In den Niederlanden ist der islamkritische Film „Fitna“ (Zwiespalt) des Rechtspopulisten Geert Wilders längst kein Thema mehr, in Jordanien und in anderen arabischen Ländern aber umso mehr. Auch noch Monate nach dessen Publikation im Internet.
In Jordanien macht derzeit die Organisation „Messenger of Allah Unites Us“ („Der Botschafter Allah verbindet uns“) Furore und agitiert gegen den Wilders-Film. Die islamische Organisation unter Vorsitz des Verlegers Zakaria Sheikh ruft in einer groß angelegten Aktion zum Boykott niederländischer Firmen und holländischer Produkte auf, in Jordanien und in anderen arabischen Ländern. Ähnlich, wie das schon gegen dänische Firmen und Waren geschah, als in Dänemark islamkritische Karikaturen erschienen waren.
Wegen Boykott: Firmen distanzieren sich
Wilders Film „Fitna“ wurde Ende März im Internet vorgestellt. Er ist eine Collage und stellt vor allem in Form einer einseitigen Dokumentation die Gewaltauswüchse dar, die von fundamentalistischen Muslimen begangen wurden. Zahlreiche niederländische Unternehmen sollen laut Zakaria Sheikh nun wegen dieses Filmes boykottiert werden, sagt dieser in einem Interview mit der Amsterdamer Zeitung „de Volkskrant“. Unter ihnen sind die Multis Philips und KLM, aber auch der Wurstfabrikant Zwanenburg Food und der Käse- und Joghurt-Hersteller Friesland Food. Letztere beugten sich inzwischen dem Druck des islamischen Aktionskomitees. Sie schalteten Anzeigen in jordanischen Zeitungen, in denen sie sich vom Inhalt des Wilders-Films „Fitna“ distanzieren. Außerdem bezeugen sie in diesen Anzeigen ihren Respekt vor dem Islam und auch vor der von Zakaria Sheikh geleiteten islamischen Anti-Wilders-Organisation.
Aber Zakaria Sheikh gibt sich mit dieser Anzeigenaktion und Entschuldigung noch lange nicht zufrieden. ,,Sie müssen solche Anzeigen auch in niederländischen Medien publizieren, fordert er. „Wilders hat mich und alle Muslime beleidigt. Er hat ein Verbrechen begangen. Dafür muss er bestraft werden“, verlangt der jordanische Verleger. Der Film „Fitna“ sei nicht durch die Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt, „weil er uns Muslime beleidigt“, meint der jordanische Medienmann, der selbst die englischsprachige Zeitschrift „Fact International“ herausgibt.
Klagen von Hollands Gericht abgewiesen
Der jordanische Verleger ignoriert dabei jedoch völlig, dass ein niederländisches Gericht Klagen gegen „Fitna“ abgewiesen hat und in seinem Urteil zu dem Schluss kam, dass Muslime in dem umstrittenen Wilders-Film nicht beleidigt werden, und dass „Fitna“ in einem Land, in dem Pressefreiheit bestehe, gezeigt werden könne. Der Chef des Wurst- und Snack-Fabrikanten Zwanenburg, Aldo van der Laan, will aber an seinem Entschuldigungskurs gegenüber den Muslimen festhalten. „Ich habe keine Probleme damit, den Wilders-Film zu verurteilen und zu sagen, dass wir als Unternehmen besorgt sind, dass ein solcher Film gedreht und gezeigt wurde“, sagt van der Laan in der „Jordan Times“.
Die meisten anderen niederländischen Unternehmen, die nun in Jordanien boykottiert werden sollen, hüllen sich in Schweigen. Nur die inzwischen zur Air-France-Gruppe gehörende holländische Fluglinie KLM wiederholte ihre Standarderklärung, die da lautet: „Die KLM steht keiner politischen oder religiösen Überzeugung nahe. Sie distanziert sich vom Inhalt des umstrittenen Films.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2008)

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