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Ein entpolitisierter ORF? "Das wäre Chimäre"

05.08.2011 | 18:12 |  Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Der Wiener Anwalt Alfred J. Noll erklärt, warum die 2006 gegründete Plattform SOS ORF zurzeit ruht, dass die Entpolitisierung der ORF-Information gelungen ist, und wieso der Stiftungsrat dringend reformiert gehört.

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Die Presse: Lebt SOS ORF noch?

Alfred J. Noll: Nein, definitiv nicht.

Woran liegt das?

Sie wurde nicht aufgelöst – sie ist gewissermaßen auf Stand-by. Es gibt momentan keine Akteure, die in der Öffentlichkeit Stellungnahmen abgeben.

 

Gibt es denn nichts mehr zu tun?

Ich glaube schon, dass es viel zu tun gäbe. Aber Initiativen wie diese sind immer auch eine Frage der Zeitumstände. 2006 war SOS ORF von einer Vielzahl von Leuten getragen, die unterschiedliche Lebens- und Interessenschwerpunkte haben. Der Auslöser für die Tätigkeit war, dass Minister Wilhelm Molterer angekündigt hatte, Monika Lindner werde jedenfalls Generaldirektorin des ORF. Das hat viele Leute so erregt, dass sie sich zu einem Engagement veranlasst gesehen haben. So einen Stein des Anstoßes gibt es jetzt halt nicht.

 

Die heutige Situation ist aber doch ganz ähnlich wie damals: Es gab von Anfang an einen Kandidaten, den die SPÖ favorisiert hat.

Der große Unterschied besteht darin, dass Molterer damals offiziell verlautbart hat, Frau Lindner werde die neue Chefin. Während die SPÖ hier und heute nur keinen Zweifel daran gelassen hat, dass Alexander Wrabetz ihr Kandidat ist, ohne zu verlautbaren, er werde es jedenfalls werden. Das macht einen wesentlichen Unterschied. Wrabetz hat seine Bewerbung eingebracht, und wir alle wissen, dass es für ihn gut aussieht, aufgrund des Fehlens von Gegenkandidaten. Es schien kurzzeitig, Gerhard Zeiler werde sich melden, nur hat er dann halt Nein gesagt. Sonst wäre das Match ganz anders ausgegangen.

 

Zeiler hat sich nicht gemeldet, weil er eindeutige Signale bekommen hat, dass er keine Chance haben würde.

Ja, weil die jetzige Situation den realen politischen Verhältnissen in Österreich geschuldet ist. Das kommt von der Großwetterlage in einem Land, in dem es eine Große Koalition gibt. Ich habe großes Verständnis für qualifizierte Bewerber, die sagen, unter diesen Voraussetzungen tue ich mir das nicht an.

 

Eine Situation wie die jetzige kann sich SOS ORF nicht gewünscht haben.

Nein. Natürlich wäre es besser, wenn es eine Vielzahl von fähigen Kandidaten gäbe und der Bestellvorgang ein offener Entscheidungsprozess wäre, der nicht von vornherein auslotbar ist. Es ist immer schlecht, wenn nur ein Kandidat mit realistischen Chancen zur Wahl steht.

 

SOS ORF könnte doch genau darauf hinwirken, dass der politische Zugriff auf den ORF weniger wird.

Da sehe ich gegenwärtig keine realistische Chance, etwas zu ändern. Das wäre eine ehrbare, aber letztlich wirkungslose Tätigkeit. Während damals die drei Ziele von SOS ORF – nämlich der Qualitätsanspruch während der Primetime, die Offenheit der GD-Wahl und die Entpolitisierung der Information – realistisch waren.

 

Wurden die drei Grundziele erreicht?

Nein. Ich sage nur, es waren damals realistisch zu formulierende Ziele, von denen etwa die Entpolitisierung der Information ganz gut gelungen ist. Die Gewissheit, dass Frau Lindner neue Generaldirektorin wird, wurde Lügen gestraft. Und über die Qualität von ORF eins kann man lange diskutieren.

 

Stichwort Entpolitisierung der Information. Man hört sehr wohl, dass die SPÖ bei der ORF-Information interveniert.

Da muss man zwei Dinge unterscheiden: Die Avancen der Politik wird es immer geben, weil der ORF das zentrale Medium für die Politik ist. Etwas anderes ist, in welchem Umfang die einzelnen Redaktionsmitglieder im betrieblichen Alltag angehalten werden, diesen Interventionen nachzukommen. Der Tatsache, dass die Klagen seitens der ORF-Mitarbeiter weniger geworden sind, entnehme ich, dass die Situation definitiv besser geworden ist.

 

Es gibt aber Stimmen, die meinen, das liege daran, weil die Mitarbeiter in der Information der Kanzlerpartei gegenüber generell nicht sehr kritisch eingestellt sind.

Das will ich nicht beurteilen. Ich bin gegenüber den Punzierungen einzelner Leute skeptisch, so wie ich nicht von vornherein annehme, dass einem ÖVP-Richter jede Fähigkeit zur Unabhängigkeit fehlt. Ich glaube schon, dass Leute mit entsprechenden Maßstäben an professionelles Arbeiten ganz gut differenzieren können.

 

Was halten Sie von Wrabetz' Konzept für eine zweite Amtszeit?

Besser als befürchtet, schlechter als erhofft. Es gibt eine Vielzahl von ganz zutreffenden Bekundungen, die aber so offen gehalten sind, dass man erst in der Realität sehen wird, was daraus wird.

 

Haben Sie eine Idee, wie man den ORF entpolitisieren könnte?

Das ist die falsche Fragestellung. Ich will keinen entpolitisierten ORF, weil das eine Chimäre wäre. Es wird bei einem Unternehmen dieser Größe nicht zu einer tatsächlichen Entpolitisierung kommen. Möglich ist nur eine Stärkung der Unabhängigkeit der Mitarbeiter. Und es bedarf einer Reformierung des Stiftungsrates. Er müsste auf einen Aufsichtsrat nach aktienrechtlichem Muster verkleinert werden. Da kommt es auch zu parteipolitischen Besetzungen, das halte ich aber nicht per se für ein Übel. Aber es soll ein Aufsichtsgremium sein, das tatsächliche Kontrolle ausüben kann.

Zur Person

Alfred J. Noll, geb. 1960 in Wien. Der Anwalt und Autor ist Generalsekretär der Film Austria und Mitinitiator der 2006 gegründeten Plattform SOS ORF, die sich um Programmqualität und Unabhängigkeit des ORF sorgte und von 70.000 Menschen unterstützt wurde. [Elke Mayr/Picturedesk.com]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 6. August 2011)

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21 Kommentare
Gast: gerechtiker
09.08.2011 00:47
0 0

wortklauberei

"Der große Unterschied besteht darin, dass Molterer damals offiziell verlautbart hat, Frau Lindner werde die neue Chefin. Während die SPÖ hier und heute nur keinen Zweifel daran gelassen hat, dass Alexander Wrabetz ihr Kandidat ist, ohne zu verlautbaren, er werde es jedenfalls werden. "

das ist eine wortklauberei, um ja einen roten ORF zu legitimisieren.

"die Entpolitisierung der Information – realistisch waren."

und, jetzt nicht mehr legitim????

Armer ORF. Keiner da, der ihn vor solchen Rettern rettet

Na ja, schaut eh bald keiner mehr zu. Nicht einzusehen ist aber, warum die ganze Bevölkerung für die Finanzierung der gar nicht so geringen Gagen roter und grüner Parteipropagandisten aufkommen muss.

Gast: Gerne nur Gast
08.08.2011 17:11
0 0

Es ist ganz einfach es genügen ganz wenige Worte:


2006 ging es "gegen Rechts", gegen die Bürgerlichen, daher Geschrei.

2011 ginge es gegen Links, daher kein Geschrei sondern stillschweigende Zustimmung.


Gast: Niederösterreich
06.08.2011 15:37
5 0

Ist die "Presse" wirklich so naiv zu glauben,

daß "SOS ORF" die Meinungsvielfalt im Auge hat? Abgesehen davon, daß Dr. Noll und Dr.Huemer unschwer als prononcierte Linke zu identifizeren sind - daß diese Herrschaften gegen die derzeitige Führung des ORF nichts unternehmen, ist doch sonnenklar, weil der ORF mit Wrabetz fest in linken Händen liegt und die Linken im Stiftungsrat eine satte Mehrheit haben. Überflüssig war es, die gelernte Reporterin Monika Lindner so herunter zu machen. Soviel wie der gelernte Jurist Wrabetz versteht die vom ORF auch noch. Und - unausgesprochen - so zu tun, als wären mit Wrabetz die "politischen" Interventionen Geschichte, ist scheinheilig! In diesem Zusammenhang sollte man nicht unerwähnt lassen, daß Bm Zilk + sofort im ORF angerufen hat, wenn dort eine negative Kritik über sine Dagmar laut wurde.....

Daß also die "Presse" solche PR-Geschichten der Roten und ihres Freundeskreises publiziert, ist schon wirklich erstaunlich!

Gast: kranzna
06.08.2011 15:07
2 0

Entpolitisieren ist ein Schmarrn, so ein Schmarrn

wie bisher jede "Objektivierungsmaßnahme", ob im Land oder im Bund. Herauskommen irgendwelche Regeln, die mehr oder weniger gut aussehen, aber überbleibt trotzdem Parteipolitik, dann zwar eine objektiv aussehende Regelung, im Hintergrund aber tickt trotzdem das, was es parteipolitisch sein soll.

Daher haben die Parteien, die vom Volk gewählt sind auch im Stiftungsrat Sitz und Stimme, und zwar je nach ihrem Wahlanteil (und nicht so wie jetzt, wo die SPÖ mehr Einfluß hat also ihr zukommt) und dann müssen sie sich auf Redakteure einigen und die müssen einen Beitrag so gestalten, dass auch alle Aspekte aller Parteien dem Zuseher nahe gebracht werden.

Den "unabhängigen" Redakteur gibt es nämlich so gut wie nicht, so wenig es den "unabhängigen" Staatsanwalt und den "unabhängigen" Richter und die "unabhängigen" Medien gibt. Hin und wieder mag ja einmal eine solche unabhängige Sternschnuppe auftauchen, aber bevor man sie entdeckt ist sie auch schon wieder verglüht.

Die Alternative wäre, dass die jeweilige Opposition als Kontrollorgan der Regierung auch die Geschäftsführung des Rundfunks bestellen kann, während die anderen eben regieren, aber das wird wohl erst der Fall sein, wenn Österreich eine Demokratie geworden ist.

7 0

"Die Entpolitisierung der Information ist gelungen."

Klar doch. Ich sehe mir vermutlich einen anderen ORF (nicht mehr) an. Nämlich einen ORF der Skinheads zu FPÖ-Parteiveranstaltungen karrt und mit einschlägigen Devotionalien versorgt, um die gewünschten Bilder für seine "Reportagen" zu erhalten. Einen ORF dessen Reporter sich bei der Regierungsklausur in Loipersdorf hinstellte und wortwörtlich in die Kamera schwafelte: "Vor allem die Verursacher der Krise werden zur Kassa gebeten, also Banken und Spekulanten, da hat sich die SPÖ klar durchgesetzt", obwohl die rigidesten Schröpfaktionen (Erhöhung der Mineralölsteuer und die Streichung der 13. Familienbeihilfe) sicher nicht Banken und Spekulanten betrafen, sondern den einfachen Bürger.
Oder "Im Zentrum"-Diskussionen die regelmäßig nach dem Motto einer gegen alle Linen bestückt werden und mitunter sogar durchgehend links, so dass bei einer Schulreform-Diskussionsrunde alle so einträchtig pro Gesamtschule auftraten, dass sogar der Moderator schon beinahe flehentlich fragte, ob es denn keine Gegenstimme gäbe.

Der jetzige ORF ist jedenfalls so penetrant und stramm links, dass man ihn nur noch abdrehen kann und dass Herr Noll das als Verbesserung verkaufen will, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass er und seine Plattform lediglich SPÖ-Marionetten sind. Der ORF sollte jedenfalls besser noch gestern einfach verscherbelt werden, denn mittlerweile wird sogar schon die Bildungs-TV Schiene von den Privaten (Servus TV) besser bedient wie von den ORFlöchern.

Gast: zwickerl
06.08.2011 11:45
7 0

SN

wie hiess es neulich in den Salzburger Nachrichten:
"Niki Pelinka diskutiert mit Anton Pelinka, Diskussionsleitung Peter Pelinka"!
das sagt alles und ich garantiere , Herr Kopf von der ÖVP wird uns erklären, warum diese den Gebührenerhöhungen zustimmen musste?

0 0

Ein gutes Statement, aber

das Wollen hilft stark dem Glauben.

Gast: Eurrora
06.08.2011 10:30
7 0

Oh du lieber Augustin ,olles ist hin...

Ein Skandal das auch der Schwarze rot einfärbte ÖVP Chef sich von den SOZEN ,vor den verfahrenen Karren einspannen läßt.
Es ist ja einmalig ,das es den SOZEN bisher immer noch gelungen ist ,bei Betrieben wo sie das Sagen haben ,an die Wand zu fahren.

Re: Oh du lieber Augustin ,olles ist hin...

Der Begriff "Sozen" zeugt von völliger Sprachverarmung.

Kein Wunder

"Der Tatsache, dass die Klagen seitens der ORF-Mitarbeiter weniger geworden sind, entnehme ich, dass die Situation definitiv besser geworden ist."

Kein Wunder, bei vorwiegend linken Redakteuren. Viele Andere wurden schon entfernt oder trauen sich nicht mehr ihre Meinung zu sagen.

6 0

Ich will keinen entpolitisierten ORF, weil das eine Chimäre wäre.

aja, also wie bisher weiter und nur rot wurschteln, und noch höhere Zwangsbgebühren einheben, um die unschönen Gehälter auch weiterhin ständig ansteigen lassen zu können ?

Die Politik hat in einem öffentlich-rechtlichen Sender absolut NICHTS zu suchen, da sie so eine objektive Berichterstattung nicht zulässt !
Siehe dazu nur Sendungen wie "am Schauplatz" oder "im Zentrum" und deren Inhalte !!!

Am besten privatisieren, damit die Kosten endlich gesenkt werden, und das Program auch wie von deutschen Sendern bekannt, vielfältiger werden kann.

Re: Ich will keinen entpolitisierten ORF, weil das eine Chimäre wäre.

Dem Zugriff der Parteien entziehen, ja. Wie immer das auch zu bewerkstelligen wäre bei einem öffentlich rechtlichen Unternehmen.
Aber privatisieren? Ganz ehrlich: Gefällt Ihnen RTL udgl.? Mir jedenfalls nicht.
Ö1 wäre in einem privat geführten Unternehmen schwer vorstellbar.

Gast: Hunter
06.08.2011 08:24
11 0

Der ORF ist ein von den Bürgern zwangsfinanzierter rotgrüner Parteisender und gehört vollständig privatisiert oder noch besser zugesperrt.

Wenn ich linke Propaganda alla ORF will kann ich auch das nordkoreanische Staatsfernsehen einschalten.
Also weg mit ORF und GIS und all seinen Kostgängern auf Steuerzahlerkosten.

Gast: krikri
06.08.2011 06:25
7 0

der ORF... der ORF...

eine große parteiveranstaltung mit angeschlosenem propagandabetrieb von unseren politikern kontrolliert und manipuliert bzw. misbraucht! und für DAS alles muss der bürger sogar noch zahlen?!

getarnt alles natürlich mit worten wie "bildungsauftrag"... "qualitätsjournalismus"... usw.

in wirklichkeit nichts anderes als ein selbstbedienungsladen mit "freunderln" geschichten wohin man schaut und einen mangel an integrität wie man es bei all den staatsnahen "betrieben" findet!


Gast: Auchdabei
05.08.2011 21:33
14 1

"Die Ziele von damals sind erreicht..."

Ganz recht.
Der ORF ist wieder fest in roter Hand.
Mission accomplished...

Gast: UKW
05.08.2011 20:14
16 1

Kein schlechtes Wort über die SPÖ ist dem feinen Herrn über die Lippen gekommen

Dieses Interviiew mit dieser SPÖ-Marioonette hätte man sich sparen können.

Gast: Plinius
05.08.2011 19:50
2 0

SOS

Es wäre hoch an der Zeit, wenn dieses Forum wieder aktiv wird, damit noch ein Funken von Glaubwürdigkeit bei der Postenbesetzung beim ORF gerettet wird. Auch wenn es letztlich nichts nützt. Ein solches Berufungsverfahren hält jede qualifizierte Person von einer Bewerbung ab.Es lebe das Mittelmass und der Parteienproporz!

Gast: garstig?
05.08.2011 19:27
11 1

GAR kein orf...



DAS hat zukunft !

Gast: Strawberry fields forever!
05.08.2011 19:10
15 1

"Entpolitisierung der Information ganz gut gelungen"

Noll im Rausch? Alles heute so lustig und bunt hier ...

Antworten Gast: Lucy in the Sky with Diamonds
06.08.2011 12:04
0 0

Re: "Entpolitisierung der Information ganz gut gelungen"

Ich fürchte kein Rausch, Herr Noll ist so bunt und meint das ernst.
Und Imagine:
...no ORF, above us only Sky!