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"We can care – or kill"

22.04.2007 | 17:53 |  DANIELA TOMASOVSKY (Die Presse)

Symposium. Terri Schiavos Bruder in Hartheim: In der Ex-Euthanasie- anstalt sprach man über Sterbehilfe heute.

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„We have two choices: We can care for them or we can kill them.“ Ein Satz, der im Zusammenhang mit dem Thema Sterbehilfe polemisch klingen mag, wird verständlich, weiß man, von wem er stammt: Bob Schindler hat dafür gekämpft, dass seiner Schwester Terri Schiavo die lebensnotwendigen Maschinen nicht abgeschaltet werden. Das Gericht entschied anders, Schiavo starb 2005.

Schindler sprach am Wochenende zum Auftakt des Symposions „Sinn und Schuldigkeit – Fragen zum Lebensende“ von seinen Erfahrungen. Der Ort, Schloss Hartheim in Oberösterreich, war nicht zufällig gewählt. Hartheim wurde 1939 von den Nazis beschlagnahmt und zur Euthanasieanstalt umgebaut. 30.000 Menschen, deren Leben als lebensunwert qualifiziert worden war, wurden hier zwischen 1940 und 1944 ermordet.


Nach Pest und Krieg „die Alten“

Und heute? „Pest, Hunger und Krieg sind überwunden – nun sind die Alten da“ – titelte die deutsche „Zeit“ 1984. Die Alten als Plage? Christoph Gisinger, Ärztlicher Direktor im Haus der Barmherzigkeit in Wien, warnte in seinem Vortrag vor einem „Age-ismus“, einer Diskriminierung alter Menschen. Die steigende Zahl an Behandlungsmöglichkeiten, die immer knapperen Ressourcen würden das Problem verschärfen, so der Mediziner – umso wichtiger sei die Besinnung auf den Hippokratischen Eid: „Als Arzt ist man dem Einzelnen verpflichtet, nicht einer Verwaltung oder einem Kontrollamt.“

Wenn aber der Einzelne sterben möchte? Befürworter aktiver Sterbehilfe sprechen von der Autonomie, die man jedem Menschen zubilligen müsse. Ausdruck der höchsten Freiheit sei es, selbst über sein Lebensende bestimmen zu können. Falsch, sagt Johannes Meran, Onkologe und Mitglied der Ethikkommission des Bundeskanzleramtes. „Um mit dem Philosophen Gilbert Ryle zu sprechen: Es handelt sich um einen Kategorienfehler. Jemand, der sein Leben als nicht mehr lebenswert beurteilt, vergleicht es mit Nichtleben. Man könnte sagen, er spricht wie ein Blinder von Farben.“

Meran kritisierte Verdrängung von Leid und Tod: „Leid kann nicht durch die Abschaffung der Leidenden aus der Welt geschafft werden.“ Die Art und Weise, wie Angehörige und Ärzte mit Schwerkranken umgehen, sei essenziell für deren Lebenswille. „Nur wenn der Patient die Erfahrung macht, angenommen zu sein, kann er sein Leid annehmen.“


Moretti: Platz für das „Welke“

Auch Robert Twycross, emeritierter Professor für Palliativmedizin an der Universität Oxford, ist „200 Prozent gegen Euthanasie“. Trotzdem möchte er „leise Zweifel“ wecken. „Mit dem Geld, das ein Jahr Betreuung von Terri Schiavo kostet, können 100.000 Kinder in Afrika medizinisch betreut werden.“ Ein wichtiger Aspekt der Palliativmedizin ist für Twycross Schmerzmanagement. „Niemand muss nach monatelangen schweren Schmerzen sterben. In fast jedem Fall helfen Medikamente.“

Wer das Lebensrecht am Anfang des Lebens in Frage stelle, tue das irgendwann auch für das Lebensende, warnte Schauspieler Tobias Moretti bei einem „Künstlerpodium“. Wo immer Lebensrecht einer „ökonomischen Rationalität“ untergeordnet werde, drohe ein „Dammbruch“. Man müsse deutlich machen, dass es eine Gesellschaft bereichere, wenn sie Platz habe für das Nicht-Normale, das „Welke“.

KONFERENZ: Hartheim

Auch Tobias Moretti und Nikolaus Harnoncourtwaren Gäste der internationalen Konferenz (Thema: „Wie schafft man ein kulturelles Klima der Lebensbejahung?“).

Ebenfalls anwesend: EU-Kommissar Jan Figel, Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2007)

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