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Die österreichische Kunst in der Krise

22.04.2008 | 18:42 |  ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Zeitgenössische Kunst boomt weltweit – die österreichische nicht. Österreich hat kein starkes Museum für junge Kunst, keine Biennale, keine Kunststiftung.

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Überall boomt zeitgenössische Kunst. In den Londoner und New Yorker Auktionssälen stehen zweistellige Millionenbeträge für Gerhard Richter, Jeff Koons, Damien Hirst auf der Tagesordnung – gilt doch hochpreisige Kunst gerade angesichts von Finanzkrisen als relativ sichere Aktie. Das Kunstsammeln, aber auch der Besuch von Galerien und Museen, ist weltweit populär wie noch nie. Erstmals seit Beginn der Moderne um 1860, so erklärte Tobias Meyer, Chefauktionator von Sotheby's, der „Süddeutschen Zeitung“, hat die zeitgenössische Kunst ihren „Angstcharakter“ verloren, ist das „wohlhabende Bürgertum“ nicht mehr belustigt oder schockiert von zeitgleicher Kunst, sondern schätzt sie.

Österreich ist, was die Künstler betrifft, von diesem Zustand allerdings meilenweit entfernt. Während junge Briten, Polen, Chinesen und Deutsche in Jahresabständen zu den neuen Stars ausgerufen werden, führen junge Österreicher bis auf wenige Ausnahmen wie Gelitin und Markus Schinwald ein Schattendasein.

 

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„Warum ist deutsche Kunst so erfolgreich?“ titelte vor kurzem „Die Zeit“, die gar nicht fassen konnte, dass ihre „vergrübelte“ Kunst der „Zweifler“ plötzlich so geliebt wird. Unter dem Label „Young German Art“ erfährt die deutsche Kunst mit Zentrum Berlin zurzeit einen Aufschwung, von dem wir Nachbarn im Osten nur träumen können. Auch wenn – wie rund um die heute, Mittwochabend, startende Wiener Messe für zeitgenössische Kunst, die „Viennafair“ – Galeristen und Messemacher die heimische Kunstszene gerne euphorisch und verkaufssteigernd hochleben lassen.

Außer Schiele und Klimt konnten sich bisher aber keine österreichischen Künstler dauerhaft in der obersten Liga von Kunstmarkt und Ausstellungswesen behaupten. Auch wenn gerade dort auffällig viele österreichische Galeristen wie Thaddaeus Ropac und Ursula Krinzinger mitmischen.

Gründe dafür gibt es viele – einige davon wird man schwer beeinflussen können. Etwa dass die erfolgreichsten Künstler auch aus den mächtigsten Ländern kommen, weil jeder als Erstes Kunst seines eigenen Landes sammelt.

Viele andere Gründe, vor allem strukturelle, gelten aber sehr wohl als veränderbar. Die in Österreich traditionell unentschlossene Kunstpolitik zum Beispiel: Obwohl allein die Zahl der Bundesmuseen-Besucher die der Wiener Bundes- und Privattheater schon längst überholt hat (2,52 gegen 3,71 Mio. 2005/06), spielt ein starkes Bekenntnis zur zeitgenössischen Kunst vor allem in gedruckter Form eine Rolle – in Regierungsprogrammen wie dem jetzigen etwa. Oder als ewiges mündliches Bekenntnis für eine Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst – dafür immerhin von Kunstministerin und Bundeskanzler.

Von jeher fehlt in Wien auch ein großzügig mit Raum und Budget ausgestattetes Museum für moderne und zeitgenössische Kunst – um die neuesten internationalen Entwicklungen in Wien ausstellen und um die eigenen Künstler international aufsehenerregend positionieren zu können. Und während in den letzten Jahren weltweit mehr als 100 Kunst-Biennalen aus dem Boden geschossen sind, haben sich sowohl Bund als auch Stadt Wien noch immer nicht zu einem so prestigeträchtigen Kraftakt durchringen können. So bekam etwa die gerade laufende „Berlin Biennale“ 2006 von der Kulturstiftung des Bundes eine 2,5 Mio. Euro hohe Finanzspritze. Sie ist mittlerweile Fixtermin für Opinionleader der Kunstszene. Nach Wien lockt sie nichts nur annähernd Vergleichbares.

Fünf Experten im InterviewSeite 2

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2008)

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7 Kommentare
Gast: forres
23.04.2008 19:40
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collaborateure

solange in einem subventionierten system künstler, kuratoren, kunstunis und der handel im vorauseilenden gehorsam mit der öffentlichen hand kollaborieren, kann es keine kunst geben, die international standhalten soll. Noch dazu fehlt in österreich jegliche professionalität im bereich kunstwissenschaft, kritik, theorie, ganz zu schweigen von
der nicht mehr vorhandenen rolle der printmmedien inbezug auf gegenwartskunst. auch die begriffliche wandlung von kunst zur kulturwirtschaft wurde doch medial
kritiklos hingenommen.
Um heute gute kunst zu sehen oder zu kaufen, brauchen sie österreich nicht, keinen österreichischen künstler, keinen österreichischen consultant oder händler, keine österreichische zeitung, es geht besser ohne.
und dennoch gibt es in österreich großartige internationale kunst in privatbesitz, die unsere staatlich abgesegneten granden und museumsleiter hier niemals vermuten würden, mit den worten einer geschäftigen
kuratin: Was interessiert mich das??

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Bedeutende Kunst braucht qualimistisch und nicht sozimistisch aufbereiteten Boden!

Also wenn ich gut mit Ölfarben umgehen könnte würde ich jetzt neue oder schöne Häuser bzw. Straßenzüge durch Hochwasser, Sturm oder sonst wie zerstört malen. Menschen lieben Bilder der Verwüstung. Was ist da nur passiert? So würden viele instinktiv denken und in das Bild eintauchen.

Auch Nitsch - in meinen Augen kein Künstler, sondern eher ein Schlachtergeselle - lebt vom selben Sensationslustgewinn den viele Menschen beim Betrachten von Zerstörung haben, ohne, dass Nitsch dies vielleicht selbst weiss.

Problematisch ist natürlich, wenn sozimistisch (ein Wort von mir, dessen Gegenteil qualimistisch ist - sozimistisch löst man z. B. das Problem ins Schwarze zu treffen, indem man das Schwarze vergrößert, wodurch jeder Blinde ins Schwarze trifft, qualimistisch wäre es zu trainieren und/oder z. B. Pfeile oder Bögen zu verbessern) im Kunstbereich gedacht wird. Das ist der Untergang jeder Kunstrichtung!

Der größte lebende Künstler Österreichs ist meiner Meinung nach Lehmden.

Gast: pravda
23.04.2008 10:40
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Das kommt davon, weil in Österreich

abartige Schweinereien als Kunst und verurteilte Verbrecher als Künstler angesehen und gefördert werden.

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Re: Das kommt davon, weil in Österreich

Welche Schweinereien?

Die Bilder von Klimt und Schiele sind auch einmal als "Schweinereien" gegen die Doppel-Moral der christlichen Abendländer verdammt worden.

Naturalistisch einen Wald oder einen Baum zeichnen kann bald ein Trottel.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Antworten Gast: Waldmüller
23.04.2008 14:16
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Re: Re: Das kommt davon, weil in Österreich

Viel Spaß beim naturalistischen Wald- und Baumzeichnen!

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Kein Wunder in einem Land,

in dem die Biosprit-Produktion der Bauern massiv gefördert wird und deshalb für moderne Kunst das Geld fehlt.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Gast: En Passant
23.04.2008 02:45
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zuwenig Kunst?

.. eher ein überbordendes Zuviel davon! Und vor allem ein zuviel an Spekulation! ... und ein zuwenig an Können!

...

die Leuteln sollten einfach mehr können und mehr Demut und gewaltig mehr an Selbstkritik vorweisen können, dann kommt alles Andere von selbst!