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Schmidt & Pocher: Der Entertainer und sein Lehrling

23.10.2007 | 18:33 |  THOMAS VIEREGGE, BERLIN (Die Presse)

Harald Schmidt nimmt Oliver Pocher an die Hand und bereitet seinen Abgang vor. Kabarettist Eckart von Hirschhausen bekommt eine Rubrik in der Show, Günther Jauch ist Premierengast.

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So wie er auf der Bühne des Schauspielhauses Stuttgart herumkaspert; wie er als schmieriger Entertainer durch eine musikalische Revue führt; wie er Elvis Presley und die RAF, Adolf Hitler und Andreas Baader mit etwas seichten Witzchen in einem Zusammenhang bringt, wirkt es, als sei Harald Schmidt ganz der Alte. Ein mundflinker Bildungsbürger, der die Klassiker des Literaturkanons zitiert, um im nächsten Augenblick einen Kalauer herauszuschieben. Dass er in dem Stück „Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen“ dorthin zurückgekehrt ist, wo seine Karriere ihren Anfang nahm – als Schauspielschüler unter Claus Peymann –, markiert einen Lebenstraum.

„Schauspieler des Jahres“, gekürt vom Magazin „Theater heute“, war für den 20-Jährigen der Gipfel, wie er eingestand. Inzwischen hat er fast alles erreicht, was es für einen wie ihn zu erreichen gibt in Film, Funk und Fernsehen. Er ist zum Darling der Deutschen geworden, wenigstens der Intellektuellen. In der „Zeit“ parliert er mit leichtem Ennui über den Sinn des Lebens. Viele seiner Fans fragen sich: Warum tut er sich das Schaugewerbe Fernsehen noch an, wo er doch augenscheinlich die Lust daran verloren hat?


Pocher, der Inbegriff des Hanswurst

Einmal schon ist er aus dem Geschäft der „Late Night Show“ ausgestiegen, um nach einem Sabbatical wiederaufzutauchen. Seither hat er sich als Moderator in allen TV-Formaten breit gemacht – nur der Hommage zu seinem 50. Geburtstag in seinem Haussender WDR blieb er fern. Und nun soll ausgerechnet Oliver Pocher, der Inbegriff des medialen Hanswursts, für Blutauffrischung in „Schmidt & Pocher“, dem satirischen Wochenrückblick am Donnerstag (22.45Uhr, ARD), sorgen? Autorin und Journalistin Elke Heidenreich, Schmidt ansonsten gesonnen, kann ihren Zynismus nicht verbergen. In einer Art Midlife-Crisis habe er sich wohl plötzlich noch mal „was 20 Jahre Jüngeres, was ganz Doofes, was ganz Blondes“ zugelegt, vermutet sie.

Schmidt bereitet indessen seinen Abschied vor, der ein Abgang auf Raten ist. Er selbst spricht mit Augenwinkern davon, die Show in ein paar Jahren in die Hände des 29-jährigen Shooting-Stars zu legen. Doch darin liegt mehr als nur Koketterie oder Selbstironie. Er sieht sich als Meister und Pocher als seinen Lehrling, der noch ein gewisses Coaching nötig habe. Es ist ein Deal auf Gegenseitigkeit, dem eine Aufgabenteilung zugrunde liegt.


Nicht in die Köpfe der Tokio-Hotel-Fans

Pocher soll Schmidt die Jüngeren zuführen und die Quoten wieder nach oben treiben, die zuletzt arg ins Trudeln geraten sind. In die Köpfe und Seelen von Tokio-Hotel-Fans kann und mag sich Schmidt nicht mehr hineinversetzen.

Pocher kennt dagegen keine Scham- und Schmerzgrenze. Kein Gag ist ihm zu gering, und überall drängt er sich ins Bild – zuletzt beim Empfang der deutschen Fußball-Weltmeisterinnen auf dem Balkon des Frankfurter Rathauses. Da krähte der Fußball-Fan sein selbst komponiertes Lied „Schwarz und weiß“ bis zum Überdruss. Bei der Werbetour seiner Eltern für die Zeugen Jehovas von Tür zu Tür habe er jede Hemmung überwunden, bekennt er unumwunden.


Von Raab zu Schmidt

Immer schon drängte es ihn ins vor die Kameras, und er blieb so lange hartnäckig, bis er es dann auch wirklich geschafft hat. Pocher ist ein Kind – und ein Produkt – des deutschen Privatfernsehens, das er von der Pike auf durchlaufen hat. Nach seinem Start als Einheizer für Talk-Shows landete er schließlich bei Stefan Raab, der sich mehrere Satelliten-Moderatoren hielt. Als Reklamefigur, als Gastgeber der Show „Rent a Pocher“, als Selbstpersiflage eines „B-Promis“ und als Darsteller in der Kino-Komödie Vollidiot produzierte er Lacher am laufenden Band und steigerte so seine Bekanntheit. Als Gast in Schmidts Show fühlte er sich pudelwohl – und Schmidt mit ihm. Dies ließ offenbar den Wunsch nach Zusammenarbeit reifen.

Wenn am Donnerstag die Ouvertüre ertönt, ist ein alter Bekannter wieder auf seinem Platz: Helmut Zerlett dirigiert die Combo wie in den Zeiten, in denen die Show noch auf Sat1 lief. Für einen anderen aus dem Schmidtschen Personalfundus ist kein Platz mehr: Manuel Andrack, Schmidts gewohnter Side-Kick, verschwindet hinter den Kulissen. Der Kabarettist Eckart von Hirschhausen ist als Pausenfüller vorgesehen. Und Günther Jauch, Deutschlands beliebtester Moderator, gibt als Premierengast seinem Freund Schmidt und dessen Kompagnon Starthilfe. Wer weiß: Vielleicht erlangt das ungleiche Duo aus groß/klein, alt/jung, gescheit/dumm trotz reichlicher Ressentiments ja sogar noch Kultstatus? Nach dem bewährten Komiker-Prinzip, dass Gegensätze die Lachmuskeln reizen.

RÜCKZUG. „Pochi“ bald solo?

Für „Schmidt & Pocher“ hat die ARD vorerst nur 22 Folgen vorgesehen. Schmidt will den jungen Kollegen mittels Coaching „von brillant auf Weltklasse“ bringen.

Danach gehe es darum, „Pochi in ein, zwei Jahren allein auf die Strecke zu schicken“. Nach einem TV-Rückzug könnte Schmidt sich aufs geliebte Theater konzentrieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2007)

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