Richard Schmitz war im KZ kein „Privilegierter“

Der christlich-soziale Bürgermeister Wiens im „Ständestaat“ kam gleich nach dem „Anschluss“ 1938 ins Konzentrationslager.

Zur Zeitgeschichte-Serie „Die Welt bis gestern“ vom 11. Dezember 2010 („City-Chef im Ständestaat“).

Als Gegner des Nationalsozialismus seit Anfang der Dreißigerjahre wollte Richard Schmitz – ebenso wie der Stabschef des sozialdemokratischen „Schutzbundes“, Alexander Eifler, und andere Sozialdemokraten – im März 1938 einen bewaffneten Widerstand der Arbeiter gegen die Okkupation Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland.

Als „Volksfrontpolitiker“ wurde Richard Schmitz nach den Erinnerungen anderer Mithäftlinge bereits beim Transport nach Dachau wie auch ab dem 3. April 1938 im KZ Dachau schwerstens misshandelt. Er befand sich vom Dezember 1938 bis Ende April 1939 im Konzentrationslager Dachau in Isolierhaft, arbeitete zwischen September 1939 und Ende Februar 1940 im Steinbruch im KZ Flossenbürg und ab 1940 bis April 1945 im Arbeitskommando Heilkräutergarten des KZ Dachau.


Selbstmord lehnte er ab

Dennoch lehnte Richard Schmitz den ihm zu Weihnachten 1938 von einem SS-Mann angeratenen Selbstmord ebenso ab wie im Februar 1939 eine vom ihm geforderte Loyalitätserklärung gegenüber dem Nationalsozialismus. Er zählte zu den wenigen Österreichern, die durchgehend vom 12. März 1938 bis 30. April 1945 inhaftiert waren. Durch die lange und schwere Haft erklärt sich auch sein früher Tod.

Die Behauptung von Hans Werner Scheidl, Richard Schmitz habe als „Ehrenhäftling der SS“ anders als Fritz Bock, Leopold Figl, die Brüder Hohenberg oder Franz Olah eine „privilegierte Sonderstellung im KZ Dachau“ gehabt, ist falsch.

Dr. Georg Schmitz

2100 Korneuburg

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)

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