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Salzburger Jazzherbst: Wolfgang Puschnig

25.10.2007 | 14:46 | Samir H. Köck (Die Presse - Schaufenster)

Heuer feierte Wolfgang Puschnig mit „Things Change“, einem Schuber voll Musik, seinen 50. Geburtstag. Nun gastiert er beim Salzburger Jazzherbst. Ein Gespräch über seine Jazz-Initiation und seine Kärntner Wurzeln.

Wie sind Sie denn mit Musikinstrumenten in Berührung gekommen?

Die Blockflöte in der Schule stand am Anfang. Mit der Geige versuchte ich es auch, aber das war es nicht. Meine Sehnsucht war die Querflöte und die spielte ich dann mit 14, 15 Jahren in meiner ersten Band. Wir spielten eine Art Folk-Jazz. Nach der Matura in Wien machte ich dann sämtliche Phasen am Saxofon durch. Zunächst laborierte ich am Charlie-Parker-Syndrom, dann war ich auf Coltrane, auf Adderley, auf Donaldson, auf Dolphy.

Gab es Vorbilder?

Meine musikalischen Vorlieben waren damals mannigfaltig. Lange bevor ich Saxofon spielte, kippte ich schon auf indische Musik à la Ravi Shankar rein. Außerdem war ich ein Beatles- und Jethro-Tull-Fan. Mein Jazzeinstieg war Miles Davis‘ „Bitches Brew“. Damals machte ich einen Ferialjob in einer Joghurtfabrik in Deutschland und hörte dieses Album Tag und Nacht. Kapiert hab ich nichts, aber ich war total fasziniert.

Für Ihre 50th Anniversary 3CD-Box „Things Change“ nahmen Sie nun erstmals ein Album nur mit Querflöte auf. Wird der Atem dünner?

Nein. Flöte ist ja anstrengender zu spielen als Saxofon. In den letzten Jahren rückte die Flöte immer mal wieder in den Vordergrund bei mir. Ein ganzes Flötenalbum wollte ich daher lange schon mal machen.

Eine andere Überraschung waren auf „Things Change“ Ihre jazzigen Bearbeitungen von Kärntner Liedern. Sind das Ihre eigentlichen Wurzeln?

Die meisten dieser Lieder sind Bestandteil meiner Kindheit. Mein Großvater hat dieses Zeug dauernd gesungen. Die meisten Motive stammen aus meiner Erinnerung. Da hab ich keine Noten gefunden. 1988 hab ich mal ein Kärntner Lied auf eine meiner LPs genommen, was gemischte Reaktionen ausgelöst hat. Damals hab ich gesehen, wie reizvoll es sein kann, den Kitsch davon zu lösen und mit der Essenz dieser Lieder zu improvisieren.

Die zunehmende Akademisierung des Jazz ist für viele Musikfreunde beklagenswert. Ist die große Zeit des Genres für immer vorüber?

Solche Klagen sind sinnlos. Die Dinge ändern sich eben. Da hätte der Jazz nie nach Europa kommen dürfen, wenn er nicht vermessen, katalogisiert, kategorisiert, analysiert werden hätte wollen. Das Tolle am Jazz ist aber, dass er oft dann am besten klingt, wenn er aus allem ausbricht. Die Technik ist das eine, das Feeling das andere. Die Dinge, die mich im Jazz am meisten weitergebracht haben, waren alle außermusikalisch.

Wie beurteilen Sie den Stellenwert des Jazz in Österreich. Hat sich da was mit den Jahrzehnten verändert?

„Es ist alles Orsch, aber eigentlich sind wir sehr leiwaund“ – das war lange das geheime Motto des Jazz in Österreich. Tatsache ist, dass es noch nie so viele junge gute Spieler gab wie jetzt. Der Jazz als Undergroundphänomen ist längst in die Mitte der Gesellschaft gerückt.

Wer waren die wichtigsten Partner Ihrer Karriere?

Wo ich in meiner Naivität erst viel später daraufgekommen bin, das war der Hans Koller. Als ich jung begann, mit ihm zu spielen, hatte ich gottlob keine Ahnung von der Dimension seines Schaffens. Das hätte mich sonst wohl verschreckt. Sehr wichtig war der Harry Pepl und auf andere Art der Uli Scherer. Und last but not least der Jamaladeen Tacuma, der mir bei Aufnahmen, bei denen ich wieder ganz ordentlich sein wollte, einen Schlüsselsatz sagte: „Are you afraid to be sinful?“.


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