Zurückhaltend waren die Reaktionen auf den Tod Jörg Haiders in der Kulturszene, aus der seine schärfsten Kritiker kamen. „Auch die Politik ist ein Schachspiel, bei dem ständig Figuren herausgenommen und neue Berechnungen angestellt werden“, so Marlene Streeruwitz. „Fürs Erste steht jetzt nicht der Politiker, sondern die Person Haider im Mittelpunkt, und das Mitgefühl für die Familie. Alles andere wäre vermessen und unpassend.“ Philosoph Konrad Paul Liessmann sagte der „Presse“: „Jörg Haider wird allen abgehen, vor allem seinen Gegnern. Er hat immerhin zwei Generationen von Intellektuellen ihre Daseinsberechtigung verliehen.“
„Man muss sich davor hüten, dass dieser Tod mit Bedeutung aufgeladen wird. Ein Unfall hat nichts mit Politik zu tun,“ sagte der Essayist Franz Schuh. „Schon jetzt ist die große Differenz zwischen der inländischen und der coolen ausländischen Berichterstattung erschütternd. In der inländischen wirkt es, als wäre es ein Todesfall in der Familie, und es wird eine Nähe aller Österreicher suggeriert, wobei es doch nur eine Nähe einiger Österreicher ist.“
Hermann Nitsch sagte der „Presse“: „Ich bin betroffen bei jedem Menschen, der stirbt.“ Und die Bedeutung von Haiders Tod? „Ich glaube, Österreich ist an sich sehr rechts organisiert. Da gibt es sehr viele Haider.“
„Hansi-Hinterseer-Fanclub ohne Hinterseer“
„Er hat gelebt wie ein Popstar, nun ist er gestorben wie ein Popstar“, sagte Kabarettist Florian Scheuba der APA. Er imitiert Haider in seinen Programmen mit täuschend echter Stimme. Probleme sieht er für Haiders Partei: „Ein BZÖ ohne Haider ist wie ein Hansi-Hinterseer-Fanclub ohne Hansi Hinterseer.“
Josef E. Köpplinger, Chef des Stadttheaters Klagenfurt, teilte mit: „Obwohl ich parteilich unabhängig bin und Haiders politische Ansichten prinzipiell nicht teilte, hat er das Theater gestützt, geschätzt und kein einziges Mal, weder inhaltlich noch politisch, in das künstlerische oder geschäftliche Geschehen eingegriffen. Die Kunst und die Künstler haben ihre Freiheit und Wertschätzung am Theater behalten. Was bleiben soll, ist die Erinnerung an den Menschen Jörg Haider. So muss unsere Anteilnahme vorrangig seiner Familie und seinen engen Freunden gelten.“
Muhammed Turhan zeigte sich als Chef der Islamischen Föderation Wien bestürzt und bekundete in deren Namen herzliche Anteilnahme: „Die Republik verliert eine außergewöhnliche Persönlichkeit und einen leidenschaftlichen Politiker, der die gesamte Politik jahrzehntelang prägte.“ sim/norb/sp
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)

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