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Belvedere: Phantastisch, phinanzstark, phern

23.05.2008 | 18:38 |  ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Eine Ausstellung über den „Phantastischen Realismus“ vergibt die Chance, ihm durch einen wohl schmerzhaften Bogen ins Heute noch eine Chance zu geben.

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Über den „Phantastischen Realismus“ zu spotten ist eine Fingerübung, die so redundant wäre wie die Bewegung selbst. Nach den fetten Jahren wurden die Schwächen oft genug höhnisch bekrittelt, der (beneidete) finanzielle Erfolg der allesamt natürlich männlichen Hauptvertreter, die in der Folge des unerträglichen Wiener Verlangens nach „Genies“ ins ebenso Unerträgliche gesteigerten Eitelkeiten, das Abrutschen in eine immer platter werdende Selbstwiederholung sprich Edelkitsch. Beobachtungen, deren Bestätigung man sich gerne öfter erspart hätte, als sie einem in Seitenblicken aufgedrängt wurden. So aber wirken die „Phantastischen Realisten“ heute so „dated“, so mit Datum versehen, wie das „Ph“, das sie trotz Rechtschreibreform immer noch im Label tragen.

Vom Gegenteil dieses Zustands kann einen auch die neue Ausstellung im Belvedere nicht überzeugen, die anscheinend aus rein sentimentalen Gründen am Programm steht – vor rund einem halben Jahrhundert fand hier die erste „Phantasten“-Schau mit Hausner, Hutter, Leherb, Lehmden statt. Die Jahre der „unbelohnten Arbeit“, wie im Katalog zu lesen ist, waren im Vergleich zu anderen „Avantgarde“-Gruppen also durchaus überschaubar. Die Wiener Aktionisten, selbst ihr malerisches Frühwerk wurden etwa bis heute noch nicht im Belvedere gewürdigt. Aber je entbehrungsreicher die Frühzeiten, desto fantastischer natürlich der Künstlermythos.

Auch standen die „Phantasten“ ganz und gar nicht „diametral“ einem „Mainstream“ abstrakter Malerei gegenüber, schon gar nicht in Wien. Eher arbeiteten sie gut eingebettet sowohl in der österreichischen Tradition der Spätstile als auch in der eines surrealen Zugangs, den man von ihrem Lehrer an der Akademie, Albin Paris Gütersloh, über die „Magischen Realisten“, Alfred Kubin bis zu Arcimboldo zurückverfolgen könnte. 1954 war auch auf der Biennale Venedig vorwiegend Surrealismus zu sehen – Wolfgang Hutter wurde dort mit dem Unesco-Preis ausgezeichnet.

Aber lassen wir lokale Mythenbildungen, sehen wir uns die dicht gehängten „phantastischen“ Gemälde, vorwiegend aus der noch erträglichen, daher gerne ausgestellten Frühzeit, an, die uns jetzt das Belvedere noch einmal serviert (ohne größere biografische Ausführungen, die bei weniger bekannten Positionen aus dem Umfeld wie Johanna Schidlo, Greta Freist notwendig wären).


Lieber in die Vergangenheit als ins Heute

Garniert wird nicht etwa mit einem Bogen ins Heute, zu ebenfalls in ihrer Zeit erfolgreichen surreal anmutenden Malern wie Neo Rauch oder Peter Doig. Das legt nur der Katalog nahe, der direkte Vergleich wäre für die bald 80-jährigen immer noch aktiven Protagonisten wohl schmerzhafter ausgefallen, als es dem Belvedere lieb war. Vielmehr wird der Bogen noch weiter zurück geschlagen, mit Leihgaben aus Wien, mit Rubens und Bosch, um die sowieso altbekannte technische Rückversicherung der Maler bei ihren Ahnen zu illustrieren. Übrigens ebenfalls kein so originärer Zug, schon „Magische Realisten“ wie Rudolf Wacker pilgerten ins KHM und in die Gemäldegalerie der Akademie.

Den magischen wie „phantastischen“ Realisten gemein ist noch eine andere österreichische Eigenart, das Eskapistische. Wetzten in Deutschland veristische Künstler wie George Grosz und Otto Dix ihre spitzen Pinseln an der Gesellschaft, ist in der österreichischen Zwischenkriegszeit nur der „rechte Flügel“ der Neuen Sachlichen, der „Magische Realismus“, nachweisbar. Ähnlich die „Phantasten“ – nach dem Krieg versorgten sie die mehr mit Aufbauarbeit als mit Aufarbeitung beschäftigten Menschen mit verrätselten Traumwelten, in denen zwar hie und da Erinnerungen an den Krieg auftauchten, Panzer, Bombenkrater, das Porträt des von den Nazis ermordeten Vaters, aber nur als einzelne Motive. Keine tiefere künstlerische Auseinandersetzung prägte wie in Deutschland ganze Werke, wie etwa das von Anselm Kiefer.

In Österreich ist – anders als in der Literatur – bis heute keine Malerei erfolgreich bzw. brisant, die sich kritisch mit dem Land und seiner Gesellschaft auseinandersetzt, lieber weicht man da in die beliebigere, unangreifbare Internationalität aus. Ganz vielleicht hätte ja Oskar Kokoschka eine solche Schule, eine solche Tradition in Wien noch begründen können, wäre er an die Akademie berufen worden. Aber was weiß man schon.

Bis 14.September, Unteres Belvedere, Rennweg 6, Wien 3, täglich 10–18 Uhr, Mittwoch 10–21 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)

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1 Kommentare
artemis70
26.05.2008 08:54
0 0

Albin(????) Paris Gütersloh!