WIEN. Joe Zawinuls Birdland ist in gewaltigen Schwierigkeiten. Wie Christoph Vavrik vom Kreditschutzverband 1870 der „Presse“ erklärt, wurde am Montag das Konkursverfahren über das renommierte Jazz-Lokal in der Landstraßer Hauptstraße eröffnet. Laut Geschäftsführer Karl Resch hat das Birdland Passiva in der Höhe von 500.000 Euro. Nun hofft Resch auf die Stadt Wien; konkret auf finanzielle Unterstützung: „Die Stadt kann nicht so tun, als würde sie das Birdland nichts angehen.“
Begründet wurde der Konkurs, der auch sechs Mitarbeiter betrifft, vor allem mit den hohen Kosten des damaligen Umbaus, die das Birdland mit den laufenden Einnahmen nicht finanzieren konnte.
Derzeit befindet sich das Lokal der Jazz-Legende, die am 11. September 2007 in Wien starb, in der Sommerpause. Und die könnte ewig dauern – auch wenn die Betreiber am 19. August wieder eröffnen wollen. „Der Masseverwalter muss sich jetzt einen Überblick verschaffen, ob eine Fortführung des Betriebs im Konkursverfahren kostendeckend ist“, meint Vavrik. Würde das Lokal bei laufendem Betrieb Verluste schreiben, werde es nicht wieder aufgesperrt, so Vavrik: „Das wäre eine Schädigung der Gläubigerinteressen.“
Schicksalstag: 14. Oktober
Insgesamt rechnet der KSV, dass der Masseverwalter innerhalb weniger Tage eine Entscheidung fällt: „Masseverwalter sind gewohnt, sich schnell einen Überblick zu verschaffen.“
Der Schicksalstag für das Birdland ist trotzdem der 14. Oktober. Dann entscheidet sich im Handelsgericht Wien, ob das 2004 eröffnete Birdland einen Zwangsausgleich schafft und weitergeführt wird, oder ob es für immer schließen muss.
Mit seinem Konkurs schlitterte das Birdland am Montag auch direkt in den Wahlkampf. Denn das Birdland hatte damals 726.728 Euro als Baukostenzuschuss bekommen. Dazu VP-Klubobmann Matthias Tschirf: „Unfassbar hohe Summen haben Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Bürgermeister Michael Häupl über die Jahre in das Birdland gesteckt, das nun endgültig Konkurs angemeldet hat.“ Hier zeige sich die Wirtschaftskompetenz der SPÖ.
Jazz im Wahlkampf
Ähnlich die Grüne Kultursprecherin Marie Ringler: „Häupl und Mailath-Pokorny sind sehenden Auges in ein kulturpolitisches Debakel gelaufen. Das gesamte Konzept war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“
Gemeinderat Ernst Woller schlug umgehend für die SPÖ zurück: „Von der Stadt hat es eine einzige Investitionsförderung gegeben. Die wurde übrigens unter VP-Kulturstadtrat Peter Marboe beschlossen.“ Kommentar S. 31
■Das Birdland im Hotel Hilton (dritter Bezirk) wurde im Mai 2004 von der Jazz-Legende Joe Zawinul eröffnet. In dem 500 m2 großen Club, der Platz für bis zu 200 Besucher bietet, traten internationale Jazz-Größen auf. Das Programm erstreckte sich dabei von Jazz bis hin zur Weltmusik. Wegen 500.000 Euro Schulden wurde nun das Konkursverfahren eröffnet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2008)
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