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Ausstellung: Akademie zweifelt an Abendland

18.07.2008 | 19:10 |   (Die Presse)

Kunstuni-Rektor Schmidt-Wulffen plant 2009 Dependance in Istanbul.

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Die stärksten Impulse für die bildende Kunst kommen schon länger nicht mehr aus dem „Abendland“, aus Paris, London, Berlin, ja nicht einmal aus New York. Sie kommen immer öfters von weit außerhalb des bisherigen eurozentrischen bzw. nordamerikanischen Fokus'. Mit dieser Ansicht ist der Rektor der Wiener Akademie, Stephan Schmidt-Wulffen, in der Kunstwelt nicht allein. Der zwischen New York, Paris und Südamerika pendelnde Mexikaner Gabriel Orozco etwa gilt als einer der einflussreichsten Künstler unserer Zeit, der ähnlich renommierte Belgier Francis Alÿs lebt seit 1986 in Mexico City.

Auf diese Tendenz will Schmidt-Wulffen jetzt auch in der Ausbildung reagieren. Im Herbst 2009 plant er gemeinsam mit der Istanbuler Kunstuniversität, eine Dependance der Akademie am Bosporus zu eröffnen, den postgradualen Lehrgang „negotiating cultures“ (Kulturen verhandeln) für etwa 40 österreichische und türkische Studierende. Am Sponsoring durch die Wirtschaft wird zurzeit noch gearbeitet, der Lehrgang soll jedenfalls Teil einer ebenfalls neuen Forschungsplattform der Akademie sein. Eine von zwei in diesem Rahmen geplanten Professuren ist bereits vergeben, an den deutschen Theoretiker Tom Holert, der Epistemologie und Methodologie der künstlerischen Produktion unterrichten wird. Die Besetzung einer zweiten, künstlerischen Professur soll noch folgen.

Warum aber Istanbul und nicht gleich Mexiko City oder Peking? Aus praktischen Gründen, so Schmidt-Wulffen. Istanbul ist nah und doch fern genug. Jedenfalls ist es nicht so, dass die derzeitige Zusammensetzung der Studentenschaft diese bilaterale Verbindung nahelegen würde – auf Österreichs Kunstunis sind türkischstämmige Studierende eine Minderheit, wobei man nur Zahlen über türkische Staatsbürger zur Verfügung hat – fünf studieren zurzeit auf der Akademie, auf der Angewandten sind es 16. sp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2008)

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