"Santa Maria": Ein lauwarmer Musical-Sommerurlaub

Die Hits von Roland Kaiser in ein Musical zu verwursten, mag für dessen Fans vielleicht eine gute Idee sein. Doch die Genrebezeichnung Musical verdient mehr.

Gregor Glanz, Patricia Nessy und Alfons Haider stehen in "Santa Maria" auf der Bühne.
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Gregor Glanz, Patricia Nessy und Alfons Haider stehen in "Santa Maria" auf der Bühne.
Gregor Glanz, Patricia Nessy und Alfons Haider stehen in "Santa Maria" auf der Bühne. – (c) Santa Maria/Facebook

Jukebox-Musicals sind nicht immer eine gute Idee. Wenn Songs eines Künstlers oder einer Band zu einem Bühnenstück zusammengeschustert werden, kann das durchaus in einer faden Angelegenheit enden. Bei Mamma Mia (Abba) oder "We Will Rock You" (Queen) hat es einigermaßen geklappt, dank eines guten Buchs.

Doch genau daran mangelt es dem neuen Musical "Santa Maria", das derzeit im Wiener Museumsquartier zu sehen ist. Am Freitag feierte man vor zahlreicher Wiener Prominenz Welturaufführung. Die Schlager-Musik von Roland Kaiser ist das Bindeglied einer langweiligen Geschichte von fünf Freunden, die sich nach 20 Jahren zu einem gemeinsam Urlaub auf der Ferieninsel Santa Maria treffen. Die Ehekrise von Charlotte und Thomas steht dabei im Zentrum. Wobei der Betrug des vielbeschäftigten und Steuer-hinterziehenden Ehemanns dann doch recht rasch abgehakt ist. Deren Freund Andreas kommt mit der Berliner Bardame Evelin zusammen. Dass Andreas einen Sohn hat, erfährt man nur dank eines passenden Roland-Kaiser-Songtexts. Es hat aber keine weitere Bedeutung für die Handlung. Ilja findet auf Santa Maria nach zwei Jahren seine Urlaubsliebe Joana (logisch) wieder. Sie knüpfen wieder an damals an - einfach so. Die zwei Hotelangestellten Pepe und Pepita gestehen einander ihre Liebe. Der ausgewanderter Maler Juan singt ein Lied. Von Spannung oder Emotion, die das Publikum irgendwo packt, kann hier keine Rede sein. Das Buch stammt übrigens aus der Feder von Norbert Hammerschmidt, dem langjährigen Liedtexter von Kaiser.

Platte Witze

Bleibt noch der Unterhaltungswert der Show: Es gibt durchaus ein paar charmante Momente, etwa wenn Rezeptionist Pepe (gut: Rafael Haider) über die Bühne wuselt - jeden Tag mit anderem Fremdsprachen-Akzent. Doch meistens bleibt es platt. Besonders, wenn sich Alfons Haider als Junggeselle Ilja durch Witze quälen muss, die schon vor dreißig Jahren alt waren. Regisseur Ferdinando Chefalo hat manchen guten Einfall, bietet optisch eine solide Show, kann aus der Story aber auch nicht mehr rausholen. Allerdings hätte man sich mehr schwungvolle Choreografien - und die gezeigten etwas präziser - erhofft.

Die männlichen Hauptdarsteller Gregor Glanz (Thomas) und Alfons Haider überraschen in ihren Rollen wenig. Axel Herrig zeigt als Würstelstandbesitzer Andreas mit schöner Stimme zumindest glaubhafte Gutherzigkeit. Den Damen Bettina Meske (als stark berlinernde Evelin, die stärkste Stimme des Abends) und Patricia Nessy (Charlotte) gelingt es besser, ihren schablonenhaften Rollen etwas Leben einzuhauchen. Carla Natascha darf als Joana ein schönes Solo singen. Allerdings nicht den Gassenhauer selbst, den darf Alfons Haider singen. Für ihn war das angeblich immer schon ein Wunsch, hat er zumindest Kaiser erzählt: „Ich träume immer davon in einem Stück dieses Lied zu singen - da hat er mich angeschaut und gesagt: Träumen Sie nicht davon.“

Die Hits wie "Joana", "Santa Maria", und "Dich zu lieben" werden mit dem nötigen Schwung dargeboten. Es ist halt Schlager, Geschmackssache, aber es ist gut gemachter Schlager. Ein Teil der Musiker wurde aus der Original Roland-Kaiser-Band rekrutiert. Für das Genre Musical ist "Santa Maria" kein Meilenstein, für Schlagerfans oder all jene, denen die Handlung von Rosamunde Pilcher-Romanen zu kompliziert ist, könnte sich ein Besuch in der Halle E im Museumsquartier aber dennoch auszahlen. Aufführungen gibt es noch bis September, danach soll das Stück in München gezeigt werden.

Das nächste Jukebox-Musical in Wien scharrt übrigens bereits in den Startlöchern. Im September feiert "I am from Austria" mit Liedern von Rainhard Fendrich Premiere bei den Vereinigten Bühnen. Man darf zumindest hoffen.

>> Produktions-Homepage

(klepa)

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