Karita Mattila und Wagners tiefe Träume

KritikDie finnische Sopranistin sang in der Staatsoper.

KARITA MATTILA
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KARITA MATTILA
KARITA MATTILA – (c) EPA (Seppo Sirkka)

Mit ihrem ersten komplett komplett deutschen Programm tourt die finnische Sopranistin Karita Mattila durch Europa. Darunter sind Alban Bergs „Vier Lieder“, die sie bei behutsam-gemessenen Tempi sehr expressiv vortrug, und die acht „Zigeunerlieder“ von Brahms. Die in diesen jugendfrischen Liedern unabdingbare stimmliche Beweglichkeit und Tonfülle forderte ihren Tribut: Spätestens bei „Röslein dreie in der Reihe“ ließ sich eine leichte Heiserkeit nicht mehr verbergen. Allzu vorsichtig angesetzte Spitzentöne vergaben den einen oder anderen möglichen Höhepunkt. Ville Matvejeff, ihr Begleiter am Klavier, kaschierte dergleichen nach Möglichkeit, phrasierte mit präziser Sorgfalt.

Mehr daheim schien sich Mattila aber doch bei Wagners tiefen Emotionen und strömender Melodik zu fühlen. Schon mit „Der Engel“ erschloss sie in verhaltenem Diminuendo ungeahnte Dimensionen. Die weiche Intensität der Stimme, der es hier weder an artikulatorischer Klarheit noch an Körper fehlte, harmonierte bewegend mit der sanft dissonierenden Klavierbegleitung. Matvejeff verstand es, durch raffiniert gesetzte Pausen diese intime, doch gespannte Stimmung im Nachspiel des letzten Liedes („Träume“) wieder aufzugreifen. Dem geballten Ernst folgten zum Abschied dann aber augenzwinkernd servierte, charmante Luftküsse Mattilas und – zu Friedrich Hollaenders Chanson „Eine kleine Sehnsucht“ – sogar eine kleine Tanzeinlage. (esa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2017)

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