
Für die größten Grausamkeiten des 20.Jahrhunderts hat Papst Benedikt in seiner Enzyklika "Spe salvi" den Atheismus verantwortlich gemacht. Gegen diese Ansicht wendete sich nun Umberto Eco, Semiotiker und Romanautor, in einer seiner Kolumnen im römischen Wochenmagazin "L'espresso".
Eco sieht die einschlägigen Passagen der Enzyklika als indirekte Replik auf den portugiesischen Autor und Literaturnobelpreisträger José Saramago ("Das Evangelium nach Jesus Christus"): Er hatte behauptet, dass die Menschen, wären sie alle Atheisten, in einer friedlicheren Gesellschaft leben würden.
Eco schreibt, er teile Saramagos Meinung nur bedingt. Doch nicht ohne Grund hätten die Nationalsozialisten den Wahlspruch "Gott mit uns" gewählt. Auch sei festzuhalten, dass "die Militärkaplane der Falangisten die faschistischen Wimpel segneten, dass der Massenmörder Franco von religiösen Prinzipien inspiriert war..." Eco nennt Osama Bin Laden und auch George W. Bush, der unter dem Motto "God Bless America" den Irak angegriffen habe. In diesem Sinn sei Religion nicht, wie es Marx formuliert hat, "das Opium des Volkes", also beruhigend, sondern eher Kokain fürs Volk, anstachelnd und euphorisierend.
Zeffirelli kooperiert mit Papst
Ganz anders steht Italiens Starregisseur Franco Zeffirelli zu katholischer Kirche und Papst: Er arbeitet mit Benedikt VI. an einer Reform der Film-Kommunikation des Vatikan. Laut "La Stampa" sagte er: "Josef Ratzinger, der in die Liturgie Ordnung gebracht hat, duldet die schändliche Anarchie in der Darstellung des Heiligen nicht." Er kritisierte explizit Mel Gibsons "The Passion of the Christ" und eine TV-Serie über das Leben von Franz von Assisi – und versprach: "Wenn man mir offiziell den Posten des Aufsehers anvertraut, werde ich mich dieser Aufgabe voll widmen. Es ist nötig."
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)

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