Ödes Oratorium über Mensch und Maschine

Das Schauspielhaus scheitert an einem großen Thema.

Eine Blackbox mit Wasser, Eimer mit Lehm, drei Schauspieler rezitieren aus der Schöpfungsgeschichte und erzählen vom Golem. Eine junge Frau besucht eine Roboterfabrik. Die Roboter werden als nationalistische Kriegsmaschinen missbraucht. Schlussendlich überwinden sie den Menschen . . .

Gernot Grünewald hat „Golem oder Der überflüssige Mensch“, eine Uraufführung im Wiener Schauspielhaus, geschrieben, basierend auf Texten von Futuristen wie Karel Čapek, Ray Kurzweil, Stanisław Lem. Leider ist das Programmheft spannender als die Aufführung. Das Genre Katastrophen und Science Fiction besetzt überbordend die Kinobranche.

 

Ein schwacher Film

Einer der großartigsten Filme ist „Her“ (2013) von Spike Jonze: Ein junger Mann baut in naher Zukunft in einer durchtechnisierten Welt eine innige Beziehung zu einem Computer auf. „Golem“ hingegen greift auf Modelle des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zurück, die längst bekannt und tausendmal verarbeitet sind. Grünewald hat auch inszeniert, ein ödes Oratorium, zum Einschlafen. Am gelungensten ist der esoterische Schluss.

Die Ästhetik der Produktion hat durchaus etwas, aber es ist die Frage, ob die Leute auf der Bühne sehen wollen, was sie ständig in den Medien serviert bekommen – speziell in Dokumentationen, die spielerisch und bildnerisch immer anspruchsvoller gestaltet sind. (p.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2017)

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