Dionysos kommt über Salzburg: das Festspielprogramm 2018

Markus Hinterhäuser stellt die Salzburger Festspiele unters Thema Passion – und bringt ungewöhnliche Regisseure: Castellucci inszeniert "Salome", Lydia Steier die "Zauberflöte", Hans Neuenfels kommt mit "Pique Dame" nach Salzburg zurück.

SPRESSEKONFERENZ PROGRAMM 2018: HINTERH�USER/RABL-STADLER/CREPAZ
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SPRESSEKONFERENZ PROGRAMM 2018: HINTERH�USER/RABL-STADLER/CREPAZ
Markus Hinterhäuser, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz bei der Präsentation des Salzburger Festspiel-Programms 2018. – Barbara Gindl

Strategien der Macht, unter dieses Generalthema hatte Intendant Markus Hinterhäuser die Salzburger Festspiele 2017 gestellt. 2018 soll es um andere, nicht politische Mächte gehen: um Passion, Ekstase, Leidenschaft. Wie in Hans Werner Henzes "Bassariden" (nach den "Bakchen" des Euripides): In dieser 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Oper übernimmt Dionysos die Macht, der Rausch triumphiert über die Vernunft. Es inszeniert der von mythischen Stoffen begeisterte polnische Regisseur Krzysztof Warlikowsky, es dirigiert Kent Nagano. (Ab 16.8.)

Die erste Oper im Programm 2018 wird aber Mozarts "Zauberflöte" sein (ab 27.7.). Wie passt sie zum Thema? "In ihr bündeln sich wie unter dem Mikroskop widerstrebende Kräfte, Gut und Böse, Tag und Nacht", sagt Hinterhäuser. Inszenieren wird Lydia Steier, sie hat eine zusätzliche Rolle eingeführt: Bruno Ganz als Erzähler aus der Perspektive der drei Knaben. Als Dirigent arbeitet der Grieche Constantinos Carydis mit den Philharmonikern: Mit ihm werde es spannend, wiewohl "keine leichte Geschichte", scherzte Hinterhäuser: "Vielleicht wird das meine persönliche Zauberflöten-Prüfung."

Ganz brutal mit der Erotik der Macht hat "Salome" zu tun, für Hinterhäuser "das schockierendste Stück der Opernliteratur". Romeo Castellucci, der in Wien etwa einen radikal fesselnden "Orpheus" inszeniert hat, will die blutige Strauss-Oper "ohne einen Tropfen Blut" inszenieren, sich auf die Macht des Blicks konzentrieren. Franz Welser-Möst dirigiert die Philharmoniker (ab 28.7.).

Die geplante Wiederaufnahme der "Aida" scheiterte daran, dass Riccardo Muti aus privaten Gründen abgesagt hat; dafür kommt Tschaikowskys "Pique Dame", dirigiert von Mariss Jansons. Als Regisseur kommt, 17 Jahre nach sener höchst umstrittenen “Fledermaus”, Hans Neuenfels zurück nach Salzburg, er soll das Trieb-, das Rauschhafte des Stücks beschwören. (Ab 5.8.)

Gnadenlos unmoralisch ist auch Monteverdis "Incoronazione di Poppea", die letztes Jahr konzertant in Salzburg lief und heuer von Jan Lauwers in Szene gesetzt wird. Bekannt von der Tanzgruppe "Needcompany", hat er noch nie für eine Oper Regie geführt, auf das Angebot habe er erklärt, die "Poppea" sei die einzige Oper, die für ihn in Frage komme, erzählte Hinterhäuser, der stolz darauf ist, dass er so viele neue, auch unkonventionelle Regisseure nach Salzburg bringt. William Christie dirigiert das Ensemble Les Art Florissants. (Ab 12.8.)

Von den Pfingstfestspielen übernommen wird Rossinis “Italiana in Algeri” (ab 8.8.), konzertant aufgeführt werden Gottfried von Einems “Der Prozess” nach Kafka (unter HK Gruber, am 14.8.) und, auf Wunsch von Placido Domingo, Bizets "Perlenfischer", bei denen dieser den Zurga singt.

Das Theaterprogramm nähert sich dem Generalthema mit Kleists "Penthesilea", inszeniert von Johan Simons mit nur zwei Schauspielern (Sandra Hüller als Amazone, Jens Harzer als Achilles). Frank Castorf kommt mit einer Dramatisierung von Knut Hamsuns Roman "Hunger"; auch Dusan David Parizek macht aus einem Roman – David Grossmans "Kommt ein Pferd in die Bar" - ein Theaterstück mit nur zwei Personen (darunter Mavie Hörbiger); das sei nicht als Sparmaßnahme zu verstehen, erklärte Schauspielleiterin Bettina Hering. Im Landestheater kommen Aischylos' "Perser". Beim "Jedermann" bleiben Regie und Besetzung, doch Wolfgang Mitterer, Tiroler Komponist mit Liebe zur brachialen Elektronik, übernimmt die musikalische Leitung.

Das Konzertprogramm mit insgesamt 89 Konzerten beginnt mit der Ouverture Spirituelle – er stehe nicht an, diese Einführung seines Vorgängers Pereira zu loben, sagte Hinterhäuser -, für die das Thema Passion bestens passt, sie beginnt mit Pendereckis viel zu selten aufgeführter Lukaspassion unter Kent Nagano. Zentral im Programm ist Galina Ustwolskaja, Hinterhäuser, der sich für ihr gewaltiges Werk seit langem einsetzt, gibt selbst einen Abend mit ihren Klaviersonaten. Ein zweiter Schwerpunkt gilt Beat Furrer, dessen Musiktheater “Begehren” in der Kollegienkirche aufgeführt wird. Die Philharmoniker werden von Muti, Welser-Möst, Herbert Blomstedt, Andris Nelsons und Esa-Pekka Salonen dirigiert, es gastieren u.a. das London Symphony Orchestra und die Berliner Philharmoniker. Gewiss wieder für äthetische Debatten sorgen wird Teodor Currentzis: Er dirigiert alle neun Symphonien Beethovens.

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