Shakespeare im Park: Frauenzähmung vor dem VW-Bus

Kritik„Der Widerspenstigen Zähmung“ im Flower-Power-Look: mau.

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Shakespeare im Park / Paul Elsbacher

„There's a reason why I'm feeling so high“ – zur Musik der Bellamy Brothers laufen die Darsteller auf die Bühne, also den Rasen vor dem Schloss Pötzleinsdorf, und tanzen vor der Kulisse, die Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ aufpeppen soll: Ein roter Campingbus, ein Zelt, eine Blümchentischdecke, die Darsteller tragen Lederfransen und 70er-Jahre-Hemden. Das war's aber auch schon mit der Flower Power, die hier mehr übergestülptes Gimmick als glaubhaftes Setting bleibt.

Denn konsequent ist die Inszenierung nicht, operiert wird weiterhin in Padua, die Figuren reden von Gütern und Frachtschiffen, dabei trinken sie Dosenbier, und während man das Stück durchaus um ein paar (nicht gerade zur Ausstattung passende) Späße erweitert hat, wird kein ernsthafter Interpretationswille ersichtlich. Das verwundert, gilt das Drama doch als „Problemstück“, das bei großen Aufführungen immer wieder für Debatten sorgt: Ist die Erzählung über eine „widerspenstige“ (oder: selbstbewusste) Frau, die von ihrem Mann – mithilfe von List und Lüge – „gezähmt“ (oder: unterworfen) wird, frauenfeindlich? Oder, im Gegenteil, eine Satire auf männlich-chauvinistisches Verhalten?

Die Pötzleinsdorfer Inszenierung begnügt sich – bis zu einer kleinen ironischen Wende am Ende – damit, die Geschichte zu erzählen, leider eher schleppend. Weil der Lord Baptista seine viel umworbene Tochter Bianca (Dragana Weshmashina) nicht verheiraten will, bevor auch die temperamentvolle Katharina (Claudia Kohlmann) unter der Haube ist, muss ein Mann gefunden werden, der sie zu kontrollieren weiß. Der Kandidat Petruccio (Jürgen Heigl) ist hier ein obszöner, ungestümer Flegel, der zur Hochzeit im Glöckchen-Tanga erscheint – der meistbelachte Komik-Moment im Stück.

Daneben gibt es Witze über männliche Potenz und Belustigung durch derben Klamauk. Die Szenen der „Zähmung“ und die abschließende Rede der „Gezähmten“, in der sie die Aufgaben einer Frau herunterbetet („schweigen, lieben, dienen“), vor dem Hintergrund eines VW-Busses lassen einen hingegen ratlos zurück – oder soll hier etwa angedeutet werden, dass die Jugend der 70er gar nicht so frei und von gesellschaftlichen Zwängen gelöst war, wie man annehmen würde? Höflicher Applaus. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2017)

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