Louise Martini: Jazz, Eleganz und Wiener Charme

Louise Martini starb mit 81 Jahren. Bei Qualtinger, Bronner & Co. wurde sie in den Fünfzigerjahren zum Kabarettstar und mit "Mittagsmartini" zur Radiopionierin.

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(c) EPA (HERBERT PFARRHOFER)

Das ist nicht Martini halb süß, sondern Martini ganz besonders süß“, typisch für die damalige Zeit, die Fünfzigerjahre, dass ein Journalist dies über Louise Martini schrieb, die mit einem o im Namen geboren wurde, aber damals noch als Luise auftrat. Das O wurde später auch manchmal gern vergessen. Letztlich wurde es zu ihrem Markenzeichen. „Ein O für Louise“ nannte sie 1998 ihre Memoiren.

Als Jazz-Club-Blondine sorgte sie beim legendären Fatty George und in der Marietta-Bar für Saloon-Atmosphäre, wurde aber bald ein Kabarettstar. Bei Größen wie Qualtinger, Bronner, Wehle, selbst Kreisler waren Damen die fesche Garnierung. Eigenwillige Persönlichkeiten wie die 2012 verstorbene Cissy Kraner oder eben Martini emanzipierten sich mit Ironie. Die Kraner besang den Novak, der sie nicht verkommen ließ, die Martini posierte als Covergirl und erinnerte sich wehmütig an ihre Heimatstadt Wien, die sie verlassen hatte, um einen ehemaligen US-Besatzungssoldaten zu heiraten.

Zu weit durfte man nicht abweichen vom Frauenbild der Nachkriegszeit. 2009 trug Martini die viel geliebten Hits noch einmal zu ihrem 60-Jahr-Bühnenjubiläum in den Kammerspielen vor, unter dem Titel „Nylons, Swing und Chesterfield“. Sie begeisterte unverändert, was auch mit ihrem besonderen Timbre zu tun hatte: In ihrer Stimme mischten sich Blues und wienerische Melancholie bis hin zu einem leichten Raunzen. Als Marie-Louise Chiba wurde Martini 1931 in Wien geboren. Mit zwöfl spielte sie das Lottchen in einer Schulaufführung von Raimunds „Der Bauer als Millionär“. Nach dem Reinhardt-Seminar stieg sie zum Schrecken ihrer Mutter hinab ins Kabarett. Ab 1957 moderierte sie „Autofahrer unterwegs“ im Radio, seinerzeit ein „Quotenhit“.

 

Vielseitig: Kottan, Josefstadt, Volksoper

Mit Sendungen wie „Mittagsmartini“ oder „Martinicocktail“ wurde sie zur Galionsfigur des damals neuen Ö3. Ihre genauen Kenntnisse von Musik verpackte sie in charmante, leichte Plauderei. 1962 feierte sie im Musical „Irma La Douce“ in München einen großen Erfolg. Sie spielte am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, an den Münchner Kammerspielen und am Residenztheater. Die meisten ihrer Radiosendungen wurden in Deutschland aufgenommen. Die Verbindung blieb: 2003 trat Martini in Berlin in dem Kriminalstück „Acht Frauen“ auf. Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger sah sie und holte sie an die Josefstadt, wo sie u. a. in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ zu sehen war und in „Gefährliche Liebschaften“. Besonders bezauberte sie in „My Fair Lady“ als Mutter des Hagestolzes Henry Higgins (Föttinger), die zunächst peinlich berührt ist von seiner Neuerwerbung Eliza Doolittle, sich aber dann mit dem temperamentvollen Mädchen solidarisiert.

Martini moderierte den Club2. Sie drehte über 100 Film- und TV-Produktionen, war auch in der ersten Kottan-Folge „Hartlgasse 16a“ in einer für sie ungewöhnlichen Rolle zu sehen: als bösartige Hausmeisterin. Auf YouTube ist sie mit zwei weniger bekannten Songs zu erleben: als verlassene Ehefrau im verflixten siebten Jahr und als Schwangere, die ihrer Mutterschaft mit gemischten Gefühlen entgegensieht. 2011 korrigierte Martini im „Presse“-Interview zu ihrem Achtziger Klischees über ihre Person: Sexbombe sei sie keine gewesen, sie habe sie nur parodiert, den Ausdruck „Grande Dame“ finde sie „affig“. Trotzdem war sie natürlich genau das: sehr sexy in ihrer sehr langen Zeit der Jugendlichkeit und später eine Respekt gebietende Grande Dame, ob auf der Bühne oder als Theaterbesucherin, stets tadellos frisiert, diskret geschminkt, elegant gekleidet. Mit 81 Jahren ist Louise Martini nach kurzer Krankheit gestorben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)

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