte, hätte eines strengen Regisseurs bedurft. Der hätte ihm das Outrieren austreiben und den Weg zu Zwischentönen und ironischen Wendungen weisen müssen. Beckers gestisches Repertoire verharrte in unwürdiger Beschränkung. Einmal machte er ein Polaroid von einer Konzertbesucherin, ansonsten konzentrierte er sich auf das, was er virtuos kann: Rauchen und Alkohol trinken. Mit Raffinesse entließ er Rauch aus den Mundwinkeln, spitzte die Lippen und hauchte mit Grabesstimme: „Ich rauche eine Zigarette, weil ich dich jetzt brauch'“. Da fokussierte sich sein Blick auf die Unendlichkeit, seine Kehle erbrach: „Alles geht in Rauch auf, ich auch.“

 

Cash, Cave und Cohen in einer Person?

Schön wäre solch Auflösung in ein freundliches Gas ja gewesen, doch leider war die „Ode an Bruno“ erst der Beginn eines Höllenritts in Pathos und Schmierentheater. Becker wollte merkbar Johnny Cash, Nick Cave und Leonard Cohen in einer Person sein. Dabei ergaben sich Hindernisse. Sein seltsam verschliffenes Jütland-Englisch etwa. Es löste ganz unbeabsichtigte Heiterkeit im Publikum aus. Leonard Cohens „You Know Who I Am“ meuchelte er geradezu sportlich. Nick Caves „Ship Song“ machte er mit breiter Brust zum Massengrab der Gefühle.

Und für „Hurt“, jenem Trent-Reznor-Song, den Johnny Cash zum Klassiker gemacht hat, erfand sich Becker eine kuriose Art Koloraturröchler, um sich nicht völlig von der Melodie abzukoppeln. Als gerade seifige Gitarrensoli quälten und Becker ein wenig abseits stand, glaubte ein Mädchen, die Gunst der Minute nützen zu können. Sie raste an die Rampe und bat um ein Autogramm. So verstiegen das auch war, die brutale, öffentliche Abfuhr, die ihr Becker postwendend zukommen ließ, hatte sie in dieser Härte nicht verdient.

Charme entwickelt Becker leichter, wenn es um seine Interessen geht. So wurde sein traurig-begehrliches „Nacktphotographieren“ einer der raren Momente des Abends, der authentisch wirkte. Mit „Schwarze Frau“ hingegen, das sich mit politisch unkorrekter Lautmalerei und billigem Exotismus andiente, erreichte er einen veritablen Tiefpunkt. Am Ende, als die Sensiblen im Publikum schon heftige Stresssignale aussandten, glückte mit der zärtlich dargebrachten Zugabe, Heinrich Heines altem „Loreley-Lied“, ein versöhnlicher Schlusspunkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)

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7 Kommentare
0 0

Selbstverliebt

Dieser Mann nervt...

Gast: Gast1266
10.10.2012 16:42
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Noch etwas ...

Was auch irritiert:

"... fuchtelte schon zu Beginn des Abends mit seinem obligatorischen Totenkopf-Fingerschmuck, als wäre es der Iffland-Ring."

Becker trug an diesem Abend auf der Bühne weder den Totenkopf-, noch seinen Ehering! Offenbar in den davor geführten Interviews, doch eben nicht während des Konzertes.


backvocals vergessen

die zwei damen im Hintergrund agierten wie Sirenen.. Manchmal ist weniger doch mehr.....

Gast: Gast1266
09.10.2012 21:06
6 2

Sicher dort gewesen?

Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir das gleiche Konzert besucht haben …

Der hier erwähnte Alkohol war an diesem Abend auf der Bühne ein Krug Wasser (sollte es Wodka gewesen sein, dann Kompliment für das Stehvermögen von Ben Becker)

Das Mädchen, das angeblich zur Rampe raste, war eine Dame in ihren späten 40ern, die sich peinlich vor der ersten Reihe durchdrängte, ein Buch und Kugelschreiber in der Hand hielt und sich trotz des klaren Hinweises, dass ein Signieren WÄHREND eines Liedes nicht in Frage käme, nicht von der Stelle rührte. Die Abfuhr war also nicht rüde, sondern angemessen und der Hinweis, ob so ein Verhalten in einem Theater angebracht wäre, nur zu legitim.

Ich war übrigens ganz sicher in oben beschriebenem Konzert: Ein Polaroidfoto belegt dies.

Re: Sicher dort gewesen?

Becker ist schrecklich schlecht. Insofern kann man dem Artikel nur zustimmen.

Antworten Antworten Gast: Gast1071
10.10.2012 15:50
1 0

Re: Re: Sicher dort gewesen?

Das nenne ich einmal schlüssig argumentiert.

Weil mir jemand nicht gefällt, ist es legitim die Unwahrheit zu schreiben.

Sie sollten sich schleunigst bei der Kronenzeitung bewerben.

Antworten Gast: Gast 0000
10.10.2012 10:02
0 1

Re: Sicher dort gewesen?

Danke für Ihren Kommentar! Beweist wieder einmal, daß man sich ein umfassendes Bild machen soll, bevor man urteilt... Toll!