Winkler im Burgtheater: Wer hat vergessen, den Fernseher abzudrehen?

KritikJosef Winkler variierte in seinem Auftragswerk für das Burgtheater sein Thema Nummer eins. „Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe“ ist trotzdem ein dichter Text, überzeugend gespielt, doch zerdudelt von Musik.

Lass dich heimgeigen, Vater ODER Den Tod ins Herz mir schreibe | Josef Winkler | Uraufführung | Kasino
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Lass dich heimgeigen, Vater ODER Den Tod ins Herz mir schreibe | Josef Winkler | Uraufführung | Kasino
Lass dich heimgeigen, Vater ODER Den Tod ins Herz mir schreibe | Josef Winkler | Uraufführung | Kasino – (c) Burgtheater/ Reinhard Werner

Oft irritieren überbordende Regieeinfälle. Alia Luque hatte für ihre Josef-Winkler-Uraufführung im Kasino nur eine markante Idee. Ein Fünfziger-Jahre-Fernseher spielt zwei Stunden lang Schlagershows, mal leise, mal laut: zum Davonlaufen. Abrechnungen mit dem Vater gibt es oft in der Literatur. Winkler folgt Kafka. Und er übermalt Peter Handkes „Immer noch Sturm“: Kohlschwarz. Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr, der Scherz bietet sich an, ist aber unangebracht bei diesem ernsten Thema: Schuld sind immer die Eltern, auch wenn es schwerfällt, ihnen die ganze Bürde aufzuladen angesichts eines Regimes, das viele Subjekte zu Objekten degradierte. Wer sich querstellte, bezahlte mit dem Leben. Die da heute so eloquent rechten, wären sie mutig gewesen? Würden sie es heutzutage sein – anders als diese einfachen Leute aus dem Dorf?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2017)

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