Säureanschlag auf Ballettchef des Bolschoi Theaters

18.01.2013 | 11:13 |   (DiePresse.com)

Ärzte kämpfen um das Augenlicht von Sergej Filin, dem künstlerischen Leiter der weltberühmten Balletttruppe. Ein Unbekannter hatte ihm aufgelauert und ihn mit Säure überschüttet.

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Eine grausame Tat entsetzt die Kulturszene, nicht nur in Russland: Der Ballett-Chef des Moskauer Bolschoi Theaters, Sergej Filin ist bei einem Säureanschlag schwer verletzt worden. Ärzte eines Moskauer Krankenhauses kämpfen um das Augenlicht des 42-Jährigen, wie russische Medien am Freitag berichteten.

Filin, der die größte und berühmteste Balletttruppe der Welt seit 2011 führt, war am späten Donnerstagabend vor seiner Wohnung von einem Unbekannten angegriffen worden, wie die Polizei mitteilte. Der Familienvater trug schwere Verätzungen an den Augen und am Kopf davon. Der Täter entkam. Ermittelt werde wegen schwerer Körperverletzung.

"Es gab ständig Drohungen"

Filins Posten gilt als einer der einflussreichsten in der Welt des Tanzes - und als einer der umkämpftesten. "Es gab gegen Sergej ständig Drohungen, seit er diese Position übernommen hat", sagte die Sprecherin des Theaters, Katja Nowikowa. Der Familienvater hatte Medien zufolge viele Neider.

Der 42-Jährige bestimmt, welche Tänzer welche Rollen übernehmen - was naturgemäß zu Konflikten innerhalb der Truppe führt. "Wir hätten nie gedacht, dass solch ein Krieg um Rollen - und nicht etwa um Immobilien oder um Öl - solch ein kriminelles Niveau erreichen kann", so die Sprecherin.

Internet-Seite gehackt, Autoreifen zerstochen

Bolschoi-Intendant Anatoli Iksanow verurteilte den Anschlag. "Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass dies mit seiner beruflichen Tätigkeit zu tun hat", sagte Iksanow dem russischen Staatsfernsehen. "Er ist ein prinzipienfester Mensch und geht keine Zugeständnisse ein. Wenn er den einen oder anderen Künstler für nicht reif für eine Partie hält, verwehrt er ihm den Auftritt", sagte Iksanow.

Filins Kollegen berichteten, dass zuletzt etwa auch dessen Internetseite gehackt und mit Beleidigungen übersät worden sei. Zudem seien seine Autoreifen zerstochen worden. Den Berichten zufolge wird der Künstler von den besten Spezialisten in Moskau behandelt. Experten erwarten, dass Filin mindestens ein halbes Jahr für die Heilung benötigt.

Übernahm nach Skandal um pornografische Fotos

Der in Moskau geborene Filin gilt als Tänzer von Weltklasse - und als besonnener und diplomatischer Künstler. Er war ab 2008 Ballettdirektor des Moskauer Stanislawski- und Nemirowitsch- Dantschenko-Musiktheaters, das unter seiner Führung zu einer der fortschrittlichsten Bühnen des Landes aufstieg und wurde im März 2011 zum künstlerischen Leiter des Bolschoi-Balletts ernannt, nachdem die vormaligen Leiter Juri Burlaka und Gennadi Janin die Bühne nach einem Pornografie-Skandal verlassen mussten. Es gab Gerüchte über angebliche pornografische Fotos.

Bolschoi
Die Geschichte des Bolschoi Theaters reicht rund 200 Jahre zurück. Das Bolschoi hat eine reiche Opernkultur. Und es gilt als Wiege des klassischen Balletts mit makellosem Spitzentanz, athletischer Sprungkraft und streng synchronen Bewegungen.

Die Geschichte des Bolschoi Theaters (vom russischen Wort bolschoi = groß) begann 1776. Damals gab Zarin Katharina die Große den Auftrag zur Gründung eines Theaters im Zentrum Moskaus. Der Bau des Architekten Joseph Bové zählt zu den Meisterwerken des russischen Klassizismus. 1805 und 1853 wurde der Bau durch Brände, im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Das Bolschoi hat eine reiche Opernkultur und gilt als Wiege des klassischen Balletts. 1877 wurde hier Tschaikowskys "Schwanensee" uraufgeführt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versank das Theater im Chaos, 2005 musste der marode Bau schließen. Nach einer Totalsanierung wurde es 2011 in altem Glanz wiedereröffnet. Statt der ursprünglich gut 2000 Sitze gibt es für mehr Komfort und bessere Akustik aber nur noch 1700. Anatoli Iksanow ist seit 2000 Intendant des Bolschoi Theaters

Mit seinen mehr als 200 Mitgliedern im Corps de Ballet hat das Bolschoi weltweit die größte Truppe an Tänzern.

(APA/dpa)

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