Kabarett: Vitus Wieser macht seine Sache gut

„Gangster“ ist ein spannendes erstes Kabarettprogramm: Der aus Graz stammende Vitus Wieser bringt New Yorker Stand-Up-Style nach Österreich.

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(c) www.vituswieser.com

Kabarettdebüts sind so eine Sache ... Schauspieler, die meinen, jetzt Kabarett machen zu müssen, weil sie eh immer schon lustig waren, sind auch so eine Sache ... Vitus Wieser ist Schauspieler, der nun Kabarettist ist. Doch er macht seine Sache gut. Sein Programm „Gangster“ ist aber kein typisches Kabarettdebüt. Immerhin ist Wieser 39 Jahre alt und hat wohl keine Ambition, ein Nachwuchsstar zu werden.

Außerdem hat der Grazer drei Jahre lang mit seiner Frau in New York gelebt, um unter anderem bei Philip Seymour Hoffman zu studieren. Dass ihn in New York plötzlich Stand-Up-Clubs begeisterten, gab den Ausschlag für den Wandel vom Schauspieler zum Kabarettisten.

Doch im Big Apple musste Wieser sein Publikum nur für zwei Minuten zum Lachen bringen. Zurück in Wien legt er nun bei der Premiere im Theater am Alsergrund eine zweistündige Show hin, die keine zwei Minuten langweilig ist. Los geht „Gangster“ mit einer pompösen Szene, die an das Showdown brutaler Al-Pacino-Filme erinnert. Erschossen wird zum Glück niemand, denn die Waffen des Wieser sind Krücken und – Bananen.

Er entwaffnet sich sogleich selbst, so wie es einst John Cleese in dem legendären Monty-Python-Sketch tat: „Wenn dich ein Mann mit einer Banane angreift, iss sie auf.“ Das restliche Stück ist so gar nicht pythonesk, sondern eine gut durchdachte Geschichte – über das Leben. Und über die kleinen Hürden im Alltag, die einem den Blick auf das große Ganze versperren.

Im wahren Leben war eine Knie-OP der Auslöser für  Wieser, dieses Programm zu schreiben, während er rehabilitierend untätig zuhause hockte. Im Programm ist die Knie-OP im AKH der Auslöser für eine drastische Änderung der Lebenseinstellung. Als die Bühnenfigur nämlich im OP-Saal „dem Tod von der Schaufel gehupft ist“, erkennt dieser Mann, dass man stets im Jetzt und nicht nach den Vorstellungen anderer leben soll. Das Motto „Be who you are“ zieht sich durch das Stück, bei dem Wieser zwischen dem Gespräch mit dem Publikum und den Gesprächen mit und zwischen seinen Figuren wechselt.

Dieses abendfüllende Stand-up bringt Einblicke in die Diskussionen einer langjährigen Ehe und in das Seelenleben der Österreicher – vom Junkie am Praterstern bis zum Kärntner Eishockey-Connaisseur. Auch bei seiner Darstellung von einem Goldfisch mit Alzheimer kann man in Zeiten von dem Film „Findet Dorie“ gut lachen.

Unter Regie seiner Frau Dorit Oitzinger hat Wieser ein grundsolides Programm geschaffen, bei dem man gern den vielen Erzählsträngen folgt: Er webt Tiefgang ein, stellt sich etwa Jesus als desillusionierten 60-jährigen Casting-Juror vor. Doch er wird nie tief. Naja, einmal nennt er Gott eine „Oaschwarzn“ – aus dem Mund eines Kronenzeitungslesers. Aber auch bei Josef Hader war Gott schon „eine alte Giersau“. Und den, also Hader, erkennt man bei Wieser klar als eines seiner Vorbilder.

Nächste Termine:

18.10.2016 Gangster - Graz Premiere, Casineum, Casino Graz
22.10.2016 Theater am Alsergrund, Wien
10.11.2016 Schikaneder-Kino, LOL-Kabarettfestival
15.11.2016 Theater am Alsergrund, Wien

>> http://www.vituswieser.com

 

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