Magna Charta : "Große Urkunde der Freiheiten" versteigert

Schriftstücke erzielen im Allgemeinen keine aufregenden Preise. Aber die Magna Charta ist das wohl wichtigste Dokument, das je unter den Hammer kam.

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Ein über 700 Jahre altes, seltenes Exemplar der Magna Charta ist am Dienstagabend (Ortszeit) in New York für gut 21 Millionen Dollar (rund 14,6 Millionen Euro) versteigert worden. Das im Jahr 1217 handgeschriebene Dokument und im Jahr 1297 ins englische Recht aufgenommene Schriftstück ist nach Angaben des Auktionshauses Sotheby's eines von nur etwa 20 erhaltenen Exemplaren -  und es ist wohl das einzige, das je verkauft werden konnte. Die anderen sind in öffentlichem Besitz.

Wichtige Grundlage des Verfassungsrechts

Die Magna Charta ist eine erstmals 1215 abgeschlossene Vereinbarung zwischen dem englischen König und dem Adel, die später mehrfach erneuert wurde. Sie gilt in Großbritannien bis heute als wichtigste Grundlage des Verfassungsrechts. Allerdings sind alle Paragraphen im Laufe der Zeit abgeschafft oder ersetzt worden, so dass sie nur noch historische und symbolische Bedeutung besitzt.

Auch in anderen Demokratien hat sie die Formulierung der Menschen- und Freiheitsrechte entscheidend geprägt. So ist die Magna Charta ist, zusammen mit der Bill of Rights von England, auch Grundlage aller Gesetze der Vereinigten Staaten. Insbesondere die Verfassung der Vereinigten Staaten bezieht sich in Teilen auf die in diesen Gesetzen festgelegten Grundrechte.

Die Vereinbarung, die in New York zur Versteigerung kam, wurde von König Edward I. (1239-1307) abgeschlossen. Angesichts des Alters und der Brüchigkeit des Papiers grenze es fast an ein Wunder, dass das Dokument überlebt habe, erklärte das Auktionshaus.

Käufer und Verkäufer

Das handgeschriebene Dokument aus dem Jahr 1297 erwarb der US-Anwalt David Rubenstein, früher Berater des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter und später Gründer eines umstrittenen Privatfonds namens Carlyle Group. Er habe das Manuskript gekauft, damit es in den Vereinigten Staaten bleibe, sagte Rubenstein. Denn die drei wichtigsten Dokumente der westlichen Zivilisation seien in seinen Augen die Magna Charta, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und die Verfassung der USA.

Angeboten wurde das Schriftstück von der Stiftung des früheren US-Präsidentschaftskandidaten Ross Perot. Der hatte die Magna Charta - die "große Urkunde der Freiheiten" - 1984 von der Familie Brudenell aus dem englischen Northamptonshire erstanden.

Die Perot-Stiftung will den Erlös für wohltätige Zwecke stiften. Sotheby's hatte mit einem Preis von bis zu 30 Millionen Dollar gerechnet.

"Alle Menschen vor dem Gesetz gleich"

Die Magna Charta erklärt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind - einschließlich des Königs. Der revoltierende Adel rang sie dem englischen König Johann I. ("Ohneland") ab. Das Wachssiegel seines Nachfolgers, König Edward I., ist auf dem von Rubenstein erworbenen Dokument noch zu sehen.

Kopie wird US-Nationalarchiv übergeben

Rubenstein sagte, das von ihm versteigerte Exemplar der Magna Charta werde nur kurz in seinem Besitz sein. Er werde es den National Archives in Washington übergeben und es so der Allgemeinheit zugänglich machen. Im Nationalarchiv war das Manuskript auch schon vorher hinter Glas ausgestellt - als Dauerleihgabe des texanischen Milliardärs und früheren US-Präsidentschaftskandidaten Ross Perot. Der hatte die Kopie des Originals der "Großen Charta" 1984 der Familie Brudenell aus dem englischen Northamptonshire abgekauft, in deren Besitz sich das Dokument seit Ende des 14. Jahrhunderts befand. (Ag./Red.)

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