Tanzen bis zuletzt: Fröhlich in den Unruhestand

20.01.2013 | 19:24 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Doris Uhlichs "Come Back" bittet alternde Ballerinen auf die Bühne - ein amüsanter Blick in die eigene Zukunft. Hoffentlich.

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Man kennt sie. Man hat sie gesehen. Früher, als sie noch jung waren. Und, natürlich: beweglicher. Obwohl: Es ist doch erstaunlich, was diese pensionierten Balletttänzerinnen zustande bringen, die sich beharrlich weigern, zu ergrauen, und die ihre Körper auch nicht dem völligen Verfall preisgeben wollen. Da wird gedehnt, gehüpft, gestreckt, herumgepurzelt. Das Publikum lacht. Soll lachen. Doris Uhlich schafft mit ihrem Stück „Come Back“ im Wiener Brut bewusst Erheiterung. Lachen über die Älteren, also Lachen über das eigene Älterwerden. Das hat etwas Befreiendes. Man hofft, dass man es später vielleicht auch einmal mit so viel Humor nehmen kann, dass eben nicht mehr alles so funktioniert. Und man hofft, wenn schon keinen Spagat, so doch zumindest noch Kniebeugen zustande zu bringen, wenn man selber sechzig oder siebzig ist.

Und noch etwas schält Uhlich da heraus: dass es auch eine Erleichterung ist, den Zwängen des Berufslebens zu entkommen. Es ist offenbar ein weitgehend fröhlicher Un-Ruhestand, dessen sich ihre Protagonisten erfreuen. Sie haben die strengen Hierarchien des Ballettsaales, die anstrengenden Proben, die bohrenden Blicke von Choreografen und eines kritischen Publikums hinter sich gelassen. Jetzt stehen sie vor einem kleinen Auditorium, das keine so hohen Ansprüche stellt – an die Körper, die Ästhetik, das Stück – wie damals, als sie noch an der Staats- und Volksoper tanzten.

 

Kirnbauer lotet mit 70 noch aus

Es ist kein nostalgischer Rückblick, der hier stattfindet: Susanne Kirnbauer, einst Erste Solotänzerin an der Staatsoper, hat sich mit ihren mittlerweile siebzig Jahren auf das Projekt Uhlich eingelassen und lotet dabei ihre eigenen Möglichkeiten neu aus. Auch Marialuise Jaska, Renate Loucky, Violetta Springnagel-Storch und Percy Kofranek blicken nach vorn, wollen wissen, was noch geht, wollen einmal am Rücken liegend mit den Füßen strampeln wie die Käfer oder mit den Schenkeln eine für das Publikum unhörbare Melodie klatschen. Erinnerungen werden erzählt und ohne Groll gehegt – etwa daran, dass man vor lauter Training und Disziplin alles versäumt hat, wofür die 68er-Generation steht.

Die vier Tänzerinnen und ihr Kollege sind, was es auf der Bühne braucht: Profis. Sie erheitern, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Sie wissen, dass sie den in der Tanzwelt aufgestellten Normen nicht mehr entsprechen, und stellen sich umso vehementer vor ihr Publikum, als wollten sie sagen: Hurra, wir tanzen noch! Das ist erfrischend. Und ermutigend.

„Come Back“: 22., 24.–26.1., Brut im Künstlerhaus (www.brut-wien.at).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)

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