Sieben Jahre arbeitete das Künstlerpaar Julius Deutschbauer und Gerhard Spring aufs Engste zusammen – bis es vor wenigen Wochen ordentlich krachte. Dem Schaufenster gab Deutschbauer exklusiv das erste Interview danach.
Sind Sie beide nun getrennt, oder nicht?
Ja, nein, beides. Na ja. Von 2000 bis 2007 gab es uns als Künstlerduo – mit Treue. Jetzt gibt es uns nicht mehr als ultimatives Duo, aber wir arbeiten immer wieder zusammen – zuletzt für den Film „Flüchtlingsdrama am Lunzer See“ und ein Plakat für die Hamburger Galerie Ascan Crone. Nächstes Jahr gibt es eine gemeinsame Ausstellung.
Also eine vorsichtige Annäherung?
Nein. Der Gerhard hat nicht mehr so viel Lust gezeigt, zusammenzuarbeiten. Zugleich haben wir aber auch noch unsere gemeinsame Professur an der Zürcher Hochschule für Gestaltung. Und es gibt Projekte, die sich aus unserer bisherigen Arbeit ergeben und für die wir auch angefragt werden. Diese ausschließliche Zusammenarbeit wird es aber nicht mehr geben.
Gab es einen Rosenkrieg?
Wir hatten einen geistigen Rosenkrieg – einen Trennungs-SMS-Krieg, wo der Gerhard formuliert hat, dass er in dieser Art von Gemeinsamkeit nicht mehr arbeiten will, weil sie ihm zu dialektisch wäre. Dieses ewige Pingpong ist ihm zu hart geworden! Ich bin da ja ziemlich autistisch, ich kann lang Pingpong spielen. Es ging so weit, dass er mich aufforderte, zu sagen: „Endlich allein!“ und erleichtert zu sein. Dieses „Endlich allein!“ zitiert eine Konrad Bayer-Geschichte, die wir beide sehr mögen. Nun wird es eine Arbeit geben, die „Endlich allein!“ heißt. Man sieht: Ich schöpfe schon aus den Trennungsaufforderungen.
Was war der Grund für Gerhards Rückzieher?
Gerhard will eher philosophisch arbeiten. Das gemeinsame Auftreten ging ihm nach sieben Jahren auf die Nerven. Und ich ging ihm auch auf die Nerven.
Sind Sie eine Nervensäge?
Na ja, vielleicht tu ich mir ein bissl schwer mit der Treue. Ich habe Lust auf Seitensprünge und darauf, künstlerisch promiskuitiv zu werden. Es gibt so viele andere Künstler, die mir auch gut gefallen! Es ist einerseits ganz toll, sich als Paar gut zu verstehen, andererseits ist es natürlich eine Einschränkung, einander so treu zu sein.
Der Beginn der Zusammenarbeit vor sieben Jahren –
war das für Sie der Schritt heraus aus dem romantisch-einsamen Künstlerdasein?
Ja schon...
Und jetzt sind Sie auf den Geschmack gekommen?
Genau! Aber es gibt auch jetzt den Schritt zurück ins Solotum. Im Oktober findet im Tanzquartier während der Langen Nacht der Museen eine Performance von mir übers Singledasein statt, bei der ich zwölf Stunden lang einsam Wasser trinke. [Er zieht eine Einladung hervor.]
Da ist aber eine „Absolut Vodka“-Flasche drauf.
Das ist „Absolut Wasser“ – ganz abstinent. Das hat sich nachträglich so ergeben. Ja, das ist schon eigenartig: Kaum bin ich wieder Solokünstler, werde ich abstinent!
Sollte Absolut Vodka als Sponsor auftreten?
Nicht direkt, weil ich Wasser verwende. Aber die Aktion wird von einer Partnervermittlungsagentur gesponsert. Denn während sich die Ausstellung bei Steinek ums Trennen dreht, geht es in dieser Performance explizit ums Solodasein. Damit signalisiere ich, dass ich jetzt frei und auf Partnersuche bin. Dass ich keine Lust mehr habe, so treu zu sein, wie ich dem Gerhard sieben Jahre treu war.
Was schwebt Ihnen für Ihre Zukunft vor?
Ich bin durch die Zusammenarbeit mit Gerhard team-
fähig geworden. Teilweise hat sich das aus der „Bibliothek ungelesener Bücher“ ergeben, für die ich schon vor unserer Zusammenarbeit hunderte Interviews gemacht habe und die in Form eines monatlichen Lesezirkels weiterlebte. Das rückt nun wieder in der Vordergrund, ab 2008 mit einer Kooperation mit der „Schule für
Dichtung“.
Was bedeutete die „Bibliothek“ für Ihre Karriere?
Es war die Öffnung – vom Leopoldstädter Zimmermaler, der in chaotisch beengten Verhältnissen arbeitete, nach draußen. Denn erst aus der „Bibliothek“ haben sich diese Kontakte ergeben – auch zu Gerhard, der seit 1997 regelmäßig kam und interessante Lesebeiträge mitbrachte.
War das auch der Grundstein für den Schritt von der Malerei hin zu interdisziplinärer Arbeitsweise?
Sagen wir: in einen gemischten Bereich, der sich schwer definieren lässt. Seit 1992 steht das Plakat im Zentrum meiner Arbeit, woran sich bis heute nichts geändert hat.
Das erste Plakat entstand anlässlich Ihrer Hochzeit mit Marlene Ropac, gefolgt von einer Serie von „Bibliotheks“-Plakaten. Mittlerweile gibt es über 70. Was manifestiert sich im Medium Plakat?
Darin kombiniert sich eine zurückgezogene Arbeitsweise mit dem Schritt nach draußen. Mit Gerhard wurde das Performative ganz stark. Wir sind im Wesentlichen durch unsere Performances bekannt geworden. Eine Zeit lang waren wir sogar mehr im Theaterbereich bekannt als in der bildenden Kunst.
Die Malerei stand also sieben Jahre lang ganz im Hintergrund?
Ja. Sie war ein Detail unserer Arbeit, stand aber nicht im Zentrum. Ich freu mich, auch wieder ein bissl mehr bildender Künstler sein zu können. So nach echter Malerei gerochen wie jetzt hat es in meinem Atelier schon lange nicht mehr!
Welche Gefühle hatten Sie, als Sie das erste Bild nach der Trennung malten?
Es war kontemplativ. Radio hören. Kassetten. Hörspiele. Daneben vor sich hinmalen. Nachdenken. Das gemeinsame Malen gab es auch, das war dann im Gegensatz dazu immer sehr lustig und vor allem sehr schnell. Zusammen waren wir ungeduldiger. Wir haben unsere Plakate abgemalt und das dann „entsetzliche Malerei“ genannt. Ja! Wir wollten eigentlich immer relativ schnell sein.
Wenn man Ihre neuen Bilder anschaut, dann erinnern sie in ihrer Schablonenhaftigkeit an Ihre Malerei aus den 1990ern. Haben Sie auf diesen Wiedererkennungseffekt hingearbeitet?
Die Schablone kriegt nun eine andere Bedeutung. Dass die Figuren eine Leerstelle bilden, hat damit zu tun, dass wir als Paar fehlen. Die gleichen Leerstellen gibt es auch auf den Plakaten der Ausstellung. Das sind retuschierte Deutschbauer/Spring-Plakate, in denen jetzt die Figuren fehlen – so als wären wir nie auf diesen Bildern vorgekommen.
Womit nun offenbar auch Ihre Biografie zitierfähig geworden ist...
Dass sich Gerhard und ich getrennt haben, würde sicher nicht ausreichen, darüber eine Ausstellung und einen „Singlevergnügungspark“ zu machen. Aber die Versingelung der Gesellschaft ist ein Phänomen, das mich interessiert. Ich merke allein schon aufgrund der Trennungsgerüchte um Gerhard und mich, was das für ein Thema ist! Es hat kitschige Seiten, so wie in üblichen eheähnlichen Beziehungen, obwohl es natürlich einen Unterschied macht, ob man sich von seinem künstlerischen Partner oder Ehepartner trennt. Aber wenn einen das Thema auf der halbpersönlichen Ebene betrifft, gibt es schon viel her, um es künstlerisch zu besprechen.