„Man muss sich endlich der Grundsatzfrage annähern: Was wollen wir?“, sagt Georg Springer, der Chef der Bundestheater-Holding, die Burgtheater, Staats- und Volksoper sowie den Servicebetrieb Art for Art umfasst. Wolle man den Betrieb herunterfahren, brauche es eine Änderung des im Bundestheater-Gesetz definierten Auftrags. Wolle man den Auftrag unverändert lassen, benötige man viel mehr Geld als bisher. Hintergrund: Der Repertoirebetrieb mit mehr oder minder täglich wechselnden Vorstellungen ist mit den derzeitigen Mitteln offenbar nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Man merkt dies teilweise auch künstlerisch: Die Volksoper spielt Marginalien wie „Häuptling Abendwind“ (und bietet dafür sogar ihren Direktor Robert Meyer auf), im Burgtheater gibt es in der ersten Saison eines neuen Chefs, Matthias Hartmann, recht viele Übernahmen von Aufführungen aus Bochum oder Zürich, wo Hartmann zuletzt Direktor war.
„Nötig: Frisches Geld Anfang 2011!“
Die Bundestheater waren eine der wenigen Kulturinstitutionen, deren Budget erhöht wurde. Für die laufende Saison haben sie nach 138,645 Mio. Euro (2008/09) nicht 142,15 Mio. Euro bekommen, sondern 145,645 Mio. Euro Subvention. Vor den Monaten September bis Dezember 2010 werden die zusätzlichen Mittel aufgebraucht sein. Die Erhöhung der Basisabgeltung wird zur Gänze für die laufende Saison ausgegeben. Bund und Aufsichtsräte hätten zugestimmt. „Wir brauchen frisches Geld ab 1.1. 2011“, fordert Springer, was er freilich schon die letzten Jahre erklärt hat.
Sprengstoff bergen die Lohnverhandlungen: Die Gewerkschaft will 3,55 Prozent rückwirkend ab 1.9. Das scheint kühn in Rezessionszeiten. Allerdings finden die Bediensteten, dass die Erhöhungen seit Langem viel zu gering sind. Für Springer ist die „Forderung nicht konsensfähig“. Zuletzt gab es immer wieder Streikdrohungen. In anderen europäischen Ländern wurden sie auch umgesetzt, zum Beispiel in Paris und Zürich. Mit Streik zur Saisoneröffnung am 7.12. drohen erneut die Bediensteten der Mailänder Scala. 2008 forderte Springer 151 Mio. Euro Subvention: „Damit wären wir heute nicht mehr glücklich“, meint er jetzt. Mitte November gibt es die nächste Verhandlungsrunde. Ein Prozent Lohnerhöhung kostet 1,4 Mio. Euro. apa/bp
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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