Ariadne und Theseus, ihr Transgenderheld

Porporas „Ariadne auf Naxos“ wird in der Kammeroper lebendig, aber auch erklärungsbedürftig inszeniert.

Gefallen sängerisch wie schaupielerisch: Ray Chenez als Teseo, Anna Gillingham als Arianna.
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Gefallen sängerisch wie schaupielerisch: Ray Chenez als Teseo, Anna Gillingham als Arianna.
Gefallen sängerisch wie schaupielerisch: Ray Chenez als Teseo, Anna Gillingham als Arianna. – (c) Herwig Prammer/ studio@prammer.com

Ein Held in Stöckelschuhen, seine Geliebte, die sich im Military Look räkelt, die andere, die in zerrissenen Jeans die Pistole zückt, eine homoerotische Annäherung. Will Regisseur Sergej Morozov in seiner Inszenierung von Nicola Antonio Porporas „Ariadne auf Naxos“ provozieren? Nicht zwingend, selbst Beischlafszenen wirken nie obszön. Der antike Stoff ist ins Heute versetzt: die Götter? Das Internet, das das Spiel mit Identitäten ermöglicht.

Porpora wird in letzter Zeit wiederentdeckt. 49 Opern komponierte er, war ein viel gespielter Konkurrent Händels. „Ariadne auf Naxos“ schrieb er 1733 für Farinelli, den berühmtesten aller Kastratensänger, dessen Gesangslehrer er auch war. In der Kammeroper nimmt US-Countertenor Ray Chenez eine Transgender-Identität an. Er mimt Teseo, also Theseus, Anna Gillingham als Ariadne/Arianna und Carolina Lippo als Antiope dürfen um ihn kämpfen. Anna Marshania hat als souveräner Onaro die göttlichen Fäden in der Hand, Matteo Loi komplettiert das fünfköpfige Ensemble.

 

Lohnende Wiederentdeckung

Porpora fordert diesem sängerisch viel ab, ausführliche Arien werden oft von Accompagnato-Rezitativen abgelöst, was die Oper im Vergleich zu jenen von Zeitgenossen „durchkomponierter“ wirken lässt und ein Grund ist, warum eine Wiederentdeckung lohnt. Das Bach Consort unter Markellos Chryssicos brilliert wie die Sänger der dritten Generation des Jungen Ensembles des Theaters an der Wien. Ray Chenez mit voluminöser, prachtvoller Höhe und Anna Gillingham gefallen sängerisch wie darstellerisch. Doch auch Carolina Lippo, Anna Marshania und Matteo Loi stehen ihnen in nichts nach, das hoch anspruchsvolle Werk wird zum Sängerfest der Jugend auf hohem Niveau.

Morozovs Lesart macht barockes Musiktheater lebendig und heutig, offenbart sich aber nicht immer auf den ersten Blick. Die Veränderung von Teseo, Arianna, Antiope und Piritoo erscheint als Metapher dafür, wie wandlungsfähig wir im digitalen Zeitalter geworden sind. Doch warum Piritoo ein Häschen wird und Teseo mit Kochschürze in einem Topf herumrührt, bleibt erklärungsbedürftig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2017)

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