Salzburger Festspiele: Protest und "Gegenrede"

27.07.2011 | 13:33 |   (DiePresse.com)

Aktivisten der "Plattform Zivilgesellschaft" und der Salzburger Grünen verteilten jene Rede, die Globalisierungskritiker Jean Ziegler hätte halten sollen.

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Noch vor der Eröffnung der 91. Salzburger Festspiele hatten Aktivisten der "Plattform Zivilgesellschaft" und der Salzburger Grünen ihren Auftritt. Sie verteilten am Mittwoch Vormittag an Festspiel- und Zaungäste vor den Festspielhäusern in der Hofstallgasse eine 16-seitige Broschüre mit dem Titel "Aufstand des Gewissens". Der Inhalt: Die nicht gehaltene Rede von Jean Ziegler. Der Schweizer Globalisierungskritiker hätte ursprünglich die diesjährige Festrede in der Felsenreitschule halten sollten, wurde aber wieder ausgeladen. Stattdessen hielt der deutsche Bürgerrechtler Joachim Gauck die Festrede.

Die Salzburger Landeshauptfrau hatte befürchtet, dass Zieglers angebliche Nähe zu Libyens Diktator Gaddafi mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen könnte als die Rede selbst.

"Ziegler hätte in seiner Rede den Welthunger thematisiert. Er wollte in Salzburg gerade diese Leute treffen, die verantwortlich für das Elend dieser Welt sind", sagte eine Aktivistin. Die Aktivisten wollen am Mittwoch insgesamt 3. 3.000 Exemplare der "Gegenrede" verteilen. Nach dem Festakt in der Felsenreitschule wurde dann auch die offizielle Festrede von Joachim Gauck in gedruckter Form von Mitarbeitern der Festspiele verteilt.

Grüne: Rede wäre wichtiger Appell gewesen

Für den Grünen Landesabgeordneten Cyriak Schwaighofer wäre Zieglers Rede "ein wichtiger Appell, der möglichst viele Menschen erreichen sollte". Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, schrieb Ziegler. Dass das World-Food-Programm im Jahr 2008 noch sechs Milliarden Dollar für Soforthilfe zur Verfügung hatte und im Jahr 2011 nur noch 2,8 Milliarden, liegt für Ziegler unter anderem darin begründet: "Weil die reichen Geberländer - insbesondere die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien - viele Tausend Milliarden Euro und Dollars ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten: zur Wiederbelebung des Interbanken-Kredits zur Rettung der Spekulations-Banditen. Für die humanitäre Soforthilfe (und die reguläre Entwicklungshilfe) blieb und bleibt praktisch kein Geld."

Auch der eine oder andere Festspielbesucher hätte wohl auch mit dieser Passage Zieglers keine Freude gehabt, ergänzten die Grünen: "Viele der Schönen und der Reichen, der Großbankiers und der Konzern-Mogule dieser Welt kommen in Salzburg zusammen. Sie sind die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung."

Jean Ziegler wurde nach seiner Ausladung von einer Plattform aus Kulturinitiativen und Friedensbewegungen zu einer alternativen Gegenveranstaltung nach Salzburg eingeladen. Diese hätte am Tag der Festspieleröffnung stattfinden sollen. Ziegler sagte ab. Als Grund gab er mögliche Terminschwierigkeiten an.

Seine Rede veröffentlichte er auch auf YouTube:

Jean Zieglers Rede – Teil eins

Jean Zieglers Rede – Teil zwei

(APA)

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1 Kommentare

Ziegler Auswirkungen at.

- Vorerst danke für den Videohinweis, Burgstaller verlieh ihm 2008 den Zukunfspreis des Landes Salzburg. Nun bestreitet sie das von ihr auch medial gesprochene Wort "Einladung" und sie war, mit Googles Hilfe, zu sehr um die Sicherheit Zieglers besorgt. Wer glaubt hier noch wem?
- Eines muss man aber auch wissen! Nestle, Audi, Siemens, Uniqa und Credit Suisse Bank sind die Hauptsponsoren der Salzburger Festspiele. Und Frau Burgstaller will alle Bücher von Ziegler gelesen haben? Dann aber von seinen Kontakten zum Wüstensohn nichts gewusst haben. Da wird doch jemand eigen rückwirkend für elitär geistesgroß abgestempelt!
- Dazu passt auch, dass die Partei Gaddhafis bis vor kurzem zur sozialistischen Internationalen gehörte, zu der sich auch unsere SP mit dem Präsidenten gesellt.
- In Bregenz Hymnen Diskussion Verbot, in Salzburg die Forderung nach zwei Herzen pro Einwohner in Österreich von unsern Herrn Fischer.
- An Veranstaltungen wie den Salzburger Festspielen nehmen primär Leute teil, denen Jean Ziegler regelmäßig und mutig an den Karren fährt. Herrn Brabecks (Nestle) Nähe zu den Organisatoren dürfte maßgeblich zur Ausladung (welche Peinlichkeit, nicht nur für JZ!) geführt haben. Aber die Österreicher scheuen nichts mehr als Disharmonie und sind deshalb Meister im sich den Mächtigen "anzuschließen." Gruß aus der Schweiz.
- Den Beweis liefert Beatrix Karl Gerangel (Wortschöpfung von ihr im ORF) um den Kriegsverbrecher Golowatow. Wenn einige Beamte nicht so gründlich gewesen wären hätte Österreichs Regierung kein Problem gehabt.

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