21.11.2009 15:52 | Meine Presse Merkliste0

"Pension F.": Anatomie einer Monster-Show

22.01.2009 | 19:08 |  PATRICIA KÄFER (Die Presse)

Hubsi Kramar erregt den Boulevard mit seiner Mediensatire "Pension Fritzl". Die FPÖ beschwerte sich, allein der Titel sei ¿verabscheuenswürdig genug, sodass es sofort gestoppt gehört¿.

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So vü Zuschauer wird er bei der Premiere ned hom“, zischt ein Journalistenkollege. Mit „er“ ist Hubsi Kramar gemeint, und der lud Donnerstag zu einer Pressekonferenz, weil sein Stück „Pension Fritzl“ schon vor der Premiere für „teils entglittene Berichterstattung“ gesorgt hatte. Sechs TV-Kameras, zahlreiche Fotoapparate, Handys sind auf ihn gerichtet, als er ansetzt: „Sie, die Medien, schreiben dieses Stück. Ich führe nur Protokoll.“ Ein Text existiert noch nicht. Die (Selbst-)Inszenierung, auch die der Medien, im Seziersaal des 3raum-Anatomietheaters gibt ihm recht – dann wieder nicht. „Jeder spielt seine Rolle. Auch ich“, gibt er zu.

Eine Mediensatire soll „Pension Fritzl“ werden, „echtes Volkstheater“: „Wir sind die Fritzls.“ Die Idee hatte laut Kramar Hermann Fritzl: „Seien Sie versichert, es gibt ihn wirklich!“ Österreich sei ein „Fritzlland“, Josef F. nur sein Produkt. Kramar spricht von „dem Fritzl in mir“ wie „dem Adolf in mir“. Beim Opernball 2000 hatte er für einen Eklat gesorgt, als er als Hitler vorfuhr, auch das eine satirische Aktion. Von vielen dafür geprügelt, ist er ein Aufdecker, der gegen die österreichische Verdrängung arbeitet (und das – empörend! – am Opernball) und sie uns aufdrängt. Das ist unangenehm. Muss aber sein.

So macht er es auch mit dem Inzest, „verdrängtestes Thema einer patriarchalischen Gesellschaft“. Psychotherapeutin Yasmin Randall schloss sich seinen Vorwürfen an. Kramar: Für Medien sei Inzest nur interessant, wenn sie ihn als „Wichsvorlage“ kommerzialisieren können – „unter dem Vorwand, sich um die Opfer zu kümmern“. Erst habe er das Stück „Der Herr Fritzl“ (in Anlehnung an Qualtingers „Herrn Karl“) nennen wollen: Es gehe ja um das gesellschaftliche Phänomen – „und sicher nicht um eine Familie aus Amstetten“. Die Aufführungen werden unter Polizeischutz stattfinden.

„Das Fritzl-Monster Österreichs, das ist diese Dichand-Abteilung“, findet er: Medienmacher mit Einfluss wie Hans Dichand („Krone“) oder Italiens Silvio Berlusconi hätten freie Hand, ihren Profit- oder ideologische Interessen zu folgen. „Und keiner fährt ihnen über den Mund. Die Politik fürchtet sich genauso vor dem Fritzl-Monster!“

Das poltert schon: Die FPÖ beschwerte sich in einer Aussendung, allein der Titel „Pension Fritzl“ sei „verabscheuenswürdig genug, sodass es sofort gestoppt gehört“. Das U-Bahn-Gratisblatt „Heute“ schreibt seit Tagen gegen die „Inzest-Komödie“ an. Michael Jeannée ließ Kramar in der Sonntags-„Krone“ wissen: „Sie sind ekelhaft.“ Und „Österreich“ vermutet Wolfgang Priklopil als „Überraschungsgast“ in der „Grusel-Show“. Die britische Qualitätszeitung „The Guardian“ heißt Kramar übrigens einen „Harvard-educated artist“. Der Kommentar der „Süddeutschen Zeitung“: „Man verstand Wiener Künstler im Ausland schon immer besser als vor Ort.“

Der anfangs zitierte Kollege arbeitet übrigens bei „Heute“, stellte sich später heraus.

Premiere, 23.2., 3raum-Anatomietheater Wien, ausverkauft, und 25., 26., 27., 28.2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2009)

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7 Kommentare
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Mit Verlaub,

Jelinek und Berhard als "Deppen" zu bezeichnen ist doch sehr vermessen...

Geli
23.01.2009 13:47
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Nichts Neues!

Es handelt sich mal wieder um eine typische Verunglimpfung Österreichs! Gehört in eine Reihe mit Bernhard, Jelinek. Broder usw. Bleiben wir gelassen. Die "Deppen" sterben ohnehin nicht aus. Und die Pseudo-Künstler erst recht nicht.

Gast: Ospite
23.01.2009 08:57
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Typisch Österreich

Das ist wirklich unnötig! Aber sowas wird bei uns als "Kunst" bezeichnet! Reicht die grausame Wirklichkeit nicht? Muß man den grausigen Tatbestand auch noch auf einer Bühne breittreten? Dafür soll unser Geld (Subventionen) ausgegeben werden? Ich verstehe die Welt (seit langem) nicht mehr!

einMensch
28.01.2009 17:25
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Re: Typisch Österreich

ach wissen sie, in österreich bezeichnet man das eh nicht als kunst.
im unterschied zum rest der welt, aber das war ja hier sowieso schon immer wurscht. es lebe die "mia-san-mia"-mentalität, es lebe der österreichische provinzialismus, lang leben die intellektuellen keller.

sie wisse, was auf der bühne passieren wird? spannend! erzählen sie mal!

Polo
23.01.2009 08:43
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bin schon sehr gespannt

freu mich auf die premiere. lol

Antworten Gast: Ospite
23.01.2009 08:58
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Re: bin schon sehr gespannt

Traurig, wenn Sie sich auf so eine Premiere "freuen"...

Antworten Antworten Gast: :(
25.01.2009 01:40
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Re: Re: bin schon sehr gespannt

...offenbar haben Sie den Artikel nicht aufmerksam gelesen, denn der gibt Herrn Kramar ja eigentlich Recht mit dem was er macht ;)

womit mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden ist, dass Boulevardblätter mit solchen Äußerungen sehr wohl auf offene Ohren und ein großes Publikum stoßen. Damit kann man zumindest ihren Standpunkt verstehen, gerechtfertigt ist es daher trotzdem nicht.

Aber zum Glück gibt es ja noch objektive Berichterstattung!


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