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„Der Verschwender“ in Gutenstein: Flott und etwas geizig

Der Verschwender Gutenstein
Der Verschwender Gutenstein / Bild: (c) Festspiele Gutenstein (Claudia Prieler) 

Passabler Raimund bei den Festspielen Gutenstein: bildschöne Natur, freche Musik und ein paar wirklich gute Schauspieler.

 (Die Presse)

„Göttliche Natur“, ruft Chevalier Dumont, und angesichts der Landschaft, in der er das diesmal ausruft, kann man seinem Überschwang sogar beipflichten. Man versteht leicht, warum sich Ferdinand Raimund hier in Gutenstein niedergelassen hat, wenn man das schmale Talende sieht mit seiner Mischung aus Rauheit und Lieblichkeit, überragt von Felsen, wie sie Caspar David Friedrich gern gemalt hat.

Es wäre schade, wenn diese vielleicht schönste Naturkulisse dem österreichischen Sommertheater verloren ginge. Noch wird sie bespielt, im 20. Jahr schon. Nur dass die Raimund-Festspiele mittlerweile Festspiele Gutenstein heißen (zuletzt hat man sich hier an Musicals versucht); und dass man die herrliche Naturkulisse spieltechnischer Berechenbarkeit geopfert hat: Die Aufführungen finden nicht mehr als Freiluftspektakel, sondern in einem Zelt statt.

Auf einer weißen Bühne praktisch ohne Requisiten lässt Isabella Gregor, die Regisseurin und gleichzeitig neue Intendantin, Raimunds Stück vom Glück und selbstverschuldeten Fall des „Verschwenders“ Julius Flottwell spielen. Nur stellenweise öffnet sich der Vorhang hinter der Bühne auf die dunkle Wiese, die für ein paar einfache und doch schöne Regie-Effekte genutzt wird. Ein wenig optischer Einfallsreichtum hätte dem stellenweise so altbackenen Stück aber schon gutgetan und mit genügend Kreativität auch keine großen Kosten verursacht. Enttäuschend sind auch die Couplets, obwohl das Thema des Stücks sich für geistreiche Aktualisierung aufdrängt.

 

Musik-Potpourri aus Jazz, Musical...

Raffiniert dagegen ist die Musik, die mehr Raum als gewohnt beansprucht. Pavel Singer hat, zum Teil unter Verwendung von Originalmelodien, eine freche Mischung aus Jazz, Musical, Kurt Weill, Schlagern der 1950er-Jahre etc. komponiert, die hoffentlich noch häufiger zu hören sein wird.

Aus dem Ensemble stechen vor allem Boris Eder und Johannes Terne hervor. Eder gibt den Valentin in gewohnter und bester Volksstück-Tradition, da überrascht und fehlt auch nichts. Feinfühlig lässt er seine Figur altern und gibt als abgeklärter Familienvater dem Hobellied einen berührenden Anstrich schlichter Lebensweisheit. Johannes Terne macht aus dem bösen Kammerdiener Wolf einen wahren Herrn und erinnert mit seinem tragisch-absurden Abgang fast an Beckett. Karola Niederhuber ist eine untypische, aber letztlich überzeugende Rosa, Martin Schwanda ein guter Flottwell, Roman Schmelzer ein erfrischender Schutzgeist. sim

Zu sehen noch bis 11.August, Fr und Sa um 20.15Uhr, So 18Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2013)

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