Kammerspiele: Viel Schnaps, wenig Zund

„Der letzte Vorhang“ von Mary Goos mit der wunderbaren Leslie Malton geriet viel zu vornehm und brav.

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FOTOPROBE: ´DER LETZTE VORHANG´ – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

„Du bist ein Schatten deiner selbst“, sagt sie. „Eine Schauspielerin ist eine Hure mit einem guten Gedächtnis“, sagt er. „Der letzte Vorhang“ von Mary Goos, seit Donnerstag in den Kammerspielen zu sehen, handelt von unerfüllter Liebe: Zwei Schauspieler, Richard und Lies, treffen einander nach Jahren wieder, Lies lebt mit dem Gynäkologen Wouter in Südfrankreich, Richard trinkt. Goos' Stück bezieht sich auf Elizabeth Taylor und Richard Burton – und auf die Verfilmung von Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (1966) mit dem Katastrophenpaar; Burtons Tagebuch über ihre große Liebe ist immer noch sehr lesenswert.

In ihr Stück hat Goos verwirrende Figurenwechsel eingebaut, die beiden Schauspieler spielen alle Rollen. Ein Drama, das mit einer Szene beginnt, in der eine tolle Schauspielerin eine miserable Schauspielerin mimt, ist an sich suboptimal. André Pohl hat inszeniert und den feinen Humor seiner Darstellungskunst auch seinen Protagonisten nahegelegt.

 

Die Dämonie ist nur in der Musik

„Der letzte Vorhang“ ist jedoch auch eine böse Beziehungskiste, in dieser knistert es nur leise. Peter Kremer, deutscher Theater- und TV-Star („Siska“), schwankt unentschlossen zwischen den Polen knallharter Zyniker und enttäuschter Liebhaber und agiert insgesamt zu routiniert. Leslie Malton, die in den 1980er-Jahren in Wien ein Publikumsliebling war, vor allem in Tabori-Inszenierungen, wirkt jugendlich frisch, elegant und gestaltet glaubwürdig und nuancenreich den ambivalenten Charakter der Lies, die Richard den Alkohol auszutreiben versucht, während sie in Wahrheit ihr gemeinsames Lotterleben wieder aufnehmen will.

Zwischen Richard und Lies sollte es ordentlich funken, das tut es aber nur momentweise, jeder der beiden dreht sein Ding, von Leidenschaft ist wenig zu spüren. Am besten sind die zwei, wenn sie vorspielen, wie sie einander volltrunken beleidigen – zu den rauchigen Klängen von Marianne Faithfulls „Trouble in Mind“. Dieses Drama spekuliert mit großen Vorbildern, großen Namen, großen Geschichten, die es letztlich nicht erreichen kann. Der Aufführung fehlen Schlagfertigkeit, Präzision, Timing, das richtige Tempo. Dem Publikum schien das Thema, das wohl jedem geläufig ist – bleiben oder gehen, ruhiges Eheleben oder nervenzerfetzende Passion – zu gefallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2013)

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