Die Leser des „South Florida Sun-Sentinel“ nehmen es ihm übel, wenn er in seinen Zeichnungen zu hart rangehe, sagt der renommierte Karikaturist Chan Lowe und grinst breit. „Aber wir müssen kritisieren, das ist unsere Aufgabe.“ Er zeigt den US-Präsidenten als Trottel mit viel zu großer Krone. Dann macht er gleich ein Geständnis. „Sie werden sich fragen, wie können wir George W. Bush nicht nur ein Mal, sondern sogar zwei Mal gewählt haben?“ Sein Grinsen wird noch breiter. „Ich muss Ihnen außerdem gestehen, dass ich in Palm Beach County wohne.“ (Dort vermutete man im Jahr 2000 Wahlbetrug, die Richter entschieden zugunsten Bushs.)
Bill Clinton möge er auch nicht, sagt der Künstler am Donnerstag im Wiener Amerika Haus beim Vortrag „Drawing Comparisons“, der den Untertitel „Guns, God, Gays, Gas, and Old Glory“ trägt. Am intensivsten werde über Waffen, Religion, Homosexualität, Benzin und das Verbrennen der Flagge gestritten. Furcht werde geschürt, vor allem von radikalen Christen und der Waffenlobby.
Lowe erwartet deshalb ein knappes Ergebnis im November. Der Republikaner McCain könne durchaus noch abheben. Dass der Demokrat Obama in Europa gefeiert werde, bedeute wenig: „Vielen Amerikanern ist es wahrscheinlich verdächtig, dass er bei Ausländern so beliebt ist.“ Lowe erzählt eine Anekdote. Als einmal debattiert wurde, dass Immigrantenkinder in der Muttersprache unterrichtet werden könnten, entrüstete sich ein Konservativer, indem er die King-James-Bibel hob und sagte: „Wenn Englisch unserem Herrn Jesus Christus genügte, wird das auch ihnen genügen.“ norb
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2008)

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