25.05.2012 11:57 | Meine Presse Merkliste 0

Karikaturenstreit, die Zweite: Nur Mohammed, den sieht man nicht

29.02.2008 | 18:45 |  PATRICIA KÄFER (Die Presse)

Dänische Künstler zeigen im Museumsquartier, dass nichts heilig ist, während Moslems ihre Berliner Ausstellung stören.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Ich kann nicht nach Wien kommen“, sagte Jan Egesborg, Gründer der Künstlergruppe Surrend, schon Donnerstagmorgen. „Aufgebrachte Muslime“ haben seine Ausstellung im Berliner Kunstverein Tiergarten gestört, er hält die Stellung an der Spree. Schon wieder ein Däne als Moslemschreck: Eben hatte das erneute Abdrucken der Mohammed-Karikaturen aus 2005 – als Reaktion auf einen vereitelten Anschlag auf den Zeichner Kurt Westergaard – in der muslimischen Welt erneut empörte Proteste ausgelöst.

Auge um Auge, Zahn auf Zahn: Die dänische Regierung hat am Freitag beschlossen, dem Sudan einen Schuldenerlass von zwei Milliarden Kronen (268Millionen Euro) wieder zu streichen. In dem afrikanischen Land hatte man wegen des Cartoon-Reprints zum Boykott dänischer Produkte aufgerufen.


Freiheit? Schreiben, aber nicht leben

Dabei herrscht selbst in Europa die Doppelmoral, siehe die voreilige Absetzung von Mozarts „Idomeneo“ in Berlin 2006: Die Deutsche Oper zog eine Inszenierung, in der in einer Szene die abgeschlagenen Köpfe der Religionsführer, darunter Mohammed, erst zurück – Selbstzensur! –, zeigte sie dann aber doch. In Wien beteuert man auf bedeutenden Gebäuden zwar „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ und „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ – Freiheit von einer Macht, ob politisch oder religiös, meinte Schiller wie Bahr. Gelebt wird diese Liberalität aber nicht. „Erschießt Putin“, forderte Surrend 2007, als Wladimir Wladimirowitsch Wien besuchte. Dabei stand klein gedruckt „Journalisten?“. Egesborg, der Poster mit Putin im Fadenkreuz in der Stadt affichierte, wurde für mehrere Stunden festgenommen.

„Satirische Kunst ist dieser Tage gefährlich“, berichtet Egesborg der „Presse“ am Telefon aus Berlin. Surrend stehe politisch weder rechts noch links. „Wir machen auch Satire über Juden“ – Egesborg selbst ist jüdischer Herkunft. Er beharrt auf Meinungsfreiheit, gerade auf beleidigende, kritisierende, denn: „Die Idee der Demokratie verschwindet sonst.“ Zeit also für einen zweiten Anlauf in Österreich: mit „Nichts ist heilig“ (Freiraum im Quartier21, Museumsquartier, täglich 10–20 Uhr, bis 24.März). Neben Plakaten von Surrend haben dort u.a. „Falter“-Karikaturist Rudi Klein und das deutsche Satiremagazin „Titanic“ (Cover aus 1999: „Schöne Scheiße: Der Papst ist tot (fast)!“) zum Echauffieren beigetragen. Mitherausgeber Martin Sonneborn erzählt der „Presse“ von britischen Beschimpfungen, die er 2007 hinnehmen musste: „Titanic“ hatte das Gesicht der verschwundenen Maddie auf „Kinder“-Schokolade montiert und im eigenen Blatt inseriert.

Dennoch: Plakate, Zeitungsseiten, Karikaturen wirken – nicht in freier Wildbahn, sondern mit einem Dach über dem Kopf – gezähmt, weil als Kunst ausgeschildert. Sind deshalb aber nicht geschützter: Am Donnerstag stürmten Moslems die Berliner Surrend-Ausstellung und verlangten, das eine auf den Islam bezogene Plakat abzunehmen. Darauf wird die Kaaba in Mekka als „Dummer Stein“ bezeichnet. Die Schau wurde geschlossen, die Polizei arbeitet an einem Sicherheitskonzept, man will schnellstmöglich wieder öffnen.

Harald Schmidt zeigte in seiner Late-Night-Show am Donnerstag „Dalaidikt Benelama“, eine Fotomontage aus katholischem und buddhistischem Religionsführer. Das mutmaßlich überwiegend christliche Publikum lachte. Hängt die Konfession etwa mit dem Verständnis für Satire zusammen?

Am Freitag erreichte man unter Jan Egesborgs Handynummer bloß seine dänische Mobilbox. Keine Panik: Ein Kollege versicherte, er sei in Kontakt mit ihm, man habe ihn an einen „sicheren Ort“ gebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

15 Kommentare
Gast: AEIOU
03.03.2008 08:55
0 0

Aus dem Muslimenlager kommen "Cartoons", die

die Werte der westlichen Gemeinschaft verunglimpfen. Sie müßten eigentlich zu einem Protestgeschrei der Christenheit führen. Hört jemand etwas? Warum nicht? Weil Rom auf dem Weg in den Muslimenarsch ist. Mit Hilfe der schnellwachsenden eingewanderten Muslimen und ihrer Sympatisanten.

geheimrat
02.03.2008 13:58
0 0

Der Mohammed Fan-Klub

ist wieder einmal beleidigt. Wann ist er das nicht ?

stefania
01.03.2008 17:40
0 0

Jeder Wiener

werde in 50 Jahren eine türkische Großmutter haben.

Das teilte eben Ö1 mit.(Sendung über französisches Einwanderermuseum ).

Alles klar ?

Antworten panda82
03.03.2008 10:02
0 0

Re: Jeder Wiener

Wieso sprichst du nicht von Grossvaetern???

harbard
01.03.2008 14:39
0 0

satirische kunst

...abgesehen davon, daß "islamisten" zart besaitet zu sein scheinen, stellt sich schon die frage, ob solche provokationen nötig, bzw. auch kunst sind!


0 0

Re: satirische kunst

Aus einem Grund ja: weil es erlaubt sein MUSS in einer Demokratie, dass künstlerisch über alles und jedes gelacht werden muss/darf, alles vom Thron geschuppst werden darf! Das hat was mit Denkfreiheit zu tun. Sonst lassen wir uns neue Götter machen. Und diese Art Götter kann mir wahrlich gestohlen bleiben, samt den fanatischen Anhängern.

0 0

... auch kunst ist

wenn -du- es nicht wissest ... -wer- sonst ... mit vorzüglicher verachtung ... nur i daBrandSatz

Antworten Antworten harbard
02.03.2008 10:26
0 0

Re: ... auch kunst ist...nur i dabrandsatz

...setzt aufs dach den roten hahn!!!
...oder was?

Antworten 17und4
01.03.2008 15:06
0 0

Re: satirische kunst

die gehörten so lange gekitzelt, bis sich ein Gewöhnungseffekt einstellt und sie sich nicht mehr aufregen.
Wie war es mit den christlichen Aufgeregtheiten!

Gast: Crusader
01.03.2008 12:52
0 0

Nicht hier...

Islam raus aus Europa.
Wenn nicht freiwillig dann eben anders.

Antworten panda82
03.03.2008 10:03
0 0

Re: Nicht hier...

Die Polen haben keine Lust mehr die Österreicher noch mal zu retten..

Du musst selber etwas tun!!!!

generator
29.02.2008 23:14
0 0

Islamische Zensur.

In Zukunft wird in Europa der Islam bestimmen, was Kunst sein darf und was nicht.

Schade, dass nur die Dänen Rückgrat zeigen.

Schade, dass die anderen europäischen Zeitungen sich scheuen den Dänen Solidarität zu bekunden und ebenfalls die Karikaturen veröffentlichen, um dieser eingewanderten Kultur die lange Nase zu zeigen, dass wir unsere teuer erkauften Werte nicht einer archaischen Anschauung opfern.

Außerdem bin ich neugierig welche TV-Stationen sich getrauen werden, den Koran-Film vo Geert Wilders auszustrahlen.

Aber ich fürchte, die linken Sender, die haben alle die Hosen voll.

0 0

österreichisch... und Islamische zensur ...

an alla(h)liebsten servus ... geschätzter generator ...

wobei das -stumme- (h) ... betont artikuliert wird denn

... besonders aktiv beim zensieren sind ... -diePresse- und -derStandard- ... -derFalter- ... die selbsternannten qualitätsmedien ... zzgl der un...qualitätsmedien

i bin -textphotographikguerilla- habe jede meiner zu dem thema passenden -satirisken- ... an die redaktionen verschickt ... nicht -eine- reaktion

-unsere- medien spiegeln -nur- das öffentliche leben ... verschweigen ...und wenn das nicht genügt... -vertuschen- mit qualitätsanspruch

mit vorzüglicher hochachtung ... nur i daBrandSatz


0 0

Klar

Jeder, der nicht Ihrer Meinung ist, ist entweder ein "Linker", ein "Gutmensch" oder hat einfach die "Hose voll". Schöne, dumme Logik, die Sie da haben.

Es ist doch ziemlich einfach: man lasse den Islam aus solchen Sachen raus - und keiner regt sich auf. Da man aber weiß, dass sich Leute über solche "Kust" aufregen, produziert man sie trotzdem, um möglichst aufzufallen. Sensationsgeilheit nennt man so etwas.

Aber wandern Sie ruhig wieder in das Paradies der politisch Impotenten (PI). Da wird zumindest alles so geschrieben, wie Sie es gerne hättene. Nur zu schade, dass es die virtuelle und nicht die reale Welt ist.

Eine kleines Interview, welches zum Nachdenken anregen soll.

http://ramonschack.wordpress.com/2007/11/05/politically-incorrectjens-von-wichtingen-steigt-ausein-gastbeitrag/

Antworten Gast: malerin
01.03.2008 11:44
0 0

Re: Islamische Zensur.

der zeit ihre kunst, der kunst ihre freiheit.